Der Klimawandel macht’s möglich: Frachtschiffe nördlich von Russland

Ein Schiff der dänischen Reederei Maersk soll Ende kommender Woche über die sogenannte Nordostpassage fahren. [Sheila Fitzgerald / Shutterstock]

Die dänische Reederei Maersk wird diese Woche zum ersten Mal eines ihrer Schiffe entlang der Nordostpassage fahren lassen, einer arktischen Schifffahrtsroute entlang der Nordküste Russlands. Diese Route könnte aufgrund des Klimawandels an Bedeutung gewinnen.

Maersk, die größte Seefrachtreederei der Welt, wird eines seiner neuen 3.600-Tonnen-Containerschiffe von China über die Arktis nach Nordeuropa schicken. Das Unternehmen nannte den Trip eine „Probefahrt“.

Das Schiff Venta Maersk ist eines von sieben Schiffen, die in der Nord- und Ostsee eingesetzt werden. Seine Arktisexpedition wird zunächst eine einmalige Fahrt sein, um „wissenschaftliche Daten“ zu sammeln. Nach eigener Aussage sieht die dänische Reederei derzeit „die Nordostpassage nicht als Alternative zu unseren üblichen Routen“.

Allerdings hieß es weiter: „Wir planen neue Dienstleistungen entsprechend der Nachfrage unserer Kunden, dem Handelsverhalten und den globalen Ballungszentren.“ Das Schiff wird voraussichtlich am 1. September nach Passieren der Beringstraße auf der bisher nicht befahrenen Ost-West-Strecke starten.

Norden Top, Süden Flop: Die CO2-Bilanz der europäischen Schifffahrt

Griechenland, Zypern, Italien, Portugal und Kroatien schneiden in einem neuen Ranking zu den Klimafolgen der internationalen Schifffahrt am schlechtesten ab.

Kürzere, aber kompliziertere Route

Die Nordostpassage wird bereits als mögliche Alternative zur Südroute durch den Suezkanal gefeiert. Mit der Arktisroute könnte die Gesamtreisezeit um bis zu zwei Wochen verkürzt werden, berichtet die Financial Times. Allerdings ist die Route aufgrund von Eis nur drei Monate im Jahr befahrbar, sodass die Reedereien bisher an der Südroute festhalten.

Darüber hinaus werden für die Nordostpassage derzeit (noch) teure Schiffe der sogenannten Eisklasse benötigt: Frachter wie die Venta Maersk sind zum Schutz vor Eisbergen stark gepanzert. Alternativ müssten sind von nuklear betriebenen Eisbrechern begleitet werden, um die Reise zu unternehmen.

Die Chancen, dass die Route zu einer echten Option für die Weltschifffahrt wird – über die nach wie vor rund 90 Prozent des Welthandels abgewickelt wird – steigen jedoch aufgrund des Klimawandels und des schmelzenden Eises in der Arktis.

Erst diese Woche war eines der ältesten und dicksten Meereisfelder des Nordens zum ersten Mal in der Geschichte aufgetaut und -gebrochen. Dadurch wurden Gebiete nördlich von Grönland zugängig, die normalerweise auch im Sommer gefroren sind. Wissenschaftler nannten die Entwicklung „beängstigend“, da dieses Eis bisher als extrem belastbar galt. Sie erklärten, der Zerfall des Eisfeldes sei auf warme Winde zurückzuführen.

Klimagipfel in Bonn: Und nun zur Wetterkatastrophe

Berichterstattung über den Klimawandel steht schnell unter Dramatisierungs- und Kampagnenverdacht. Wie falsch das ist, lässt sich weltweit besichtigen. Eine Analyse zum Bonner Klimagipfel von EURACTIVs Medienpartner „Der Tagesspiegel“

Schweröl in der Arktis

Tatsächlich ist Maersk nicht die einzige Reederei, die in den kommenden Jahren die neue Handelsroute erschließen will: Auch China und Russland haben bereits Schiffe ohne Eisbrecher-Eskorte durch die Arktis geschickt.

Die Fahrt der Venta kommende Woche mag zunächst lediglich ein einmaliger Versuchs-Trip sein; die Umwelt-NGO Clean Arctic Alliance hat das Unternehmen aber bereits aufgefordert, offenzulegen, welchen Treibstoff Schiffe in der Arktis nutzen werden.

Die Organisation rief Maersk dazu auf, kein Schweröl in der Arktis einzusetzen. Nach Ansicht der Gruppe erhöht sich bei der Nutzung von Schweröl die Wahrscheinlichkeit von Ölunfällen. Außerdem würden die Auswirkungen des Klimawandels durch die Freisetzung von besonders hohen Kohlenstoffemissionen weiter verschärft.

„Da Maersk eine Vorreiterrolle in der Arktis übernimmt, könnte die Reederei auch eine Vorhut unter Unternehmen werden, die kommerzielle Güter transportieren und sich dabei in Richtung sauberer und erneuerbarer Antriebsformen für die weltweite Schifffahrt bewegen,“ so Sian Prior von der Allianz in einer Erklärung.

Derweil – und unabhängig von der Fahrt der Venta Maersk- erwägt die Internationale Seeschifffahrtsorganisation ein grundsätzliches Verbot von Schweröl. Sie beauftragte im April 2018 einen Ausschuss, der die Durchführbarkeit und die Auswirkungen eines möglichen Moratoriums für die Verwendung des Kraftstoffs im Polarkreis prüfen soll. Der Ausschuss wird Anfang nächsten Jahres wieder zusammentreten.

Weitere Informationen

Climate Engineering: Tabu in der Forschung zum Klimawandel?

Riesige Spiegel im All statt Begrenzung von Treibhausgasen? Gezielte Eingriffe in das Klima sind umstritten. Eine Studie fragt nun, ob Forschung zu Climate Engineering per se verteufelt werden sollte.

Hoch im Norden und doch mitten im Zentrum: Die Europäische Arktisstrategie

Das wirtschaftliche Potential des hohen Nordens möchten vor allem die EU-Länder Schweden, Finnland und Dänemark, aber auch die europäischen Nachbarn Norwegen und Island nutzen.

Klimaziele: "Alles hängt vom Ehrgeiz der Länder ab"

Die EU muss ihre Klimapolitik deutlich verbessern, um bis 2030 sowie 2050 die Klimaziele zu erreichen, fordert der belgische Klimaforscher Jean-Pascal van Ypersele.

Subscribe to our newsletters

Subscribe