Nachdem die Kommission und das belgische Unternehmen Distrigas den Entwurf eines Vertrages fertig gestellt hatten, teilten die Wettbewerbsbehörden der EU Energiekonzernen mit, dass in Zukunft bestimmte Kartellverfahren vermieden werden können, wenn langfristige Verträge über Gas- und Stromlieferungen begrenzt bleiben.
Distrigas, ein Tochterunternehmen von Suez, hat am 11. Oktober 2007 versprochen, seine Kontrolle des belgischen Gasmarktes zu lockern, indem es keine Erdgaslieferverträge mit neuen Einzelhandelskunden unterzeichne, die länger als zwei Jahre, sowie keine Verträge mit Industrieabnehmern, die über mehr als fünf Jahre liefen. Die Einigung sieht vor, dass neuen gasbetriebenen Kraftwerken Ausnahmen gewährt werden können, um deren Funktionsfähigkeit langfristig sicherzustellen.
Im Gegenzug zu diesen Versicherungen haben die Regulierungsbehörden der EU zugestimmt, ein laufendes Kartellverfahren gegen Distrigas fallen zu lassen. Sollte Distrigas den Bedingungen nicht entsprechen, kann die Kommission dem Unternehmen eine Strafe in Höhe von 10% dessen jährlichen Gesamtumsatzes auferlegen.
In dem Abkommen, das die Kommission am 11. Oktober 2007 bekannt gegeben hat, ist weiterhin festgehalten, dass das Unternehmen 70% des Gases, dass es jährlich vertragsmäßig ausliefert, wieder auf den Markt kommen lässt. Mehr als 80% der belgischen Gasimporte und –lieferungen werden derzeit von Distrigas kontrolliert.
Jonathan Todd, der Sprecher der EU-Kommissarin für Wettbewerb, Nellie Kroes, sagte Journalisten, wenn sich andere Energiekonzerne in der EU hinsichtlich ihrer Verpflichtungen ähnlich wie Distrigas verhielten, dann würden sie normalerweise keinem Kartellverfahren durch die Kommission unterzogen werden. Ein solches Abkommen, so Todd, würde auch für den Stromsektor gelten.
Auch wenn Todd verweigerte, genauer darauf einzugehen, auf welche Energiekonzerne er sich beziehe, hat die Kommission Kartellverfahren eröffnet, die langfristige Lieferverträge mit EDF (Frankreich) und Electrabel, Belgiens größtem Stromlieferanten und Mitglied der Suez-Gruppe, betreffen.
Am 4. September 2007 hatten Suez und Gaz de France den Abschluss eines Fusionsabkommens angekündigt, welches das drittgrößte Energieunternehmen weltweit schaffen wird. Dieser Schritt widerspreche laut Meinung mancher Beobachter dem Ziel der Kommission, den Energiesektor der EU für den breiteren Wettbewerb zu öffnen.

