Erstmals mehr erneuerbare als fossile Energie in der EU

Per Windenergie wurden 2020 rund 14 Prozent des gesamten EU-Stroms produziert. [Oimheidi / Pixabay]

Erneuerbare Energiequellen haben im Jahr 2020 rund 38 Prozent des Stroms in der EU erzeugt und damit erstmals Kohle und Gas überholt. Das bestätigen am heutigen Montag veröffentlichte neue Daten.

Der Anteil fossiler Brennstoffe am Strommix sank demnach auf 37 Prozent, während die verbleibenden 25 Prozent auf Atomkraft entfielen, so die heute veröffentlichte Studie der Think-Tanks Ember und Agora Energiewende.

Sowohl die Wind- als auch die Solarenergie steigerten ihre Kapazitäten im Jahr 2020 und produzierten 14 beziehungsweise fünf Prozent des gesamten EU-Stroms. Der verbleibende Anteil der erneuerbaren Energien (19 Prozent am Gesamtstrom) wurde hauptsächlich durch Wasserkraft und Bioenergie geliefert. Diese beiden Methoden haben sich im Laufe der Jahre allerdings stabilisiert; in beiden Fällen ist aktuell kaum Wachstum mehr zu verzeichnen.

„Zu Beginn eines Jahrzehnts vieler globaler Klimaschutzmaßnahmen ist es erfreulich, dass Europa diesen Wendepunkt bei der grünen Stromerzeugung bereits erreicht hat. Das rasante Wachstum von Wind- und Solarenergie hat zum Niedergang der Kohle beigetragen. Aber das ist erst der Anfang,“ so Dave Jones von Ember Climate.

„Europa setzt auf Wind und Solar, um nicht nur den Ausstieg aus der Kohle bis 2030 sicherzustellen, sondern auch um die Gaserzeugung zu verdrängen, die stillgelegten Kernkraftwerke zu ersetzen und den steigenden Strombedarf durch Elektroautos und Wärmepumpen zu decken,“ fügte Jones hinzu.

Mit Blick auf die Zukunft gibt es jedoch viele Herausforderungen: Die EU hat sich das verbindliche Ziel gesetzt, den Anteil der erneuerbaren Energien von derzeit knapp 20 Prozent auf 32 Prozent des gesamten Energiemixes bis 2030 zu erhöhen. Um die aktualisierten Klimaziele der EU für 2030 zu erreichen, müsste dieser Anteil jedoch noch weiter, auf 38-40 Prozent, erhöht werden, so die Europäische Kommission.

Europas neuer Klimaplan läutet "Energie-Transformation" ein

Die Erfüllung der vorgeschlagenen neuen EU-Klimaziele für 2030 würde eine „Transformation“ des Energiesystems des Blocks erfordern – mit einem erneuten Schwerpunkt auf erneuerbaren Energien sowie weiteren Anstrengungen zur Reduzierung fossiler Brennstoffe in Gebäuden, Verkehr und Industrie.

Im Jahr 2020 stieg die Kapazität von Wind- und Solarenergie um 51 Terawattstunden. In der nun vorgelegten Studie wird allerdings darauf hingewiesen, dass zur Erreichung der EU-Klimaziele eine jährliche Steigerung um 100 TWh erforderlich wäre.

Die EU-Länder haben im vergangenen Jahr Pläne für die verstärkte Produktion von Strom aus erneuerbaren Energien vorgelegt. Doch auch diese sehen derzeit einen Zuwachs von lediglich 72 TWh pro Jahr vor.

Darüber hinaus gibt es weiterhin große Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedsstaaten. Während Dänemark im vergangenen Jahr zwar 62 Prozent seines Stroms aus Wind- und Solarenergie erzeugte – doppelt so viel wie das zweitplatzierte Irland -, ist sein Markt mit 18 TWh in absoluten Zahlen relativ klein. Derweil haben sieben Länder seit 2015 kaum Wachstum bei Solar und Wind verzeichnet – Portugal, Rumänien, Österreich, Italien, Tschechien, die Slowakei und Bulgarien, so Ember.

Indes hat die COVID-19-Pandemie die Stromverbrauchszahlen in Europa beeinflusst: Aufgrund der EU-weit durchgeführten Lockdown-Maßnahmen sank die Stromnachfrage 2020 um vier Prozent. Somit gab es einen deutlichen Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren.

Coronavirus-Auswirkungen: Bis zu 50 Prozent weniger Luftverschmutzung

Da die Lockdown-Regelungen den Verkehr auf den Straßen stark verringert haben, ist die Luftverschmutzung in einigen EU-Regionen um gut 50 Prozent zurückgegangen.

Doch die Auswirkungen der COVID-19-Krise auf die Stromnachfrage dürften nur von kurzer Dauer sein: Fossile Brennstoffe erholten sich später im Jahr, unterstützt vor allem durch einen Rückgang der Stromerzeugung aus Atomenergie, die ihr historisch schlechtestes Jahr erlebte – mit einem Rückgang der Stromproduktion um zehn Prozent.

Die Kohle stürzte unterdessen weiter ab, mit einem Rückgang von 20 Prozent im Jahr 2020, und halbierte sich somit gegenüber 2015. Gas hingegen fiel um lediglich vier Prozent, „unterstützt durch einen robust-stabilen CO2-Preis“, der Gas „zur billigsten Form der fossilen Stromerzeugung“ macht, so der Bericht.

Dennoch: Rund die Hälfte des Rückgangs bei Kohle werde den erneuerbaren Energien zugeschrieben, während die andere Hälfte auf die sinkende Nachfrage aufgrund der COVID-Krise zurückzuführen sei.

Die Niederlande und Spanien verzeichneten den größten Rückgang von Kohle in ihrem Strommix; sie reduzierten ihn um die Hälfte. Polen hingegen produzierte 2020 lediglich acht Prozent weniger Kohlestrom als im Vorjahr.

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins]

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