Die EU befindet sich in der abschließenden Phase eines neuen Energieabkommens mit dem Irak, nachdem der irakische Premierminister Nouri al-Maliki diese Woche Brüssel einen Besuch abgestattet hat. Das Abkommen ist Teil der Bemühungen der EU, ihre Energieversorgung zu vervielfältigen. Es bestehen jedoch Zweifel darüber, inwieweit die EU wirklich ihre Abhängigkeit von Russland reduzieren kann.
Es gäbe „sehr gute Neuigkeiten“ hinsichtlich des Voranschreitens der Gespräche zwischen der EU und dem Irak, so dass man bald eine Absichtserklärung über eine Zusammenarbeit im Energiebereich verfassen könne, sagte der Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso nach einem Treffen mit al-Maliki am 16. April 2008 gegenüber Journalisten.
Eine Absichtserklärung könnte innerhalb weniger Wochen unterzeichnet werden, so Barroso.
Während eines Treffens mit dem EU-Energiekommissar Andris Piebalgs versprach der irakische Ölminister Hussain al-Shahristani zudem, Europa jährlich mit fünf Milliarden Kubikmetern Erdgas zu versorgen, das über die von der EU geplante Nabucco-Pipeline transportiert werden könnte (EURACTIV LinksDossier).
Die Vereinbarungen mit dem Irak erfolgten im Anschluss an ein Versprechen Turkmenistans von vergangener Woche, die EU jährlich mit zehn Milliarden Kubikmetern Gas zu versorgen (EURACTIV vom 15. April 2008). Sie werden als Teil weitreichender Bemühungen der EU gesehen, ihre Ölversorgung zu vervielfältigen, um so die Abhängigkeit der Union von russischem Gas zu verringern.
Die Menge nicht-russischen Gases, welche die EU in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich erhalten kann, sei „sehr, sehr gering“, sagte Kieren McNamara von der Internationalen Energie-Agentur (IEA) EURACTIV. Zudem gebe es neue Informationen, dass Gazprom mehr in Gewinnungsanlagen investiere, so McNamara. Solche Maßnahmen würden anfängliche Befürchtungen seitens der IEA zerstreuen, dass Russland nicht ausreichend in neue Gas- und Ölfelde investiere (EURACTIV vom 1. Februar 2008).
Der Kreml wird zudem neue Gesetze einführen, welche zu einer Bindung (statt Verbrennung) des Gases bei der Ölgewinnung verpflichten würden, so McNamara. Bis 60 Milliarden Kubikmetern Gas könnten so jährlich gewonnen werden – erheblich mehr, als die gesamte Menge an Gas, welche die EU sich aus dem Irak und aus Zentralasien insgesamt erhofft, sagte er.
Die EU ist derzeit auf Russland angewiesen, das 42% ihrer Gasversorgung deckt. Die Bedenken der Öffentlichkeit wachsen, dass der Kreml seine Position als Hauptlieferant ausnutzt, um die EU für politische Ziele zu „erpressen“.
Auf Energiesicherheit in der EU zu drängen, ohne Russland eine zentrale Rolle zu geben, wäre jedoch ein „großer Fehler“, sowohl aus politischer Sicht als auch aus Sicht des Energiemarktes, sagt Thomas Gomart, der Leiter des EU-Russland-Programms am Institut français des relations internationales (IFRI). Die EU komme nicht ohne Russland aus, sagte er.

