Energieziele in Gefahr: Niederlande kaufen bei Dänemark nach

Sehen grüner aus als sie sind: die Niederlande. [Shutterstock]

Die Niederlande haben am vergangenen Freitag zugestimmt, Dänemark 100 Millionen Euro als Teil einer Vereinbarung zu zahlen, die es der niederländischen Regierung erlaubt, mindestens acht TWh überschüssigen dänischen Stroms aus erneuerbaren Energien in ihren eigenen Büchern anzugeben. Hintergrund sind die deutlichen Probleme der Niederlande, ihre EU-Ziele für saubere Energie in diesem Jahr zu erreichen.

Laut einer kürzlich von der EU durchgeführten Bestandsaufnahme über den Einsatz sauberer Energien in ganz Europa gehören die Niederlande zu den Ländern mit den schlechtesten Ergebnissen, wenn es darum geht, die länderspezifischen Ziele für 2020 zu erreichen.

Das Land will soll eigentlich bis Ende des Jahres 14 Prozent seiner Energiekapazitäten aus erneuerbarer Energie bestreiten. Die Eurostat-Daten für 2018 – dem letzten Jahr, für das Statistiken vorliegen – zeigen hingegen, dass wohl nur 7,4 Prozent des Bruttoendenergieverbrauchs aus sauberen Energiequellen stammen.

Offshore-Windkraft boomt weiter – aber nicht genug für die Klimaziele

Im Jahr 2019 wurde in Europa ein Rekord bei der Bereitstellung neuer Offshore-Windkraftkapazitäten aufgestellt. Diese nahmen um 3,6 Gigawatt zu. Das Tempo ist dennoch nicht ausreichend, um die ehrgeizigen Klimaziele der EU zu erreichen.

Die Regierung in Den Haag bestätigte vergangene Woche, dass einige für die nahe Zukunft geplante Biomasse-, Wasserkraft-, Solar- und Windprojekte nicht ausreichen werden, um diese Lücke zu schließen. Deshalb habe man ein Abkommen mit Dänemark unterzeichnet, das dazu beitragen soll, Strafzahlungen in Millionenhöhe zu vermeiden.

„Ich habe festgestellt, dass trotz aller zusätzlichen Anstrengungen und der Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien das Ziel für 2020 voraussichtlich nicht erreicht wird,“ räumte Klimaminister Eric Wiebes in einem Brief an das niederländische Parlament ein.

Per Brieftasche die Bilanz aufbessern

Möglich gemacht wird der niederländisch-dänische Deal durch eine EU-Regelung: Länder, die bei ihren Klimabemühungen hinterherhinken, können auf eine „kreative Klimaberechnung“ zurückgreifen, um ihre Ziele zu erreichen.

Die sogenannten „statistische Transfers“ sind in der EU-Richtlinie über erneuerbare Energien enthalten und erlauben es den Mitgliedsstaaten, überschüssige saubere Energie gegen finanzielle Kompensation auszutauschen.

Luxemburg, das aufgrund seiner Binnenlage und geringen Größe Schwierigkeiten hat, seine Kapazitäten auszubauen, war das erste Land, das 2017 von dieser Möglichkeit Gebrauch machte: Das Großherzogtum zahlte Litauen rund zehn Millionen Euro; kurz darauf folgte ein weiteres Abkommen mit Estland zu ähnlichen Preisen. Die beiden Deals sollten sicherstellen, dass Luxemburg sein Klimaziel erreicht und auch die EU auf Kurs gehalten wird, ihr kollektives Ziel eines 20-prozentigen Anteils erneuerbarer Energie zu erreichen.

Luxemburg kauft überschüssige Energie, um Energieziel zu erreichen

Luxemburg hat hat von Litauen überschüssige erneuerbare Energie eingekauft, um seine Klimaziele bis 2020 zu erreichen. Dies ist rechtlich möglich durch die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU.

Minister Wiebes erklärte in seinem Brief weiter, dass „die Vergütung von 12,50 Euro pro MWh niedriger ist als vergleichbare Vereinbarungen, die von anderen europäischen Mitgliedsstaaten abgeschlossen wurden. Die Kombination aus Festpreis und flexibler Menge sorgt dafür, dass die Kosten des statistischen Transfers begrenzt bleiben.“

Sollten die angekündigten acht TWh an sauberen Strom-Statistiken nicht ausreichen, um die niederländischen Bemühungen zu ergänzen, stehen bei Bedarf weitere acht TWh zu einem ähnlichen Preis bereit. Die Niederlande haben bis Mitte 2021 Zeit, um Dänemark mitzuteilen, ob sie von dieser Zuteilung ganz oder teilweise Gebrauch machen wollen.

Geld für Forschung und Wasserstoff

Estland und Litauen haben beschlossen, ihre Gewinne aus dem Deal mit Luxemburg in die weitere Erforschung erneuerbarer Energien zu investieren und ihre Subventionsprogramme aufzustocken. Dänemark wird seine deutlich höhere Zahlung von 100 Millionen Euro für ein Wasserstoffprojekt ausgeben.

„Der dänische Staat wird die Zahlungen zur Finanzierung einer Ausschreibung für Projekte verwenden, die auf die Entwicklung und Hochskalierung von Power-to-X-Technologien abzielen,“ heißt es dazu in der Vereinbarung. Explizit wird dabei betont, dass es „einen besonderen Schwerpunkt auf die Produktion von grünem Wasserstoff“ geben werde.

Man hoffe bei diesem Projekt auf eine Energiekapazität von 100 MW, wobei „der genaue Entwurf der Ausschreibung, einschließlich der Anlagenkapazität und der Kriterien für die Zuteilung der Zuschüsse“, jedoch von den dänischen Behörden erst „in einer späteren Phase festgelegt werden wird“.

Bundesregierung verspricht sieben Milliarden Euro für grünen Wasserstoff

Die Bundesregierung hat sich auf eine nationale Wasserstoff-Strategie geeinigt. Sie sieht vor, bis 2030 Erzeugungskapazitäten von 5 GW und bis 2040 von 10 GW zu schaffen. Dazu sollen sieben Milliarden Euro in Unternehmen und Forschung fließen.

In jedem Fall teilten die beiden Länder „ein gemeinsames Interesse“ und werden künftig auch beim Wissensaustausch über die Wasserstofftechnologie zusammenarbeiten, bestätigt das Abkommen. Dänemark werde die volle Verantwortung für die Projektentwicklung behalten.

Das Energieunternehmen Ørsted und der Flughafen Kopenhagen hatten sich bereits im Mai zusammengschlossen, um bis 2023 mit Hilfe eines Wasserstoff-Elektrolyseurs nachhaltige Kraftstoffe für Busse und Lastwagen herzustellen. Es ist geplant, das Angebot bis 2030 aufzustocken, wobei auch Flugkraftstoffe in den Mix einbezogen werden sollen.

Laut Wiebes sind die Niederlande derweil auf bestem Weg, ihr (unverbindliches) 27-Prozent-Ziel für den Anteil grüner Energien im Jahr 2030 zu erreichen. Bis Ende des Jahrzehnts sollen demnach mehr als 30 Prozent der eigenen Energienachfrage aus Erneuerbaren gedeckt werden.

Dänemark will 50 Prozent erreichen.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]

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