E-Autos könnten Feinstaub-Belastung um 8 Prozent erhöhen

In den kommenden Jahren werden die nicht aus dem Auspuff stammenden Feinstaubpartikel die Abgasmenge übersteigen.

Elektrofahrzeuge werden die Auspuffemissionen beenden und die Luftqualität in städtischen Gebieten deutlich verbessern. Studien zeigen jedoch, dass Feinstaub, der von Bremsen und Reifen stammt, weiterhin ein Gesundheitsrisiko darstellt.

Bislang haben die politischen Entscheidungsträger:innen in den Mitgliedstaaten und in Brüssel ihre Regulierungsbefugnisse eher auf die Verschmutzung durch Abgase konzentriert. Dies ist jedoch nur eine der Auswirkungen des Autofahrens auf die Luftqualität.

In den kommenden Jahren werden die nicht aus dem Auspuff stammenden Feinstaubpartikel die Abgasmenge übersteigen.

Diese entstehen durch den Abrieb der Bremsbeläge und die Reibung zwischen Straße und Reifengummi. Dadurch können sich kleine Partikel ablösen.

Diese Partikel ergeben zusammen mit den Partikeln, die durch die Abnutzung der Straßenoberfläche entstehen, den „Straßenstaub.“ Wenn Fahrzeuge eine Straße nutzen, wird dieser giftige Staub in der Luft aufgewirbelt, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass er eingeatmet wird.

Wissenschaftler:innen unterteilen den Feinstaub in Grobstaub (PM10) und Feinstaub (PM2,5). Beide sind zwar giftig, aber die winzigen PM2,5-Partikel, die etwa 30 Mal kleiner sind als ein einzelnes menschliches Haar, können tiefer in die Atemwege eindringen und das Lungengewebe schädigen.

Eine Langzeitbelastung mit hohen PM2,5-Werten steigert das Risiko von Herzerkrankungen, Schlaganfällen, Lungenkrebs und Atemwegserkrankungen. Sie kann auch zu Störungen des Fortpflanzungssystems und des zentralen Nervensystems führen.

Ein Bericht der OECD und der EU aus dem Jahr 2020 ergab, dass bis zu 346.000 Todesfälle in der EU im Jahr 2018 auf PM2,5 zurückzuführen seien.

Und obwohl Elektrofahrzeuge als Lösung für eine Reihe von Umweltproblemen gelten, werden sie das Problem der Feinstaubbelastung nicht lösen – im Gegenteil, sie könnten es sogar verschlimmern.

Elektrofahrzeuge sind aufgrund des Gewichts der Batterie in der Regel schwerer als mit fossilen Brennstoffen betriebene Fahrzeuge. Dies wird bei größeren Elektrofahrzeugen wie Plug-in-SUVs noch verschärft, die über einen erheblich größeren Motor verfügen.

Laut einer OECD-Studie produzieren große Elektroautos bis zu 8 Prozent mehr PM2.5 als die entsprechenden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Und das, obwohl Elektrofahrzeuge über eine regenerative Bremse verfügen, die den Einsatz des Bremspedals reduziert.

Neben der Beeinträchtigung der Luftqualität trägt der Fahrabrieb auch wesentlich zur Entstehung von Mikroplastik in Europa bei. Der Kunststoff kann von den Straßen in die umliegenden Gebiete gelangen und die Tier- und Pflanzenwelt beeinträchtigen.

Jüngste Studien zeigen, dass Mikroplastik in die Lebensmittel, die wir essen, und in das Wasser, das wir trinken, gelangt. Eine Studie der Umweltschutzorganisation WWF aus dem Jahr 2019 zeigt, dass die Menschen bis zu fünf Gramm Plastik pro Woche zu sich nehmen könnten – das entspricht der Menge einer Kreditkarte.

Das EU-Parlament erwägt eine gesonderte Regelung für den Reifenabrieb, die Hersteller zur Einhaltung von Mindesthaltbarkeitsstandards verpflichten würde. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass vor 2023 eine einheitliche Prüfmethode festgelegt wird.

Die Reifenindustrie hat sich gegen die anstehende Gesetzgebung gewehrt und argumentiert, dass der wissenschaftliche Konsens über den Zusammenhang zwischen schädlichem Mikroplastik und Reifen nach wie vor unklar sei.

„Fahrverhalten, Straßen- und Fahrzeugeigenschaften können zusammen einen viel größeren Einfluss auf die Geschwindigkeit haben, mit der sich Reifen- und Straßenabriebpartikel bilden, als die Reifenkonstruktion selbst“, heißt es auf einer von der Reifenindustrie unterstützten Website, auf der ein „ganzheitlicher Ansatz“ zur Bewältigung des Problems gefordert wird.

Kompromissfindung bei CO2-Preis-Überarbeitung bleibt im EU-Parlament schwierig

Der Abgeordnete, der im Europäischen Parlament für die Verabschiedung wichtiger EU-Klimarechtsvorschriften zuständig ist, hat seine Kolleg:innen aufgefordert, den Streit zu beenden und sich der aktuellen geopolitischen Lage zu stellen.

Saubere Luft

Die Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Europäischen Parlaments, die französische Abgeordnete Karima Delli, hat die Europäische Kommission in einem förmlichen Schreiben gefragt, welche Maßnahmen die EU-Exekutive zu ergreifen gedenkt, um die Gesundheitsgefährdung durch Feinstaub zu verringern.

„Die wichtigste Ursache für Feinstaubemissionen aus dem Straßenverkehr ist derzeit nicht in den Euro-Normen enthalten. Es gibt jedoch Technologien, die in der Lage sind, die nicht-abgasbedingten Emissionen, insbesondere den Bremsstaub, deutlich zu reduzieren“, so die Abgeordnete.

Eine solche Lösung, die von der französischen Firma Tallano entwickelt wurde, saugt im Wesentlichen den Staub von den Bremsbelägen in einen Filter, bevor er in die Umwelt gelangt.

Nach Angaben der Hersteller des Produkts können so bis zu 90 Prozent der Bremsemissionen vermieden werden.

Die gleiche Technologie kann auch bei Zügen und Straßenbahnen eingesetzt werden. Frankreichs staatliche Eisenbahngesellschaft SNCF arbeitet mit dem Unternehmen zusammen, um den Feinstaubausstoß ihrer Flotten zu verringern.

Es wird erwartet, dass die kommenden EU-Normen für Pkw-Emissionen – die sogenannte Euro-7-Verordnung, die im Juli vorgestellt werden soll – neben der Auspuffverschmutzung auch die Emissionen der Bremsbeläge berücksichtigt.

Die derzeitige Euro-6-Verordnung regelt nur die Partikelemissionen aus den Auspuffrohren.

Während Euro 7 den Geltungsbereich des Gesetzes auf die Bremsbeläge ausdehnt, bleiben die von den Reifen abgegebenen Partikel ausgenommen, vor allem wegen Problemen bei der Messung diese Emissionen.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]

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