Erster Umsatzrückgang für europäische Wärmepumpenindustrie

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Wärmepumpen nutzen die Umgebungsluft zur effizienten Beheizung von Häusern und wurden als "umgekehrte Kühlschränke" bezeichnet. Sie sind von zentraler Bedeutung für die Bemühungen der EU, den Erdgasverbrauch zu senken und fossile Heizungen als dominierende Wärmequelle abzulösen. [Shutterstock/Virrage Images]

Die europäische Wärmepumpenindustrie schwächelt. Nachdem die Investitionen in die Produktionskapazitäten über das Nachfragewachstum hinausgegangen sind, sah sich die Branche gezwungen, 3.000 Arbeitsplätze zu streichen oder vorübergehend einzufrieren.

„Im Jahr 2023 sind die Verkäufe zum ersten Mal seit 15 Jahren zurückgegangen“, sagte Jozefien Vanbecelaere, Leiterin für EU-Angelegenheiten beim Europäischen Wärmepumpenverband (EHPA), am Dienstag (27. Februar) in einem Pressegespräch.

Auf der Grundlage der Verkaufsdaten von 2023 aus 14 Staaten, die 90 Prozent des europäischen Wärmepumpenmarktes ausmachen, seien die verkauften Einheiten im Vergleich zu 2022 um fünf Prozent zurückgegangen, erklärte sie.

Wärmepumpen nutzen die Umgebungsluft zur effizienten Beheizung von Häusern und wurden als „umgekehrte Kühlschränke“ bezeichnet. Sie sind von zentraler Bedeutung für die Bemühungen der EU, den Erdgasverbrauch zu senken und fossile Heizungen als dominierende Wärmequelle abzulösen.

Die europäischen Wärmepumpenhersteller, die in der Hoffnung auf einen Nachfrageboom investiert hatten, haben daraufhin 3.000 Arbeitsplätze abgebaut.

Der japanische Hersteller Daikin hat in Belgien 500 Stellen gestrichen. Der deutsche Wärmepumpenhersteller Vaillant schickte Ende 2023 100 Beschäftigte in die Kurzarbeit, eine Regelung, bei der die Arbeitszeit reduziert wird und der Staat für die Entlohnung der Beschäftigten sorgt.

Stiebel Eltron schickt ab März 800 Beschäftigte ebenfalls in Kurzarbeit.

Französische Wärmepumpenhersteller sind in ähnlicher Weise betroffen. Saunier Duval hat 500 Beschäftigte beurlaubt. Groupe Atlantic hat dasselbe mit 500 ihrer Mitarbeiter getan und den Betrieb auf zwei von fünf Tagen pro Woche reduziert.

„Wir haben vor allem gegen Ende des Jahres einen deutlichen Rückgang auf dem europäischen Wärmepumpenmarkt erlebt“, sagte Gerteric Lindquist, Geschäftsführer des schwedischen Wärmepumpenherstellers NIBE, als er die Entlassung von 500 Mitarbeitern ankündigte.

Der Branchenverband EHPA macht neben dem Rückgang der Gaspreise auch die politische Unsicherheit – einen ins Stocken geratenen Aktionsplan für Wärmepumpen – und die Verunsicherung der Verbraucher für den Stellenabbau und die rückläufige Nachfrage verantwortlich.

Auf Eis gelegt: Kommission verschiebt Aktionsplan für Wärmepumpen

Die Europäische Kommission hat ihre Vorschläge zur Förderung der Einführung von Wärmepumpen durch einen speziellen Aktionsplan von der Agenda genommen. Damit wird die Initiative wahrscheinlich bis nach den EU-Wahlen im Juni verschoben.

Schlechtes Preisverhältnis

Die Attraktivität von Wärmepumpen steht und fällt mit dem Preisunterschied zwischen Erdgas und Strom. Die teureren Wärmepumpen arbeiten etwa dreimal so effizient wie Erdgasheizkessel.

Doch ihr höherer Wirkungsgrad verblasst im Vergleich zu den außerordentlich günstigen Gaspreisen in Europa. Im Februar wurde Gas für weniger als 30 Euro pro Megawattstunde gehandelt, was zu Verbraucherpreisen zwischen 60 und 80 Euro pro Megawattstunde führte.

Der Strompreis liegt dagegen bei etwa 300 Euro pro Megawattstunde. Das ist weit entfernt von dem 2,5-fachen Preisunterschied, der nach Ansicht von Experten optimal wäre, um Anreize für den Kauf von Wärmepumpen zu schaffen.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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