Deutschland investiert 8 Mrd. € in Wasserstoff-Großprojekte

Deutschland stellt 8 Milliarden Euro für Wasserstoffprojekte im ganzen Land zur Verfügung, wobei der Schwerpunkt auf den nördlichen Landesteilen liegt. EPA-EFE/FELIPE TRUEBA [FELIPE TRUEBA / EPA-EFE]

Deutschland kündigte am Freitag (28. Mai) an, 8 Milliarden Euro in 62 große Wasserstoffprojekte zu investieren, darunter Elektrolyseure und Pipeline-Infrastrukturen. Damit will das Land seine Industrie dekarbonisieren und weltweit die Führung in der bahnbrechenden Kraftstofftechnologie übernehmen. 

Das Wirtschafts- und das Verkehrsministerium wählten 62 von 230 Großprojekten aus, die eine staatliche Finanzierung erhalten sollen. Diese soll durch zusätzliche private Investitionen in Höhe von 33 Milliarden Euro ergänzt werden.

Die Infrastrukturprojekte sind als „Important Projects of Common European Interest“ [wichtige Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse] (IPCEI) eingestuft, was bedeutet, dass sie staatliche Mittel erhalten können, ohne die normalerweise strengen EU-Beihilfevorschriften einhalten zu müssen.

„Wir wollen weltweit die Nummer eins in der Wasserstofftechnologie werden“, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier und verwies auf die Stahl- und Chemieindustrie als Schlüsselsektoren, in denen die Verwendung von Wasserstoff als Kraftstoff zu einer erheblichen Verringerung der Kohlenstoffemissionen führen könnte.

Der größte Teil der Fördermittel wird in den Bau von Elektrolyseuren und Wasserstoffpipelines fließen. Die großen deutschen Stahlhersteller erhalten zusammen 2 Milliarden Euro für wasserstoffbezogene Dekarbonisierungsprojekte.

„Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, sind auf politische Unterstützung für Klimaschutzinvestitionen angewiesen, damit sie einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten können“, sagte Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl (WV Stahl).

Die Stahlproduktion biete attraktive Perspektiven zur Emissionsminderung, denn mit einer Tonne kohlenstoffneutralen Wasserstoffs könnten 26 Tonnen Kohlenstoffemissionen in der Stahlproduktion vermieden werden, so Kerkhoff weiter.

„Dies ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer klimaneutralen Stahlproduktion und ein starkes Signal der deutschen Regierung“, sagte Nils Pfennig vom Stahlhersteller thyssenkrupp, der Fördermittel für ein Wasserstoffprojekt in Duisburg erhalten wird.

Projekte zur Dekarbonisierung von Stahl in der Nähe der französischen Grenze haben jedoch die Aufmerksamkeit des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf sich gezogen. Der BUND sei alamiert, dass grenzüberschreitende Wasserstoffnetze das Risiko bergen, mit Atomstrom erzeugten Wasserstoff zu subventionieren, aus dem Deutschland selbst aussteigt.

„Die Bundesregierung muss jetzt umgehend klären, aus welchen Energiequellen die saarländische Stahlindustrie versorgt werden soll. Sollte dabei auch mit französischem Atomstrom erzeugter Kernwasserstoff zum Einsatz kommen, muss die Förderung der saarländischen Projekte gestoppt werden“, sagte Olaf Bandt vom BUND.

Ein weiterer Investitionsschwerpunkt ist die Wasserstofferzeugung, die durch ausgewählte Projekte um 2 Gigawatt (GW) Elektrolyseurleistung erweitert werden soll. Die deutsche Wasserstoffstrategie sieht vor, dass das Land bis 2030 über 5 GW Elektrolyseur-Kapazität verfügt.

Eine weitere Priorität ist die Infrastruktur für den Wasserstofftransport. So werden Mittel für 1.700 Kilometer neue Pipelines entlang der deutsch-niederländischen Grenze und von West nach Ost durch Deutschland bereitgestellt.

BASF, der weltgrößte Chemiehersteller, erhält Mittel für Projekte zur Herstellung von kohlenstofffreiem Wasserstoff und für Projekte zur Nutzung von Wasserstoff, z. B. zur Herstellung von Ammoniak und nachhaltigen Flugkraftstoffen.

Auch Projekte im Verkehrsbereich, wie Brennstoffzellensysteme und -fahrzeuge, sollen gefördert werden, wenn auch in geringerem Umfang als in der Industrie.

„Der Verkehr ist immer noch zu mehr als 95 % von der Nutzung fossiler Brennstoffe abhängig“, sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer. „Grüner Wasserstoff und Brennstoffzellen – für alle Verkehrsträger – sind eine hervorragende Ergänzung zu reinen Batteriefahrzeugen“, fügte er hinzu.

"Wasserstoffallianz" in den Startlöchern

Mit einer neuen „Allianz“, die am Mittwoch vorgestellt werden soll, will die EU-Kommission zusammen mit der Energieindustrie die EU als Führungsmacht im Bereich Wasserstoff positionieren.

Die Projekte, die alle unter die IPCEI-Regelung fallen, profitieren davon, dass sie sich nicht an die strengen EU-Beihilfevorschriften halten müssen. Dieser Schritt war von einigen EU-Staaten und Nichtregierungsorganisationen kritisiert worden, da er dazu missbraucht werden könnte, staatliche Beihilfen für gasbasierte Infrastrukturen und die Wasserstoffproduktion zu gewähren.

Die 62 ausgewählten Projekte müssen nun von der Europäischen Kommission als beihilferechtlich zulässig eingestuft werden, um weiter voranzukommen.

[Bearbeitet von Josie Le Blond und Frédéric Simon]

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