Zugang zu Strom: Entwicklungsziel wird wohl verpasst

Lässt auf sich warten: Die Energiewende in Afrika [Maghrebia/Flickr]

Die internationale Staatengemeinschaft wird wohl daran scheitern, die Mittel bereitzustellen, die für einen allgemeinen Zugang zu Elektrizität bis 2030 erforderlich sind. Das zeigt ein am Montag veröffentlichter Report.

Auf dem Pariser Klimagipfel 2015 hatten sich die wohlhabenderen Länder der Erde darauf geeinigt, bis 2025 jährlich mindestens 100 Milliarden US-Dollar für die Klimafinanzierung bereitzustellen.

Der Bericht „Energizing Finance“ von Sustainable Energy for All (SEforALL) zeigt jedoch, dass die Finanzierung von Stromprojekten in 20 „besonders betroffenen“ Ländern lediglich von 19,4 Milliarden Dollar im Zeitraum 2013-14 auf 30,2 Milliarden Dollar in 2015-16 gestiegen ist. Dabei würden aktuell rund 52 Milliarden Dollar benötigt, um bis 2030 Stromzugang für Alle zu sichern.

Diese 20 besonders betroffenen Staaten stellen 76 Prozent der Weltbevölkerung ohne Zugang zu Elektrizität. 15 von ihnen liegen in Afrika, fünf in Asien.

Klimaziele: "Alles hängt vom Ehrgeiz der Länder ab"

Die EU muss ihre Klimapolitik deutlich verbessern, um bis 2030 sowie 2050 die Klimaziele zu erreichen, fordert der belgische Klimaforscher Jean-Pascal van Ypersele.

„Trotz der hochtrabenden Rhetorik: Dieser Markt ist finanziell einfach nicht so solide, dass wir [beim Erreichen der Ziele] schneller und umfangreicher voranschreiten,“ analysiert Rachel Kyte, CEO von SEforALL und Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs.

Kyte warnt, das Entwicklungsziel über Elektrizitätszugang (SDDG 7) sowie die Pariser Klimaziele seien bei den gegenwärtigen Markttrends nicht zu erreichen.

Mehr private Investitionen – in Kohlekraft

Während die internationalen öffentlichen Investitionen im Energiebereich von 10,5 Milliarden Dollar (im Zeitraum 2013-14) auf 8,8 Milliarden Dollar (2015/16) gesunken sind, verdreifachten sich die privaten Mittel von 4,6 Milliarden Dollar auf 15,1 Milliarden.

Gleichzeitig fällt aber vor allem auf: Die Finanzierung von stark verschmutzenden Energieträgern – beispielsweise der Bau von Kohlekraftwerken – hat sich fast verdreifacht, von 2,8 auf 6,8 Milliarden Dollar im selben Zeitraum.

„Die Mittel für die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen steigen sehr schnell an. Wir beobachten einen großen Aufschwung bei der Kohle. Insbesondere auf den Philippinen, in Indien und in Kenia gibt es internationale und nationale öffentliche Gelder, die in Kohlekraft fließen,“ erklärt Kyte gegenüber EURACTIV.

Unterdessen sank die Finanzierung für „sauberes Kochen“ in den 20 Ländern mit den größten Zugangslücken sogar um fünf Prozent auf durchschnittlich 30 Millionen Dollar pro Jahr. Im Vergleich dazu müssten die benötigten geschätzten Investitionen eigentlich bei mindestens 4,4 Milliarden Dollar jährlich liegen.

Unter „sauberes Kochen“ fasst SEforALL „Brennstoffe und Technologien“ zusammen, die zum Kochen eingesetzt werden, vor allem also Gas und Strom. In diesem Feld machen die 20 Länder mit den größten Zugangslücken 81 Prozent der Weltbevölkerung ohne Zugang aus.

EU unterstützt private Entwicklungsinvestitionen mit 800 Millionen

Das lange angekündigte EU-Instrument für private Investitionen in Afrika ist seiner Realisierung einen Schritt näher gekommen. 800 Millionen Euro wurden zugesagt.

Der Bericht zeigt auch die fortwährende Vernachlässigung von sogenannten Off-Grid-Technologien. Deren Finanzierung sei zwar von 210 Millionen Dollar auf 380 Millionen Dollar pro Jahr gestiegen; sie stehen damit aber für nur 1,3 Prozent aller globalen Geldströme im Bereich Energieversorgung.

„Angesichts der riesigen Möglichkeiten in diesem Feld geht nahezu nichts in Off-Grid-Technologien,“ kritisiert Kyte. Ihrer Ansicht nach ist „die Finanzierung für sauberes und nachhaltiges Kochen derart weit von den Zielen entfernt, dass es wirklich verblüffend ist.“

Solarenergie dennoch auf dem Vormarsch

Immerhin: rund 54 Prozent (16,2 Milliarden US-Dollar jährlich) aller im Zeitraum 2015/16 zugesagten Mittel flossen in netzgekoppelte erneuerbare Energien, wobei sich die Finanzierung von Solaranlagen fast verfünffacht hat.

China hat sich derweil zum zweitgrößten Geldgeber für Stromprojekte entwickelt – nach dem Netzwerk internationaler Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen – und stellt inzwischen 23 Prozent der Gesamtfinanzierung bereit.

Investitionen in Afrika: China stellt die EU in den Schatten

Bei den Afrika-Investitionen konkurriert die EU mit China. Der Wettbewerber verfügt allerdings über mehr Bargeld und weniger Bedenken um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Ein weiteres Problem ist jedoch, dass rund 60 Prozent der verfügbaren Mittel auf vier Länder konzentriert zu sein scheinen – Bangladesch, Indien, die Philippinen und Kenia.

Jedes der anderen 16 betroffenen Länder – meist in Subsahara-Afrika – erhielt zuletzt weniger als eine Milliarde Dollar an Investitionen pro Jahr. Somit bleiben dort noch immer mehr als 460 Millionen Menschen ohne Zugang zu Elektrizität.

Sieben dieser Länder (Afghanistan, Angola, Äthiopien, Malawi, Mosambik, Nigeria und Sudan) meldeten sogar einen Rückgang bei der Finanzierung von Stromprojekten um mehr als 50 Prozent.

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