Deutschland greift der EU bei der Dekarbonisierung des Flugverkehrs vor

Deutschland prescht mit seiner PtL-Roadmap dem legislativen Prozess der EU ein wenig voraus, ob es dabei bleibt, oder ob das subtile EInflussnahme darstellt wird die Zukunft zeigen. EPA-EFE/VINCENT JANNINK

Ein Drittel des Treibstoffs für Inlandsflüge soll ab 2030 nachhaltig produziert sein, heißt es in der neuen Roadmap zum Markthochlauf von Power-to-Liquid (PtL)-Kerosin, die am vergangenen Freitag (7. Mai) veröffentlicht wurde. Der Plan zielt auf eine jährliche Produktion von 200.000 Tonnen nachhaltigem Kerosin 2030 ab.

PtL-Kerosin wird aus Wasser, CO2 und Strom hergestellt. Stammt der verwendete Strom aus erneuerbaren Quellen, ist PtL-Kerosin praktisch klimaneutral.

PtL-Kerosin ist allerdings noch lange nicht wettbewerbsfähig, weshalb der deutsche Plan eine zweigleisige Vorgehensweise vorsieht, die einerseits die Forschung und die Produktion von PtL-Kerosin subventionieren soll.

Darüber hinaus sieht er ein nachfrageseitiges Opt-in-Programm vor, bei dem sich die relevanten Industrien verpflichten sollen, trotz des höheren Preises bestimmte Mengen des Kraftstoffs abzunehmen.

Der deutsche Fahrplan wurde im Vorfeld der Veröffentlichung der ReFuelEU Aviation-Initiative verkündigt, einem EU-Vorschlag zur verstärkten Nutzung von nachhaltigen Flugkraftstoffen (SAF) wie PtL in der gesamten EU.

Nachhaltige Flugkraftstoffe werden als effizienter Weg zur Dekarbonisierung der Luftfahrt, einem notorisch CO2-intensiven Sektor, angesehen, da sie mit Kerosin gemischt werden können, ohne dass Änderungen am Flugzeugtriebwerk erforderlich sind.

Sie werden von der Luftfahrtindustrie weithin als Mittel zur Emissionsreduzierung unterstützt, bis andere kohlenstoffarme Jet-Technologien, wie z.B. Elektroflugzeuge und Wasserstoffjets, ausgereift sind.

Bislang wurden SAFs jedoch nur in begrenztem Umfang eingesetzt, da sie aufgrund des mangelnden Angebots deutlich teurer sind als ihr Pendant aus fossilen Brennstoffen.

Es wird erwartet, dass der EU-Vorschlag eine gestaffelte Obligation für die Verwendung von SAFs festlegen wird, die alle Flugzeuge, die an Flughäfen innerhalb der EU betankt werden, dazu verpflichtet, zum Teil grünen Düsenkraftstoff zu verwenden. Dadurch soll der SAF-Markt gestärkt, das Angebot erhöht und die Kosten gesenkt werden.

Eine Quelle, die mit ReFuelEU vertraut ist, sagte gegenüber EURACTIV, dass der Vorschlag wahrscheinlich ein SAF-Mandat von 2% im Jahr 2025, 5% im Jahr 2030, 20% im Jahr 2035, 32% im Jahr 2040 und 63% im Jahr 2050 festlegen wird.

Ein Untermandat für PtL wird ebenfalls in Betracht gezogen, möglicherweise beginnend bei 0,7% im Jahr 2030 und ansteigend auf 25% bis 2050.

Die Initiative, die laut EU-Verkehrskommissarin Adina Vălean “noch vor dem Sommer“ veröffentlicht werden soll, wird wahrscheinlich die Form einer Verordnung annehmen, was bedeutet, dass sie mit Erreichung des Geltungszeitpunktes sofort in allen EU-Ländern anwendbar sein wird.

Die Unterzeichner der deutschen Roadmap schließen sich zusätzlich zu einem Lobbying-Block zusammen, der die Entwicklung der Kriterien für erneuerbares PtL-Kerosin sowohl auf EU-Ebene als auch international mitgestalten will.

Ihr Ziel ist es, neben dem rein elektrischen Aspekt auch andere Aspekte wie Wasserverfügbarkeit, Flächenverbrauch und Umweltverträglichkeit mit einzubringen.

Von Beobachtern wird dies als Zeichen dafür gedeutet, dass die Industrie Hebel vorbereitet, mit denen die Unabdingbarkeit von erneuerbarem Strom im Bedarfsfall umgangen werden kann, oder es könnte als Versuch gesehen werden, Umwelt-NGOs zu besänftigen.

„Mit dem Umstieg auf strombasiertes Kerosin können wir im Luftverkehr Millionen Tonnen an CO2-Emissionen einsparen,” sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer. Die PtL-Roadmap ziele darauf ab, die Technologieführerschaft deutscher Unternehmen auszubauen, so Scheuer weiter.

„Mit strombasiertem Kerosin auf Basis von grünem Wasserstoff zeigen wir, dass Fliegen und Klimaschutz nicht im Widerspruch stehen,“ sagte Peter Altmaier, Minister für Wirtschaft und Energie. Altmaier schien abgesehen davon aber eher auf Wasserstoff, als auf PtL-Kerosin fokussiert gewesen zu sein.

„Unser Ziel ist das CO2-neutrale Fliegen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist der Ersatz des fossilen Kerosins durch nachhaltige Flugkraftstoffe essenziell,“ sagte Peter Gerber, CEO von Brussels Airlines, und fügte hinzu, dass er sich Abnahmevereinbarungen vorstellen könne, die sicherstellen, dass PtL-Kerosin auf den Markt kommt.

„Strombasierte Treibstoffe sind der Aufwind für den CO2-neutralen Luftverkehr. Denn Flugzeuge für den Alltagsflugverkehr können auf absehbare Zeit nicht elektrisch fliegen,” sagte Umweltministerin Svenja Schulze. Damit solle die Rechtssicherheit für Unternehmen weiter erhöht werden, um Investitionen in erneuerbare Energien zu erleichtern, so Schulze weiter.

Rechtssicherheit war für Unternehmen in Deutschland in den vergangenen Jahren ein seltenes Gut, was auch in der Vergangenheit zu verschiedenen berühmt-berüchtigten Schiedsgerichtsverfahren führte.

Dazu kamen oft noch Bundesverfassungsgerichtsurteile, die die Gesetzgebung in mehreren Fällen außer Kraft setzten, und manche Unternehmen könnten bald ein Schleudertrauma erleiden, da sich der politische Konsens im Jahresrhythmus zu ändern scheint, was die langfristigere Planung natürlich nicht erleichtert.

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