Don Quijote der rumänischen Wälder: Im Kampf gegen die Holzmafia

"All dies geschieht oft, weil die lokalen Behörden Seite an Seite mit den Holzdieben arbeiten", erklärte Gabriel Paun gegenüber Efe. [Agent Green]

Die rumänischen Wälder, die zu den größten und ältesten in der Europäischen Union gehören, sind ernsthaft durch den massiven illegalen Holzeinschlag bedroht. Es ist ein Geschäft im Wert von bis zu einer Milliarde Euro pro Jahr. Eine Handvoll Bürger hat sich nun angesichts der Passivität oder sogar der Komplizenschaft der Behörden entschlossen, dagegen vorzugehen.

Tiberiu Bosutar, ein Bewohner des Dorfes Moldovita im äußersten Norden des Landes, hat sich gegen diese in der Europäischen Union noch nie dagewesene Situation zur Wehr gesetzt. Vor vier Jahren beschloss er, nicht mehr auf Antworten der Behörden zu warten und selbst gegen die Mafia vorzugehen, die mit ihrem illegalen Holzeinschlag die Wälder vernichten.

Bosutar war es leid, Lastwagen vorbeifahren zu sehen, die mit heimlich gefällten Stämmen beladen waren, und begann mit einer Arbeit, die die Polizei nicht erledigte.

„Im Oktober, November und Dezember 2016 nahm ich Papier und Bleistift und zählte alle Lastwagen, die die Stadt verließen und keine Dokumente hatten“, erklärt er in einem Interview mit Efe.

Der Rumäne benutzte eine offizielle Website, auf der man durch Eingabe des Kennzeichens überprüfen kann, ob ein Fahrzeug eine Genehmigung zum Holztransport hat.

„So kam ich zu der Erkenntnis, dass jeden Monat mehr als hundert Transporte die Stadt ohne Dokumente verließen“, sagt der Aktivist, der die Vereinigung Moldovita gegründet hat, um die illegale Holzrodung bekannt zu machen.

„Niemand wollte mir glauben“, klagt Bosutar und erinnert sich daran, wie er die Situation der Polizei meldete, die ihm lediglich empfahl, die illegalen Transporte auf Video aufzunehmen, um Beweise zu sammeln.

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Kameras gegen die Diebe

Bosutar installierte eine 24-Stunden-Videoüberwachung in einer Wohnung auf seinem Grundstück mit Blick auf die Straße, an der die Fahrzeuge vorbeifuhren.

Obwohl die Polizei seine Informationen nicht immer ernst nimmt, hat sein Überwachungssystem dazu geführt, dass es seit zwei Jahren keine illegalen Holztransporte mehr aus seinem Dorf gibt.

Illegaler Holzeinschlag bleibt bestehen

Trotzdem ist der illegale Holzeinschlag in Moldovita nicht verschwunden. Zusätzlich zu dem Holz, für das sie eine Genehmigung haben, fällen die offiziellen Holzarbeiter auch andere Bäume heimlich, wofür sie den Förstern und anderen korrupten Beamten ein wenig Schmiergeld zahlen.

Diese gestohlenen Baumstämme befinden sich dann einfach auf den Transporten, die als legal registriert sind.

„All dies geschieht oft, weil die lokalen Behörden Seite an Seite mit den Holzdieben arbeiten“, erklärte der Aktivist Gabriel Paun gegenüber Efe.

Paun ist Gründer der NGO „Agent Green“, eine der Organisationen, die die Europäische Kommission dazu veranlasst haben, Rumänien im Februar mit Sanktionen zu drohen, wenn es nicht mit der Einhaltung der europäischen Waldschutzgesetze beginnt.

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Ein Klima der Bedrohungen und Morde

Die Konfrontation mit der Holzmafia in Rumänien ist gefährlich und Aktivisten wissen das. „Wir haben Angst, weil wir wissen, dass wir einigen Leuten das Geschäft verderben“, sagt Bosutar.

„Wir wurden eingeschüchtert, festgenommen und angegriffen“, erklärte auch Gabriel Paun mit Blick auf seine Inspektionen der Wälder zur Dokumentation des illegalen Holzeinschlags.

Nach Angaben der Förstergewerkschaft gab es seit 2014 mindestens 168 gewalttätige Übergriffe, sechs davon mit tödlichem Ausgang. Die letzten beiden Todesfälle ereigneten sich Ende 2019.

Diese Morde machten die Gefahr deutlich, die von der Holzmafia für die Förster ausgeht.

Deshalb haben die rumänischen Behörden vor kurzem beschlossen, dass die Förster bewaffnet werden sollten, um sich in solchen Situationen verteidigen zu können.

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Eine wertvolle grüne Lunge für Europa

Offiziellen Angaben zufolge werden in Rumänien jährlich 20 Millionen Kubikmeter Holz illegal geschlagen. Zum Vergleich: Knapp 19 Millionen Kubikmeter Holz werden mit den entsprechenden Genehmigungen geschlagen.

Nach Angaben der NGO Greenpeace liegt der geschätzte Wert solchen gestohlenen Holzes zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro pro Jahr.

Der Präsident des Landes Klaus Johannis bezeichnete diese Zahlen im Dezember als „erschreckend“ und forderte die Regierung auf, „eine solide Politik und entschlossene Maßnahmen“ zu ergreifen, um dieser Situation ein Ende zu bereiten.

Rumänien hat nach Angaben der Europäischen Kommission die größte zusammenhängende Waldfläche in Europa und die größte Fläche an Primär- und Altwäldern auf dem Kontinent, ausgenommen von Skandinavien und Russland.

Abgesehen davon, dass die Wälder Rumäniens eine grüne Lunge für Europa sind, die große Mengen an Kohlendioxid absorbiert und für die Luftqualität ausschlaggebend ist, beherbergen die Wälder Europas große Populationen von Bären, Luchsen und Wölfen.

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Die Lösung des Problems

Um diesen ökologischen Schatz zu schützen, schlägt Bosutar vor, Kameras in den Wäldern zu installieren.

„Seit mehr als einem Jahr verhandle ich mit den Behörden, um Kameras am Ausgang unseres Waldes aufzustellen, aber sie geben mir alle möglichen Gründe, dies nicht zu erlauben.“

Auch Paun ist der Meinung, dass die bestehenden Überwachungstechnologien die einzige Möglichkeit ist, die Mafia zu stoppen.

Für Bosutar sollte die Überwachung stattfinden, bevor das Holz den Wald verlässt, denn danach „ist es sehr einfach, Dokumente zu beschaffen, um es als legal zu deklarieren“.

„Mit einer guten Zusammenarbeit zwischen Bürgern, NGOs und Behörden könnten wir den illegalen Transporten mit legalen Dokumenten ein Ende setzen“, betont dieser Don Quijote der rumänischen Wälder.

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[Bearbeitet von Britta Weppner]

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