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11/12/2016

Die Herausforderungen der Energieunion für Deutschland

Energie und Umwelt

Die Herausforderungen der Energieunion für Deutschland

© EurActiv Deutschland | Felix Lennart Hake

EurActiv Deutschland hatte eingeladen: Die aktuelle Lage der Europäischen Energieunion – ein Prestige-Projekt der EU Kommission – stand zur Diskussion. Ein Veranstaltungsbericht.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Maroš Šefćović, Vizepräsident der Kommission und verantwortlich für die Energieunion, der die Prioritäten für die Energieunion bis Ende des Jahres und die Pläne bis zum Ende des aktuellen Kommissionsmandates vorstellte. Dazu will die  Kommission bis Ende des Jahres einen neuen, umfangreichen Rahmen vorzustellen.  Doch es reiche nicht aus, Vorschläge in Brüssel zu machen. Vor allem in den einzelnen Mitgliedstaaten müsse die Diskussion und spätere Umsetzung  stattfinden.  Energiepolitik ist kein isolierter Politikbereich.  Šefćovi betonte den engen Zusammenhang zwischen Klima- und Energiepolitik und die Möglichkeit, mit der Energieunion themenübergreifend eine neue Art der Wirtschaft – ein Europa 4.0 zu schaffen.

Was heißt das konkret? – Ein Jumbo-Paket zum Ende des Jahres

Bis Ende des Jahres möchte der Kommissar ein Jumbo-Paket vorlegen, mit drei Kernkomponenten:

  • Erstens, der Fokus auf Energieeffizienz: Nicht nur die Revision der Energieeffizienzrichtlinie und die Umsetzung der Verpflichtungen der Pariser Abkommen,  sondern auch die Renovationen zur Steigerung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden unterstützt durch das Finanzierungsinstrument „Smarte Finanzierung für smarte Gebäude“.
  • Zweitens, Ecodesign und Ecolabelling- Maßnahmen: Dadurch könnten bis 2020 Energieeinsparungen erreicht werden, die der Höhe des italienischen Energieverbrauches innerhalb eines ganzen Jahres entsprechen.
  • Drittens, eine neue Gestaltung des  Elektrizitätsmarktes: Um Preissignale wieder hervorzuheben,  erneuerbare Energien besser zu integrieren, einen schnelleren Stromhandel zu ermöglichen und Kapazitätsengpässe zu vermeiden.

Das Paket soll Vorschläge für diese und weitere Herausforderungen beinhalten.

Energiebedarf reduzieren, Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern und weniger Energieimporte

Aus der deutschen Politik sprach sich Dr. Julia Verlinden dafür aus, dass die Diskussion auf Europäischer Ebenevor allem dazu führen muss, dass wir weniger Energieimporte brauchen. Zudem sollte sich die Energie Union weniger darauf fokussieren, woher die Energierohstoffe kommen, sondern darauf,  wie wir bei der Energieeffizienz und der Diversifizierung der Energieträger zusammenarbeiten können, um letztendlich auch mehr erneuerbare Energien einzusetzen.

Dr. Joachim Pfeiffer betonte, dass eine stärkere Verknüpfung der nationalen Netze essentiell sei. Vor allem für den Energieträger Erdgas sei die weitere Entwicklung der Infrastruktur erforderlich. Projekte, die zur europäischen Versorgungssicherheit beitragen seien für ganz Europa wichtig.

Laut Karsten Brüggemann könnten die erneuerbaren Energien allerdings durchaus einen bestimmten Beitrag zur sogenannten Regelenergie – und damit zur Versorgungssicherheit leisten. Welche technischen Möglichkeiten es bei den erneuerbaren Energien mittlerweile gebe, sei in der Politik aber immer noch nicht angekommen. In jedem Falle müsse das Marktdesign aber so gestaltet sein, dass alle Energieversorger auf gleicher Ebene miteinander konkurrieren können. Das sei bisher nicht gegeben. Als Beispiele nannte Brüggemann den „nicht funktionierenden Emissionshandel“ und den Vorrang der konventionellen Energien, vor allem in der Versorgung der Regelenergie.

Energy Efficiency first  – Der Rahmen wird europäisch gesteckt

Die Energie Union sei zentral, um einen einheitlichen Energiemarkt zu schaffen und auch „einheitlich bei der größten Energiequelle voran zu gehen, nämlich bei der eingesparten Kilowattstunde, bei der Energieeffizienz,“ so Martin Bornholdt, Geschäftsführer der Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (Deneff).  Bevor teure Infrastrukturinvestitionen getätigt würden, müsse gesichert sein, dass der Verbrauch reduziert wird. Dazu müsse die  Energieeffizienzrichtlinie ein Energieeffizienzziel von mindestens 30 Prozent vorgeben – und das verbindlich.

Allgemein würdigte der Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, Michael Roth, die Energieunion als „das wichtigste gemeinsame Projekt der EU-Staaten, um in der Energiepolitik an einem Strang zu ziehen. Eine Energieunion aus 28 Staaten zu schaffen, darunter einige der größten Volkswirtschaften der Welt“, sei sicherlich ein „ehrgeiziges Vorhaben“, sagte er in seiner Rede.

Das EurActory Energy Union Projekt und die dazugehörige Veranstaltungsreihe bringt führende Entscheidungsträger aus der Politik, Wirtschaft und Forschung zur Energieunion in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten zusammen. Nach Veranstaltungen in Brüssel, Bratislava und Berlin wird die nächste Veranstaltung 2017 in Paris stattfinden.

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