Erdüberlastungstag: Internationale Allianz fordert Notfallplan für den Planeten

Die Co-Vorsitzende des internationalen Bündnisses "Club of Rome", Sandrine Dixson-Decleve, hat ein Programm mit Sofort-Maßnahmen für den Planeten vorgelegt. [Stephanie Lecocq/ epa]

Am morgigen Samstag ist Erdüberlastungstag – die Ressourcen unseres Planeten sind dann rechnerisch aufgebraucht, den Rest des Jahres nutzt Menschheit Öko-Kapazitäten, die sich nicht mehr regenerieren können. Eine internationale Organisation fordert daher einen Notfallplan für die Erde.

Ende 2020 wird die Menschheit so viele natürliche Ressourcen verbraucht haben, wie rein rechnerisch auf 1,6 Planeten Erde wachsen würden. Darauf macht der „Erdüberlastungstag“ aufmerksam, der dieses Jahr auf den morgigen 22. August fällt. An diesem Tag hat die Menschheit alle Ressourcen für das laufende Jahr aufgebraucht. Ab dann leben wir jenseits dessen, was unser Planet in zwölf Monaten nachproduzieren kann.

Der Erdüberlastungstag wird jedes Jahr von der internationalen Initiative Global Footprint-Netzwerk, dieses Jahr in Kooperation mit der schottischen Umweltschutzbehörde und der Universität Glasgow, ausgerufen. Erstmals liegt das Datum dieses Jahr später als sonst, ganze drei Wochen. Grund dafür ist die Corona-Pandemie, die den ökologischen Fußabdruck der Menschheit laut der Organisatoren um 9,3 Prozent hat schrumpfen lassen.

Für seine Berechnung verwendet das Global Footprint-Netzwerk rund 15.000 Datenpunkte pro Land. Darin werden Angebot und Verbrauch von Ressourcen wie Wasser, Wald, Fische oder die Ernte dem Verbrauch von Energie oder Lebensmitteln gegenübergestellt. Sind diese verbraucht, entsteht eine Art ökologisches Schuldenkonto, das bei gleichbleibender Entwicklung nicht mehr aufzufüllen ist.

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„Wir können bis zu einem gewissen Punkt auf diesem Kredit leben. Aber inzwischen sind wir auf einem irreversiblen Pfad, wie die Entwicklungen in der Antarktis oder Grönland zeigen“, sagte Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) bei einer gestrigen Onlinekonferenz zum Erdüberlastungstag. Man habe die Geschwindigkeit, als auch die Verknüpfung planetarer Systeme unterschätzt.

Die Covid-19 Pandemie habe gezeigt, dass „zumindest einige Staaten in der Lage sind, sich in Krisenzeiten solidarisch zu verhalten“, sagte Sandrine Dixson-Declève, Co-Präsidentin des Club of Rome. Das müsse auch für den Klimawandel geben, der keine singuläre Krise sei. „Wir müssen diese Solidarität zwischen dem Norden und Süden, dem lokalen, nationalen und internationalen schaffen.“

Weltweite Emissionen bis 2030 halbieren

Wie das aussehen könnte, beschreiben der Club of Rome und das PIK in einer Neuauflage ihres schon 2019 erschienenen „Planet-Notfallplans“. Darin fordern die Autoren unter anderem, die weltweiten Emissionen bis 2030 zu halbieren. Dazu soll der Ausbau erneuerbarer Energien alle vier Jahre verdoppelt und eine die jährlichen Investitionen verdreifacht werden. Außerdem brauche es in den Industrieländern einen vereinheitlichten CO2-Mindestpreis von anfangs 30 US Dollar, der sukzessiv ansteigen solle. Parallel dazu sollen fossile Brennstoffe deutlich stärker besteuert und ihre Förderung komplett eingestellt werden.

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Um die globalen Ressourcen zu schützen, soll laut des Plans ein weltweites Moratorium zur Waldrodung und zur Förderung von Öl- und Gas einberufen werden, ab 2025 sollen außerdem keine Moore, Grasflächen und Savannen in Weideflächen umgewandelt werden. Ihr Schutz solle mit drei Mal mehr Mitteln finanziert werden, unter anderem aus dem internationalen Green Climate Fonds, in dem in der kommenden Dekade 200 Milliarden US-Dollar fließen sollten.

Anderthalb Grad-Marke ist bald erreicht

Das Jahr 2020, sagt Dixson-Declève vom Club of Rome, müsse im Zeichen des planetaren Notfalls stehen und eine Dekade des Klimaschutzes einleiten, denn nun sei ein kritischer Punkt im Weltklima erreicht. Im November 2019 hatte das EU-Parlament einen solchen Klimanotstand deklariert.

Jüngsten Klimaprognosen der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) zufolge dürfte die globale Durchschnittstemperatur schon in den kommenden fünf Jahren mindestens ein, eventuell sogar anderthalb Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau (1850-1900) liegen. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte sich die Erde nach den Berechnungen des Weltklimarates um zwei bis fünf Grad erhitzt haben.

Das hat auch wirtschaftliche Folgen, wie eine am Mittwoch erschienene Studie des PIK zusammen mit dem Mercator Research Institute for Global Commons and Climate Change zeigt: Demnach würde eine globale Erwärmung um vier Grad voraussichtlich dazu führen, dass die Wirtschaftsleistung in vielen Regionen der Welt im Durchschnitt um fast zehn Prozent einbrechen könnte.

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