Estland treibt Digitalisierung des Energiesektors in EU voran

EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete und Estlands Wirtschaftsministerin Kadri Simson bei der Unterzeichnung der e-Energie-Erklärung. [EU2017.EE]

Im Vorfeld eines informellen Treffens der EU-Energie- und Transportminister in Estland am heutigen Mittwoch haben Politiker und Industrievertreter in Tallinn die e-Energie-Erklärung unterzeichnet. Sie zielt darauf ab, den Energiemarkt verstärkt zu digitalisieren.

Bei dem Treffen, das von der estnischen Ratspräsidentschaft organisiert worden war, unterzeichneten hochrangige Vertreter eine Erklärung, die auf eine tiefergehende Digitalisierung des Energiemarktes abzielt.

In ihr verpflichten sich die Unterzeichner, mit innovativen, digitalen Techniklösungen auf die EU-Klimaziele hinzuarbeiten. Dazu zählen unter anderem eine Maximierung der Energiespeicherkapazitäten sowie die Entwicklung intelligenter Energieeffizienz-Tools. Außerdem soll die Kooperation zwischen öffentlichen Ämtern und Behörden und der Privatwirtschaft gestärkt werden, damit die Verbraucher über digitale Kanäle die besten Strompreise und Energieanbieter finden und auswählen können.

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Wer in Estland wählen, einen Ausweis beantragen oder eine Firma gründen will, der muss weder eine Nummer ziehen, noch sich in langen Schlangen anstellen.

„Wir brauchen eine breite, weitreichende Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren, um einen sicheren, zukunftsfähigen Energiesektor aufzubauen,” sagte Kadri Simson, Estlands Wirtschafts- und Infrastrukturministerin, am Rande des Treffens. Wichtig sei es, das „Niemandsland“ zwischen den Energie- und Digitalsektoren zu erschließen und zu nutzen.

Die Vereinbarung von Tallinn wird wohl nicht die einzige Initiative zur stärkeren Vernetzung zwischen diesen beiden Wirtschaftsbereichen bleiben: Digitale Technologien werden im Energiesektor immer wichtiger. Gleichzeitig mehren sich Befürchtungen zu den Themenfeldern Cyber-Gefahr/Kriminalität und Privatsphäre.

Neben Simson unterzeichnete auch EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete die Vereinbarung. Er reiste direkt aus Nordamerika an, wo er gemeinsam mit Kanada und China für Maßnahmen gegen den Klimawandel geworben hatte. Bei den Treffen hatten die Teilnehmer auch erneut in Richtung USA und Präsident Donald Trump deutlich gemacht, dass das Pariser Klimaabkommen „unumkehrbar und unverhandelbar“ ist.

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Die Bedingungen des Pariser Klimaabkommens sind nicht verhandelbar, sagten die EU, China und Kanada. Aus Washington gab es wenig klare Reaktionen.

In Tallinn begrüßte Cañete die neue Initiative und sagte, sie unterstreiche die „Wichtigkeit digitaler Lösungen bei der Schaffung von Energiesystemen, die Vorteile für alle bieten.“ Sein Kollege Maroš Šefčovič, EU-Kommissar für die Energieunion, dankte der estnischen Ratspräsidentschaft für die Konferenz und lobte, die sechsmonatige Präsidentschaft des baltischen Landes sei „zu einem wichtigen Zeitpunkt“ gekommen: Estland verkörpere die Flexibilität und das digitale Know-How, die für einen effektiven und effizienten Energiemarkt notwendig seien.

Die Vereinbarung mit Industrievertretern hat zwar keine bindenden politischen Auswirkungen; die enthusiastischen Reaktionen auf die Unterzeichnung zeigen dennoch, wie wichtig Themen wie Energieeffizienz, Digitalisierung, Datensicherheit und die Nutzung erneuerbarer Energien inzwischen für Politik- und Wirtschaftsakteure geworden sind.

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