Energieeffizienz: Investments in Billionenhöhe zu vergeben

Die Europäische Kommission hat gerade die Halbzeit ihres Mandats erreicht, was für ihren Vize-Präsidenten Maroš Šefčovič Anlass bietet, auf die ersten zweieinhalb Jahre der Amtszeit zurückzublicken. [EPP/Flickr]

Für EU-Politiker ist Energieeffizienz, insbesondere von Gebäuden, ein Kernpunkt auf dem Weg zur Energieunion. Doch sie müssen Privatinvestoren überzeugen, Kapital in Billionenhöhe zugänglich zu machen.

Die Energieunion ist eine Strategie, mit der die Abhängigkeit der EU von Energieimporten sowie der Klimawandel bekämpft werden sollen. Diese beiden Ziele könnten über verbesserte Energieeffizienz erreicht werden.

75 Prozent der Gebäude in der EU sind ineffizient – und Gebäude machen 40 Prozent des Primär-Energiebedarfs in der EU aus. Sanierungsarbeiten würden nicht nur neue Jobs schaffen, sondern auch die Häuserwerte erhöhen sowie Haushaltskosten für Energie senken.

Dennoch sind die Renovierungs-Bemühungen von Privatpersonen und öffentlichen Einrichtungen bislang eher verhalten. Ein Hauptgrund dafür sind die Probleme, ausreichend Zugang zu Finanzmitteln zu erhalten.

Der Special Report dieser Woche listet deshalb private und öffentliche Finanzierungsquellen für energieeffizientes Sanieren, beleuchtet die Rolle der EU-Entscheidungsträger und zeigt Vorteile von Investments in Energieeffizienz auf.

Wer schlieβt die Investitionslücke?

Laut der Energy Efficiency Financial Institutions Group (EEFIG), die von der Europäischen Kommission und der Finanz-Initiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) ins Leben gerufen wurde, muss sich privates Investment in Energieeffizienz-Maβnahmen in Gebäuden bis 2030 verfünffachen.

Man müsse die öffentlich-private Zusammenarbeit auf einen „historischen Stand heben“, um die Investitionslücke zu schlieβen. Ein Vorschlag der European Mortgage Federation sieht vor, Hausbesitzer für Sanierungsarbeiten zu belohnen, indem Hypotheken nicht komplett zurückgezahlt werden müssen oder niedrigere Zinssätze genehmigt werden.

Diese „richtungsweisenden“ Pläne, über die euractiv.com im Juni 2016 das erste Mal berichtete, werden nun realisiert, beispielsweise durch die niederländische Rabobank und durch die Triados Bank, die Niederlassungen in den Niederlanden, Belgien, Deutschland, Spanien und Groβbritannien hat.

Studie: Energieeffizienz und Erneuerbare bringen Vorteile in Milliardenhöhe

Es tut sich was in Sachen Energiewende. Was hat ein gemeinsamer IEA/IRENA-Bericht mit dem Kohleausstieg und Trumps Klimapolitik zu tun?

Um die Investitionen für Gebäude-Renovierungen in der EU wirklich zu erhöhen, muss aber Kapital von institutionellen Anlegern wie Pensions- und Versicherungsfonds kommen. Einige von ihnen haben das Potenzial dieser langfristigen und risikoarmen Investments mit stabiler Rendite bereits erkannt.

Investitionen in Billionenhöhe

Der dänische Pensionsfond PKA möchte ab 2020 insgesamt 3,5 Milliarden Euro, 10 Prozent seines Gesamtkapitals, in Effizienz und Erneuerbare Energien einsetzen. Laut EURACTIV-Informationen fordert PKA andere Fonds dazu auf, sich ebenfalls dieses Ziel von 10 Prozent zu setzen. Dadurch könnten insgesamt 1,8 Billionen Euro an zusätzlicher Förderung für energieeffizente Sanierungen freigesetzt werden.

Da institutionelle Investoren aber traditionell eher gröβere Projekte fördern und die Renovierung einzelner Gebäude als zu klein ansehen, müssen Wege gefunden werden, mehrere kleine Projekte in eine groβe Investitionsmöglichkeit zusammenzufassen, und dass die Geldgeber diese als lohnende Anlage ansehen.

Die Initiative „Intelligente Finanzierung für intelligente Gebäude“ der Kommission ist ein Beispiel für eine solche Kooperation. Über neue Mechanismen könnte die Initative bis 2020 zusätzliche 10 Milliarden Euro von privaten und öffentlichen Geldgebern generieren.

EU-Ziele können Investment beflügeln

Aktivisten argumentieren, die EU-Gesetzgeber könnten solche Investitionen durch striktere Ziele weiter beflügeln. Die Europäische Kommission fordert ein bindendes Ziel von 30 Prozent Effizienzsteigerung bis 2030. Im Jahr 2014 hatte man sich auf 27 Prozent geeinigt, aber die Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens rechtfertige eine solche Erhöhung, so die Kommission. Der Europäische Rat hat dieser Position noch nicht zugestimmt. Das Europäische Parlament hat hingegen mehrmals ein Ziel von 40 Prozent gefordert, was laut der Kommission jedoch zu kostenintensiv sei.

EU-Kommission: Klimaabkommen bringt Schwung bei der Energieeffizienz

Die neuen EU-Gesetze zur Energieeffizienz würden nicht von den Problemen der Vergangenheit eingeholt, betont Energieunionschef Maroš Šefčovič. Immerhin kämpfen ihm zufolge nun auch Unternehmer und die Zivilgesellschaft gegen den Klimawandel. EURACTIV Brüssel berichtet.

Die Non-Profit-Organisation European Council for Energy Efficiency (ECEE) unterstreicht ebenfalls, dass verschärfte Ziele für 2030 Vorteile brächten. Laut ECEE würde durch eine Anpassung der Werte von 27 auf 30 Prozent die Luftverschmutzung signifikant gesenkt und 30.000 frühzeitige Tode verhindert werden. Eine Erhöhung auf 40 Prozent, wie vom Parlament gefordert, könnte 200.000 Leben retten und Gesundheits- und Umweltkosten um bis zu 41 Milliarden Euro jährlich kappen.

Hintergrund

The Energy Union will cut across a number of policy sectors including energy, transport, research and innovation, foreign policy, regional and neighbourhood policy, trade and agriculture, according to the EU executive's plans.

Plans for the Union have developed beyond questions of security of supply to encompass issues such as fighting climate change.

The Renovate Europe campaign says that thanks to modern technology, buildings' energy demands can be cut by 80%. But, it adds, in order for that to happen, there needs to be an effective regulatory and legislative framework in place.

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