COP24: Klimawandel ist Frage „von Leben und Tod“

UN-Generalsekretät Antonio Guterres

Die Welt muss ihren „Rückstand so schnell wie möglich aufholen, bevor es zu spät ist“, so der UN-Generalsekretät Antonio Guterres auf der COP24. [ANDRZEJ GRYGIEL/ epa]

Am ersten Tag der Klimakonferenz in Kattowitz hat UN-Generalsekretär Antonio Guterres deutliche Worte gefunden, um die Staaten zum Handeln zu bewegen.

Für viele Menschen sei die Erderwärmung bereits eine „Frage von Leben und Tod“, sagte Guterres am Montag bei der UN-Klimakonferenz. Die Welt sei bei ihren Bemühungen zum Stopp der Erderwärmung „vom Kurs abgekommen“. Die Bundesregierung sagte mehr Unterstützung für ärmere Länder zu, sah sich aber Kritik an ihrer Klimapolitik im eigenen Land ausgesetzt.

Die Welt müsse ihren „Rückstand so schnell wie möglich aufholen, bevor es zu spät ist“, sagte Guterres vor den Delegierten aus fast 200 Staaten in Kattowitz. Die „verheerenden Folgen“ des globalen Temperaturanstiegs seien überall sichtbar geworden. Nötig sei nun ein „entschiedenes“ Handeln der Weltgemeinschaft, um „unser Schiff wieder auf Kurs zu bringen“.

Wissenschaftler etwa der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hatten vor einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um bis zu fünf Grad bis 2100 gewarnt, sollten keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Bei der 24. UN-Klimakonferenz (COP) geht es um konkrete Maßnahmen zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf deutlich unter zwei Grad. Bis zum 14. Dezember soll dazu ein Regelwerk ausgearbeitet werden.

Anti-Kohle Demos: "Uns läuft die Zeit davon"

Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz, die heute im polnischen Katowice beginnt, haben in Deutschland viele tausend Menschen für einen beschleunigten Ausstieg aus der Kohleindustrie demonstriert.

Ein Knackpunkt ist die Finanzierung der Klimaschutzmaßnahmen. In Paris hatten Ende 2015 die Industriestaaten zugesagt, den Entwicklungs- und Schwellenländern finanziell unter die Arme zu greifen. Diese leiden am stärksten unter den Folgen des Klimawandels, obwohl sie am wenigsten zur Erderwärmung beigetragen haben. Bereits am Sonntag hatte Fidschis Premierminister Frank Bainimarama auf ein rasches Umsteuern gedrängt – der pazifische Inselstaat ist durch steigende Meerespegel akut bedroht.

Der Präsident des ebenfalls bedrohen Inselstaates Nauru, Baron Divavesi Waqa, kritisierte, dass das Pariser Abkommen die Kohleindustrie „nicht radikal stoppt“. „Diese mächtigen Interessen sind in Paris unversehrt geblieben und wir ignorieren diese Gefahr.“

Die Weltbank kündigte an, ihre Finanzhilfen für Entwicklungsländer im Kampf gegen den Klimawandel zu verdoppeln. Von 2021 bis 2025 sollen insgesamt 200 Milliarden Dollar (177 Milliarden Euro) zur Verfügung gestellt werden, um die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen und die Anpassung an die Folgen der Erderwärmung zu finanzieren.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sagte in Kattowitz, die Industrieländer müssten ihrer Verantwortung gegenüber den Entwicklungs- und Schwellenländern gerecht werden. Klimaschutz sei eine „Überlebensfrage der Menschheit“ und „Ursache für Hunger und Armut“. Mit Blick auf das rasante Bevölkerungswachstum in Afrika sagte Müller, Afrika müsse „der grüne Kontinent der erneuerbaren Energien“ werden – nur so könne die wirtschaftliche Entwicklung dort klimafreundlich gestaltet werden. Außerdem forderte er internationale Abkommen zum Schutz der Regenwälder beim Anbau von Soja und Palmöl.

Berliner Klimakonferenz: Gastgeber verfehlt eigene Klimaziele

Berlin lädt heute zu einem internationalen Klimagipfel ein. Die Position als Gastgeber wird allerdings angesichts der Verfehlungen, eigene Klimaziele zu erfüllen, untergraben.

Gemeinsam mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) stellte Müller in Kattowitz die Verdoppelung des deutschen Beitrags zum internationalen Klimafonds auf 1,5 Milliarden Euro vor. Schulze sagte, Deutschland müsse „Signale geben, dass wir es ernst meinen mit der Klimafinanzierung“. Die Bundesregierung trete bei den Verhandlungen ein für „mehr Verbindlichkeit, Mut und Solidarität beim Klimaschutz“. Dies müsse auch auf nationaler Ebene gelten.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) erklärte auf Twitter, es müsse „globale Antworten geben“ – gleichzeitig müsse Deutschland „beim Klimaschutz Vorbild bleiben“. Die Bundesregierung werde ihren Sitz im UN-Sicherheitsrat ab dem kommenden Jahr „sehr intensiv nutzen, auch Klimaschutz zum vorrangigen Thema zu machen“.

Der Klimaforscher Mojib Latif warf der Bundesregierung vor, an die internationale Gemeinschaft die falschen Signale zu senden. Im SWR verwies er auf die Verzögerungen beim Kohleausstieg sowie auf die Abholzung des Hambacher Forsts für den Braunkohletagebau, während Deutschland zugleich den Schutz des brasilianischen Regenwaldes fordere. Auch in anderen Bereichen gehe es in Deutschland nicht voran, kritisierte der Experte mit Blick auf die Sektoren Verkehr und Gebäude.

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