Elektroautos nur für Reiche?

Fast ein Drittel der in Norwegen verkauften Neuwagen sind E-Autos. Das liegt wohl am hohen Einkommen der Norweger. [Shutterstock]

Im wohlhabenden Norwegen sind 29 Prozent der neugekauften Autos elektrisch. Das BIP pro Kopf ist dort doppelt so hoch wie der EU-Durchschnitt. Gleichzeitig ist China aber der größte Wachstumsmarkt für Elektroautos. EURACTIVs Partner Italia Oggi berichtet.

Elektroautos sind etwas für reiche Menschen. So könnte man die Ergebnisse einer Studie des europäischen Autoherstellerverbands ACEA interpretieren.

In Norwegen ist mit 29 Prozent fast jeder dritte Neuwagen ein elektrisches Auto. Allerdings hat das skandinavische Land ein pro-Kopf-BIP von 64.000 Euro – das ist doppelt so hoch wie der EU-Durchschnitt. In den zweitplatzierten Niederlanden (BIP 40.900 Euro) sind nur noch sechs Prozent der neuen Fahrzeuge elektrisch, in Schweden (46.600 Euro) lediglich 3,6 Prozent.

Es folgen die Schweiz mit zwei Prozent und Belgien mit 1,7 Prozent. In sechs weiteren Ländern (Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Österreich, Finnland, Portugal) stehen die Werte zwischen 0,5 und 1,5 Prozent; im Rest der EU liegen sie praktisch bei Null.

Es gibt wohl eine Verbindung zwischen Reichtum und der Verbreitung von Elektroautos. Tatsächlich stellt auch die ACEA fest, dass die E-Auto-Rate die Marke von einem Prozent nur in Ländern überschreitet, die ein BIP von über 30.000 Euro haben. Bei einem BIP von weniger als 17.000 Euro pro Kopf sind elektrische Autos quasi nicht existent.

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Global gesehen haben sich die Verkaufszahlen von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben gut entwickelt. Dies liegt vor allem an China, dem größten Markt für solche Autos. In Europa ist der Absatz besonders in den bereits top-platzierten Ländern Norwegen und Schweiz gestiegen – um je gut 40 Prozent im ersten Halbjahr 2017. Auch Deutschland zeigte dieses Jahr sehr hohe Wachstumsraten (plus 134 Prozent)

Insgesamt bleibt die Zahl rein elektrischer Wagen (keine Hybride) in Europa jedoch niedrig. Im ersten Halbjahr stieg sie moderat um 1,2 Prozent. Die Studie der ACEA zeigt ebenfalls, dass unterschiedlich starke Anreize in den einzelnen Staaten auch zu unterschiedlich positiven Entwicklungen geführt haben.

Doch auch hier schneiden die wohlhabendsten Länder am besten ab.

In Norwegen muss auf E-Autos keine Importsteuer gezahlt werden. Außerdem dürfen mit diesen Autos die Busspuren benutzt und es muss keine Maut gezahlt werden. Aus Sicht der Autobauer würden sich solche Maßnahmen in anderen Staaten aber nicht im gleichen Ausmaße positiv auswirken – erneut, weil die Pro-Kopf-Vermögen niedriger sind.

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