COP25 in Madrid: Der Start ins entscheidende Klima-Jahr

Ganz schön grün? In den kommenden Wochen und Monaten dürften die Klimakonferenz und der "Green Deal" der EU im Fokus stehen. [Shutterstock]

Die Klimakonferenz COP25, die kommenden Montag in Madrid startet, markiert auch den Beginn eines wichtigen Jahres für die globale sowie für die europäische Klima- und Umweltpolitik. So soll die EU-Kommission beispielsweise bis März 2020 ihren neuen „Green Deal“ konkretisieren. EURACTIV Frankreich berichtet.

Die COP25 in der spanischen Hauptstadt (2. bis 15. Dezember) hat bereits eine sehr turbulente Vorgeschichte: Ursprünglich in Brasilien geplant, sollte die Klimakonferenz dann von Costa Rica und Chile ausgerichtet werden, bevor sie schließlich nach Madrid verlegt wurde, nachdem Santiago de Chile sich aufgrund der jüngsten Proteste nicht in der Lage sah, die COP zu veranstalten.

Die sozialdemokratische Regierung Spaniens ließ es sich nicht nehmen, mit der Ausrichtung der wichtigen Konferenz ihr Engagement im Kampf gegen den Klimawandel zu unterstreichen.

"Im Interesse der Chilenen": Chile sagt wichtigen Klimagipfel ab

Chile wird nicht Gastgeber des für Dezember geplanten jährlichen UN-Klimagipfels sein, kündigte Präsident Sebastian Piñera am Mittwoch, den 30. Oktober, an, da die zivilen Unruhen die südamerikanische Nation weiterhin heimsuchen.

Die anstehende COP biete auch eine gute Gelegenheit, „zum ersten Mal Klima und Biodiversität miteinander zu verbinden. Wir haben jetzt eine klare Auffassung davon, dass eine Temperaturstabilisierung ohne Schutz der biologischen Vielfalt nicht wünschenswert ist. Mit einer Reihe von politischen Impulsen wäre es nun möglich, die Biodiversität in den Mittelpunkt der Klimadiskussion zu stellen,“ fordert Sébastien Treyer, Direktor des Instituts für Nachhaltige Entwicklung und Internationale Beziehungen (IDDRI).

Das Konzept der „Nutzung“ von Ökosystemen zur Rettung des Planeten ist keineswegs neu – aber die wissenschaftlichen und technologischen Lösungen, die dieses Konzept vorantreiben könnten, sind es. Damit scheinen nun gute Voraussetzungen geschaffen, dass sich die UN-Gremien für Klima und Biodiversität bald auf Möglichkeiten zur Überwindung beider Probleme einigen könnten.

Denkbar wäre zum Beispiel die Integration von Biodiversitätsansätzen in die Klimaziele der Nationalstaaten. Eine offizielle Festlegung auf diese Klimaziele, die sogenannten „beabsichtigten national festgelegten Beiträge“ (INDCs), ist nach Ansicht des IDDRI einer der Punkte, der in Madrid endgültig realisiert und vereinbart werden sollte.

Von den Teilnehmenden wird außerdem erwartet, dass sie sich mit der Frage befassen, wie die allgemeinen Klimaziele erhöht werden können – wofür es offenbar deutlich weniger Konsens gibt. Deutsche Behörden haben bereits darauf hingewiesen, dass die meisten Länder nicht auf dem richtigen Weg sind, um die derzeitigen Ziele zu erreichen. Dadurch würde auch die Glaubwürdigkeit leiden, wenn nun entsprechende Aufwertungen der Ziele angestrebt werden sollten.

Lola Vallejo, Direktorin des IDDRI-Klimaprogramms, sieht die Lage ähnlich und erklärt, sie erwarte, dass aber zumindest die ambitioniertesten Länder weiter „mobil machen“.

Eickhout kritisiert Europas mangelnden Klima-Ehrgeiz

Europa zeigt sich zu Beginn der entscheidenden Phase der COP24 nicht in der Lage, in der Klimapolitik die Führung zu übernehmen, so Bas Eickhout.

Ähnliches Mobilmachen erwartet Vallejo auch von der EU als Ganzes. Dabei hat die Union allerdings das Problem, dass man nach wie vor keinen Konsens über Klimaneutralität bis 2050 erzielen konnte. Einige wenige Mitgliedstaaten sind diesbezüglich immer noch skeptisch.

Das Thema dürfte vom EU-Rat jedoch während des Gipfeltreffens am 12. und 13. Dezember abschließend verhandelt werden – also zu einem Zeitpunkt, der mit dem Ende der Klimakonferenz in Madrid zusammenfällt.

Streitpunkt CO2-Märkte

Eines der auf globaler politischer Ebene heikelsten Themen, das in Madrid diskutiert werden soll, sind die Kohlenstoffmärkte. Sie haben sich als immer wiederkehrender Streitpunkt zwischen den Staaten der Welt erwiesen.

In diesem Jahr sollen eigentlich die entsprechenden Regelungen in Artikel 6 des Pariser Klimaabkommens präzisiert werden. Dabei waren die grundlegenden Punkte bereits 2015 – in den letzten Stunden des letzten Verhandlungstages in Paris – ausgehandelt worden.

Bis dahin hatten sich die Entwicklungsländer praktisch daran gewöhnt, dank der etwas lockeren, aber klaren Hierarchie der Regeln des Kyoto-Protokolls Mittel kostengünstig zurückfordern zu können. Es ergab sich ein recht einfaches Konzept: Während die Industrieländer für ihre Emissionen zahlten, strichen die Entwicklungsländer Gelder ein.

Yamide Dagnet vom World Resources Institute (WRI) warnt in dieser Hinsicht: „Das ist das heikelste Thema; die Hälfte der INDCs beinhaltet eine Integration der Märkte und des Finanzsektors, um so die nationalen Ziele zu erreichen. Doch wenn diese Regeln schlecht formuliert werden, könnten sie möglicherweise den Kampf gegen den Klimawandel schwächen.“

Entscheidendes Jahr 2020

„Nächstes Jahr wird ein entscheidendes Jahr sein, um zu begreifen, was die Länder bereit sind zu tun. Das Problem ist: Die Länder, die bereit sind, ihre Ambitionen zu erhöhen, verursachen weniger als zehn Prozent der globalen CO2-Emissionen,“ erklärt derweil David Waskow, Direktor der Internationalen Klimaschutzinitiative.

Er hoffe daher, dass vor allem der für September 2020 geplante EU-China-Gipfel, der während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft stattfindet, diese bisherigen Trends zum Positiven verändern kann.

Schulze und Maas: EU in Verantwortung für Pariser Klimaabkommen

Umweltministerin Schulze und Außenminister Maas haben die Verantwortung der EU betont, sich dafür einzusetzen, die verbleibenden Lücken im Pariser Abkommen zu schließen. Dazu sollten die EU-Klimaziele angehoben werden.

So oder so soll die ab kommender Woche in Madrid stattfindende COP25 das Signal für eine neue „Klima-Ära“ mit dem Startpunkt 2020 geben. Für die EU ergibt sich dadurch die Chance, sich einmal mehr als „Führungsspieler“ zu gerieren.

Möglichkeiten dafür gibt es viele: So hat sich die neue EU-Kommission unter Ursula von der Leyen 100 Tage Zeit gegeben, um einen neuen „Green Deal“ aufzusetzen. Die genauen Pläne müssten also bis März 2020 stehen.

Im Juni ist das französische Marseille dann Schauplatz des Gipfeltreffens der Weltnaturschutzunion (International Union for the Conservation of Nature).

Die Europäische Union wird 2020 darüber hinaus ihre Klimaverpflichtungen für 2030 erklären und vor allem Indien und China, die beiden wichtigsten Partner für die COP26 im folgenden Jahr, mobilisieren müssen. Auch diese Klimakonferenz findet wieder in Europa statt; voraussichtlich im November 2020 im schottischen Glasgow.

Bis zur COP26 in einem Jahr werden die Regierungen wohl noch ehrgeizigere Klimaziele festlegen (müssen), um sicherzustellen, dass der Temperaturanstieg auf dem Planeten die 1,5-Grad-Grenze nicht überschreitet.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]

CO2-Emissionen: Langsam wird es eng

Es wird zunehmend unwahrscheinlicher, dass der globale Temperaturanstieg auf 1,5°C begrenzt werden kann.

UN-Klimakonferenz COP24 – Europa muss sich endlich trauen

Die EU muss ihre Hausaufgaben machen, um ihre Zusagen aus dem Pariser Klimaabkommen einzuhalten, meint Cornelia Ernst.

Studie: Nur 16 Staaten erfüllen Pariser Klima-Zusagen

Nur 16 der 197 Länder haben einen Klimaaktionsplan definiert, der ehrgeizig genug ist, um die tatsächlichen Zusagen auch zu erfüllen.

 

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.