Erneuerbare Energien: Offshore-Windkraft im Aufwind

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Windturbinen vor der Küste von Skovshoved in Dänemark. [CGP Grey/Flickr]

Der verlangsamte Ausbau erneuerbarer Energien in China und Japan 2016 führte weltweit zu geringeren Investitionen. Offshore-Windparks bilden jedoch die Ausnahme – das Zeichen einer neuen Reife. EURACTIV-Kooperationspartner La Tribune berichtet.

Offshore-Wind ist der einzige Sektor der erneuerbaren Energien, dessen Investitionen im vergangenen Jahr zunahmen. Dies gilt vor allem für Europa, wo es jetzt grünes Licht für Hornsea Park vor der britischen Küste gab, mit einer Leistung von 1,2 Gigawatt (GW) und Investitionen in Höhe von 5,7 Milliarden Pfund (6,48 Mrd. €). In China lässt sich ein ähnlicher Trend beobachten.

Insgesamt konnte Offshore-Windkraft fast 30 Milliarden Dollar mobilisieren. Das entspricht einem Anstieg um 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 2015. Durch sie allein fuhr Europa 25,8 Milliarden  Dollar (24,35 Milliarden Euro) und China 4,1 Milliarden Dollar ein, während sich in Nordamerika und Taiwan neue Märkte bildeten. Dies spiegelt eine gewisse Reife des Sektors wieder, vor allem in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit, Zuverlässigkeit und Leistung.

Dieser Anstieg ist umso bemerkenswerter, da weltweit die Investitionen in erneuerbare Energien um 18 Prozent auf 287.5 Milliarden Dollar (271,4 Milliarden Euro) fielen. Grund für den Rückgang sind unter anderem die anhaltend sinkenden Gerätekosten. Darüber hinaus wurden 2016 mit 70 Gigawatt mehr zusätzliche Solarkapazitäten geschaffen als im Jahr 2015 (56 GW), obwohl die Investitionen um 32% auf 116 Milliarden Euro sanken. Der Weltmarkt für Windenergie schrumpfte von 63 GW auf 56,5 GW und strich elf Prozent weniger Investitionen ein.

Erneuerbare Energien: Der europäische Solar-Boom ist zurück

Die Kapazitäten der europäischen Solarenergie sind 2016 auf 100 Gigawatt gestiegen. Dieses extrem schnelle Wachstum ist vor allem den kostengünstigeren Technologien und der öffentlichen Unterstützung geschuldet. EURACTIV-Kooperationspartner Le Journal de l’Environnement berichtet.

Wachstumstreiber China und Japan

Der globale Rückgang an Investitionen in allen Branchen der erneuerbaren Energien ist vor allem auf den Rückgang in China (-26 Prozent gegenüber dem Rekordhoch von 2015) und Japan (-43 Prozent) zurückzuführen. Auf dem Weltmarkt für Erneuerbare, der in den letzten Jahren exponentiell gewachsen ist, scheint die Zeit reif für Netzinvestitionen und die Reform des Strommarktes. Dies ist unerlässlich, will man sicherstellen, dass bestehende Kapazitäten bestmöglich genutzt werden, während ein Teil der Produktion verloren geht.

In Japan, einem Land mit schwierigen geographischen Bedingungen, kommt das Wachstum von morgen aus Solar-Wohnanlagen. Diese werden von Maßnahmen gefördert, die eher auf den Eigenverbrauch abzielen anstatt auf große Kraftwerke vor Ort.

Offshore-Windkraft treibt Europa voran

Diese beiden Märkte, die 47 Prozent des Weltmarktes ausmachen, erklären, wie es im asiatisch-pazifischen Raum zu einem Investitionsrückgang von 26 Prozent kommen konnte. Doch auch in Südafrika, Chile, Mexiko und Brasilien schwächelten die Investitionen. In den meisten Schwellenländern gab es viele Projekte, die sich im Laufe des Jahres bei den Auktionen durchgesetzt hatten, jedoch nicht in der Lage waren, ihre Finanzierung noch vor Ende 2016 abzuklären.

In Europa hingegen stiegen die Investitionen 2016 leicht um drei Prozent auf fast 71 Milliarden Dollar an. Dieses Wachstum beruht insbesondere auf der guten Entwicklung der Offshore-Windkraft, auf die sich Europa inzwischen spezialisiert hat. Es ist daher nicht verwunderlich, dass das Vereinigte Königreich mit 25,9 Milliarden Dollar  führend auf dem alten Kontinent oder besser gesagt in seinen Gewässern ist, gefolgt von Deutschland mit 15,2 Milliarden.

Rekordjahr für britische Windkraft

Die jüngsten Daten von National Grid in Großbritannien zeigen: 2015 war ein Rekordjahr für die Erzeugung von Windkraft zu Lande und zu Wasser mit wöchentlichen, monatlichen, vierteljährlichen und jährlichen Höchstständen. EURACTIV-Kooperationspartner edie.net berichtet.

Frankreich landet mit 3,9 Milliarden (ein Rückgang um fünf Prozent) auf Platz drei. Branchenexperten begrüßten das Wiederaufleben der Windkraft. So wurden die Kapazitäten im vergangenen Jahr um 45 Prozent aufgestockt. Dennoch ist Frankreich weit von den EU-Klimazielen (insbesondere dem 23-Prozent-Ziel) entfernt, die im Rahmen des Klima- und Energiepaket der Europäischen Union 2008 beschlossen wurden. Hierzu müsste man zwischen 2015 und 2020 zweimal mehr Kapazitäten installieren, als es zwischen 2005 und 2014 der Fall war. 
Um die Klimaziele der COP21 zu erreichen, sind insgesamt 900 Milliarden Dollar (845 Milliarden Euro) nötig. Hierfür müssten sich die Investitionen in die erneuerbaren Energien bis 2030 mindestens verdreifachen, erklärte Adnan Amin, Generaldirektor der internationalen Agentur für erneuerbare Energien (IRENA), am 14. Januar bei einer Generalversammlung.

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