Die EU plant die Erfassung der „Eingebettete“ CO₂-Emissionen von Gebäuden

Der durchgesickerte EU-Richtlinienentwurf schreibt die Berechnung des globalen Erderwärmungspotenzials über den gesamten Lebenszyklus von neuen Gebäuden mittels Energieausweisen vor. [Shutterstock/ESB Professional]

Die Europäische Kommission erwägt eine neue EU-weite Vorschrift zur Messung der mit Baumaterialien verbundenen Kohlenstoffemissionen während ihres gesamten Lebenszyklus. Es wird jedoch erwartet, dass sie vorerst keine Regelungen treffen wird.

Gebäude machen etwa 40 % des Energieverbrauchs und 36 % der Treibhausgasemissionen in der EU aus. Um diese zu bekämpfen, hat die Europäische Union ein umfassendes Renovierungsvorhaben auf den Weg gebracht, um ihr rechtlich verbindliches Ziel zu erreichen, die Emissionen bis 2050 auf null zu senken.

Die Europäische Kommission will im Rahmen der anstehenden Überarbeitung der EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (Energy Performance of Buildings Directive), die am 14. Dezember ansteht, bis 2035 Mindeststandards für die Gesamtenergieeffizienz aller Gebäude einführen.

Bei der Reduzierung der Umweltauswirkungen der im Bausektor verwendeten Baumaterialien wurden jedoch nur geringe Fortschritte erzielt.

„Weltweit entfallen 11 % der Emissionen auf den Eingebettete Emissionen, d. h. auf die Emissionen, die durch den Bau, den Abriss und die gesamte Lieferkette eines Gebäudes entstehen“, heißt es in einem Schreiben des Projekts #BuildingLife, einer Koalition von Interessenvertretern der gesamten Wertschöpfungskette im Bauwesen.

Das Ziel der Koalition ist es, die Kommission davon zu überzeugen, den sogenannte Whole Life Carbon (WLC) Ansatz anzuwenden und somit die Eingebettete Emissionen während der gesamten Lebensdauer eines Gebäudes in Betracht zu ziehen.

Die Koalition schätzt, dass der eingebettete Kohlenstoff 10-20 % der Gesamtemissionen im Zusammenhang mit Gebäuden in der Europäischen Union ausmacht, weist aber darauf hin, dass auf EU-Ebene nicht genügend Daten zur Verfügung stehen, um den Fortschritt auf einheitliche Weise zu messen.

In Brüssel zeigt die Europäische Kommission Interesse an diesem Ansatz, hat sich aber vorerst für eine vorsichtigere Regulierungshaltung entschieden und konzentriert sich zunächst auf Standardmessungen, bevor sie die Einführung von Umweltzielen auf EU-Ebene in Betracht zieht.

Zu den Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt, zählt die Kommission in einer vorläufigen Kosten-Nutzen-Analyse der Revision die Emissionen von Gebäuden „während ihres gesamten Lebenszyklus, einschließlich der Herstellung und des Transports von Materialien, des Baus, der Renovierung und des Endes der Lebensdauer“.

Laut dem durchgesickerten Entwurf der Revision der EU-Richtlinie werden die EU-Länder aufgefordert, einen „Überblick“ über die geplanten Maßnahmen zur „Verringerung der Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus beim Bau, bei der Renovierung, beim Betrieb und am Ende der Lebensdauer von Gebäuden“ vorzulegen.

Die Europäische Kommission erwägt auch die Einführung einer nicht obligatorischen WLC-Kategorie in den Energiebedarfsausweisen (EPCs) für Gebäude.

Nach dem derzeitigen Entwurf sollen die Energiebedarfausweise eine „Ja/Nein-Angabe, ob für das Gebäude eine Berechnung der Kohlenstoffemissionen über die gesamte Lebensdauer durchgeführt wurde“, und „den Wert der Kohlenstoffemissionen über die gesamte Lebensdauer (falls verfügbar)“ enthalten.

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Der Entwurf einer EU-Richtlinie, der am 14. Dezember veröffentlicht werden soll, sieht die Einführung von Mindestnormen für die Gesamtenergieeffizienz bestehender Gebäude vor, an denen größere Renovierungsarbeiten vorgenommen werden.

Berechnungsmethoden

Der durchgesickerte EU-Richtlinienentwurf schreibt die Berechnung des globalen Erderwärmungspotenzials über den gesamten Lebenszyklus von neuen Gebäuden mittels Energieausweisen vor.

Dies soll ab dem 1. Januar 2027 „für alle neuen Gebäude mit einer Nutzfläche von mehr als 2000 m²“ und für alle neuen Gebäude ab dem 1. Januar 2030 erfolgen.

Diese sollten auf der Grundlage von standardisierten, auf EU-Ebene akzeptierten Methoden zur Messung der Kohlenstoffbilanz von Gebäuden erfolgen.

Wo nationale Berechnungsinstrumente existieren, können sie für die geforderte Offenlegung verwendet werden“, heißt es in dem Entwurf. Andere Berechnungsinstrumente, die bereits auf nationaler Ebene eingesetzt werden, können verwendet werden, „wenn sie die Mindestkriterien des gemeinsamen EU-Rahmens Level(s) erfüllen“, heißt es weiter.

Die Level(s)-Initiative geht auf das Jahr 2018 zurück, als die EU mit der Erprobung eines neuen Rahmens begann, der die Nachhaltigkeitsleistung von Gebäuden vom Entwurf bis zum Ende ihrer Lebensdauer messen soll.

„Level(s) soll die Nachhaltigkeit von Gebäuden während ihres gesamten Lebenszyklus verbessern und Fachleuten dabei helfen, bessere Gebäude zu erbauen und gleichzeitig den Übergang Europas zu einer stärker kreislauforientierten Wirtschaftsweise zu beschleunigen“, sagte EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius 2020, als die Initiative offiziell gestartet wurde.

„Ich sehe die Auswirkungen von Level(s) als ein Signal für die Industrie, dass die EU einen Standpunkt zu den Nachhaltigkeitszielen eingenommen hat“, erklärte Remy Heijer vom Dutch Green Building Council.

„Dies wird eine große Auswirkung auf die Branche haben, da es Definitionen für Nachhaltigkeit auf internationaler Ebene gibt“, fügte er hinzu.

Die meisten EU-Staaten scheinen auch bei der Nutzung des Level(s)-Rahmens mit an Bord zu sein.

„Aus einigen Gesprächen, die ich mit einigen Mitgliedsstaaten geführt habe, geht hervor, dass sie es vorziehen würden, Level(s) beizubehalten und zu verwenden“, erklärte Quentin Gallard von Knauf Insulation gegenüber EURACTIV.

Frankreich führt den Wandel an

Da ein Großteil der gebäudebedingten Emissionen mit dem Energieverbrauch zusammenhängt, ist es offensichtlich, dass die Effizienzsteigerung von Gebäuden eine niedrig hängende Frücht“ ist, was den Fokus der EU auf Renovierung und Isolierung erklärt.

In Ländern mit einer kohlenstoffarmen Stromversorgung wie Frankreich haben die Emissionen aus dem Energieverbrauch von Gebäuden jedoch weniger Priorität als in Ländern mit einem Kohlenstoff-intensiven Strommix wie Deutschland.

„Da in Frankreich viel mit Strom geheizt wird und der Emissionsfaktor von Strom in Haushalten extrem niedrig ist, sind 75 % der Emissionen im Gebäude enthalten, während der Rest aus der Heizung stammt“, erklärt Vincent Briard, Nachhaltigkeitschef von Knauf Insulations.

Während sich die EU in erster Linie mit den Emissionen aus dem Heizen befasst, haben einzelne EU-Staaten begonnen, einen Alleingang zu unternehmen.

„Bei diesem Thema ist Frankreich schneller als andere Länder vorangekommen und hat die französische Umweltverordnung RE 2020 geschaffen“, sagte Briard gegenüber EURACTIV und fügte hinzu, dass er mit ihrem Inkrafttreten Anfang 2022 rechne.

Die neue französische Verordnung wird die Kohlenstoffauswirkungen aller in einem Gebäude verwendeten Materialien und Geräte berücksichtigen, vom Bau bis zum Abriss. Außerdem wird der Kohlenstoff, der heute emittiert wird, stärker gewichtet als der Kohlenstoff, der später emittiert wird.

Die Initiative „wird die Verwendung von Materialien mit einer geringen Kohlenstoffbilanz, insbesondere von Holz und biologischen Rohstoffen, fördern“, so die ATIBT, der internationale Fachverband für Tropenholz.

Die meisten unmittelbaren Energie- und Kohlenstoffeinsparungen werden durch die Verwendung von Holz als Alternative zu Zement, Ziegeln und Stahl erzielt. Jüngste Untersuchungen haben ergeben, dass Lärchenholzverkleidungen im Vergleich zu Ziegeln eine Energieeinsparung von 24 % ermöglichen.

Die nordischen Länder, die über eine bedeutende Forstwirtschaft und einen hohen Anteil an Kernkraft und erneuerbaren Energien in ihrem Strommix verfügen, haben ähnliche Pläne.

„Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland arbeiten alle daran, die Kohlenstoffbilanz von Gebäuden, den verkörperten Kohlenstoff und den Betriebskohlenstoff, innerhalb von ein oder zwei Jahren, auf jeden Fall aber innerhalb von fünf Jahren, durch Vorschriften zu berücksichtigen“, so Briard.

Es gibt nur ein Problem mit der französischen Verordnung: Er wird nach der Dynamic Life Cycle Assessment Method (DLCA) berechnet, die nicht mit der EU-Methode übereinstimmt.

„Die DLCA-Methode ist nicht die Methode, die die Europäische Kommission im Rahmen von Level(s) vorsieht, und daher sind wir besorgt, dass die französische Methode zur Norm für ganz Europa wird“, so Briard

"Ungenaue" EU-Energieausweise für Gebäude werden überprüft

Energieausweise für Gebäude sind manchmal so ungenau, dass sie sogar ein Hindernis für die Klimaziele der EU sein können, meint die Industrie. Die anstehende Überarbeitung der EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden könnte einen Ausweg bieten.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]

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