CO2-Limits für Lkw: Industrie weist Kommissionsvorschläge zurück

Der Branchenverband ACEA schlägt bis 2030 CO2-Einsparungen vor, die lediglich der Hälfte der Kommissionsvorschläge entsprechen würden. [TruckPR / Flickr]

Der Vorschlag der Europäischen Kommission, die CO2-Emissionen von Lkw bis 2025 um 15 Prozent zu senken, ist laut ACEA zu ehrgeizig. Ein Ziel von sieben Prozent sei angesichts der derzeit verfügbaren Technologien „realistischer“, so der Branchenverband.

Die EU-Exekutive hatte im Mai das allererste Emissionsziel des Blocks für Lastkraftwagen als Teil eines zweistufigen Ansatzes vorgestellt. Bis 2030 ist dann ein Ziel von 30 Prozent CO2-Reduktion angestrebt.

„Alle Sektoren müssen dazu beitragen, unsere Klimaschutzverpflichtungen im Rahmen des Pariser Abkommens zu erfüllen,“ betonte Klima-Kommissar Miguel Arias Cañete bei der Vorstellung der Vorschläge im Mai. Er unterstrich dabei auch, das Zwischenziel im Jahr 2025 könne mit der bestehenden Technologie erreicht werden.

Aber während die ACEA den schrittweisen Ansatz unterstützt, forderte der Verband, das verbindliche Ziel für 2025 müsse nach unten korrigiert werden: „Nach dem heutigen Stand von Markt und Technik würde eine siebenprozentige CO2-Reduktion bis 2025 die richtige Balance zwischen ehrgeizig und realistisch bedeuten,“ teilte ACEA in einem am gestrigen Montag präsentierten Positionspapier mit.

Für 2030 schlägt der Verband ein Reduzierungsziel von 16 Prozent vor, also etwas mehr als die Hälfte des Kommissionsvorschlags. Darüber hinaus solle eine erste Evaluation im Jahr 2022 auch die Möglichkeit bieten, die Endziele 2030 nach unten korrigieren zu können, icht nur nach oben.

EU-Kommission wird erstmals CO2-Vorgaben für Lkw machen

Der Druck auf die Autoindustrie steigt. Die EU-Kommission wird am 2. Mai erstmals CO2-Auflagen für Lkw vorschlagen.

Das Hauptargument von ACEA ist, die Lkw-Hersteller würden bereits heute wo immer möglich CO2-Einsparungen vornehmen, da die Emissionen eng mit dem Kraftstoffverbrauch verbunden sind. Dieser ist nach wie vor das wichtigste Verkaufsargument für Lkw.

Nach Angaben des Branchenverbandes macht der Kraftstoff rund 30 Prozent der Kosten der Spediteure aus. Es wurde auch daran erinnert, dass Lkw eine längere Lebensdauer als Pkw haben (etwa sechsmal länger) und daher länger fahren würden, bevor sie ersetzt werden.

Heftige Strafen

Die Hersteller beklagen, die Kommission habe ihre Ziele für 2025 und 2030 in einer Art und Weise definiert, bei der die CO2-Emissionen von Lieferwagen mit denen von Lastkraftwagen (gemessen in Gramm pro Kilometer) verglichen wurden.

ACEA erläutert jedoch: „Dieser Vergleich ist irreführend, da ein schwerer Lkw mit einer größeren Ladung effizienter ist als ein leichterer Van“. Daher sollten die CO2-Ausstöße in Gramm pro Tonnenkilometer gemessen werden.

Die Industrie zeigte sich außerdem besonders besorgt über die Sanktionen, die gegen die Hersteller vorgesehen sind, falls die CO2-Ziele nicht erreicht werden.

So hat der deutsche Lkw-Bauer MAN errechnet, dass sich die vorgeschlagenen Bußgelder von 6.800 Euro pro überschrittenem Gramm CO2/tkm schnell auf einen „dreistelligen Millionenbetrag“ für die Hersteller summieren könnten – was für einige von ihnen eine ernsthafte Bankrott-Gefahr bedeuten könnte.

Lkw seien „nicht einfach nur große Autos“, argumentiert ACEA und lehnt den Ansatz der Kommission als zu simpel und vereinfachend ab: „Schwerlastfahrzeuge sind Arbeitsmittel von Profis, die aufgrund von wirtschaftlichen Aspekten immer auf der Suche nach dem leistungsstärksten Fahrzeug sind – unter Berücksichtigung des Kraftstoffverbrauchs und der Effizienz,“ betont die Organisation.

Technologie: Lkw könnten sehr viel effizienter sein

Lkw könnten viel treibstoffeffizienter sein und Spediteure pro Fahrzeug 5.700 Euro jährlich sparen, wenn bereits verfügbare Technologie eingesetzt würde.

Europaparlament startet Debatte am Mittwoch

Die offizielle Stellungnahme der ACEA kam wenige Tage, bevor das EU-Parlament die Diskussionen über die geplanten CO2-Limits für Lkw aufnimmt. Der niederländische Abgeordnete Bas Eickhout präsentiert seinen Berichtsentwurf am morgigen Mittwoch im Umweltausschuss des Parlaments.

Eickhout, MEP der Grünen, fordert entschlossenes Handeln der EU angesichts der Dieselverschmutzung und des Klimawandels. Er will das von der Kommission vorgeschlagene CO2-Reduktionsziel bis 2025 auf minus 25 Prozent und bis 2030 auf minus 45 Prozent anheben.

Diese Position wird von einer Gruppe von EU-Ländern – darunter die Niederlande, Irland, Litauen und Luxemburg – unterstützt. Auch Frankreich hat „ehrgeizige Ziele“ angemahnt, aber keine konkreten Zahlen genannt.

Der niederländische Europaabgeordnete fordert außerdem „einen verbindlichen Mindestanteil an emissionsfreien und emissionsarmen Fahrzeugen für jeden Hersteller; sowohl im Jahr 2025 als auch im Jahr 2030“.

Spätestens dann sollten alle neuen Busse, die auf den EU-Markt kommen, emissionsfrei sein. Eickhout betont, es gebe „ein klares ökologisches und ökonomisches Interesse an der Vermarktung solcher Fahrzeuge, sobald sie verfügbar sind.“

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