Bundesumweltministerin Schulze nennt Folgen des Klimawandels für Deutschland „alarmierend“

Durch die Erderwärmung komme es zu mehr Gesundheitsrisiken durch die Hitzebelastung, einem Anstieg der mittleren Oberflächentemperatur der Nordsee sowie zu stärkeren Ertragsschwankungen in der Landwirtschaft. [CIAT/Flickr]

Die Folgen der globalen Erderwärmung werden in Deutschland spürbarer und lassen sich immer besser belegen: Zu diesem Befund kommt der am Dienstag in Berlin vorgelegte zweite Klima-Monitoringbericht der Bundesregierung. Durch die Erderwärmung komme es zu mehr Gesundheitsrisiken durch die Hitzebelastung, einem Anstieg der mittleren Oberflächentemperatur der Nordsee sowie zu stärkeren Ertragsschwankungen in der Landwirtschaft. Erstmals führt der Bericht hitzebedingte Todesfälle in Deutschland auf.

Demnach sind im Jahr 2003 rund 7500 Menschen mehr gestorben als ohne Hitzeperiode zu erwarten gewesen wäre. In den Jahren 2006 und 2015 gab es jeweils 6000 zusätzliche Todesfälle.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze nannte die Befunde „alarmierend“. Dem Bericht zufolge erhöhte sich die mittlere Lufttemperatur in Deutschland von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad. Allein in den letzten fünf Jahren stieg diese um 0,3 Grad an. „Die Folgen des Klimawandels treten immer deutlicher zu Tage“, sagte Ministerin Schulze. „Dem können wir nur mit vorsorgendem Klimaschutz und konsequenter Anpassung an den Klimawandel begegnen.“

Weltweit steigende Emissionen: Größte Verschmutzer machen weiter

Die Welt muss ab 2030 so viel CO2 einsparen, wie Indien, Japan, Russland und die gesamte EU gemeinsam pro Jahr ausstoßen. Davon ist sie so weit entfernt wie noch nie, geht aus einem Bericht der Vereinten Nationen hervor. EURACTIVs Medienpartner Deutsche Welle berichtet. 

Erstellt wurde der Bericht von Schulzes Ministerium und dem Umweltbundesamt (UBA): Dessen Präsidentin Maria Krautzberger sagte: „Deutschland steckt mittendrin in der Erderhitzung, mit weitreichenden Folgen für Umwelt, Gesellschaft und Gesundheit.“ Es müsse „dringend vorgesorgt werden, um diesen Folgen zu begegnen“.

Krautzberger verwies darauf, dass die Erhöhung der mittleren Temperatur mit einer höheren Anzahl „heißer Tage“ verbunden sei – dies sind Tage, an denen die Temperaturen über 30 Grad steigen. Deren Zahl sei seit 1951 von etwa drei auf derzeit etwa zehn Tage pro Jahr gestiegen. Das setze auch den Menschen zu, vor allem in den Städten.

Im Alltag müsse die Entwicklung konkrete Auswirkungen haben, sagte Ministerin Schulze. Die Klima-Entwicklung erfordere beispielsweise, sich bei allen Bau- und Infrastrukturprojekten besser vor Beeinträchtigungen durch Hitze, Starkregen oder Hochwasser zu wappnen.

Das gelte insbesondere auch für die städtischen Wohngebieten. Begrünte Dächer und Gebäudefassaden, Wasserflächen und verschattete Plätze linderten hier Hitze und verbessern den Regenwasserrückhalt, sagte die Ministerin. Sie verbesserten zugleich die Luftqualität. „Eine solche nachhaltige Klimaanpassung macht unsere Infrastruktur nicht nur robuster, sie sichert auch den Standort Deutschland und bringt einen Mehrwert für unsere Lebensqualität.“

Behördenchefin Krautzberger forderte, das Monitoring muss weiter zu verbessern. Denkbar sei hier zum Beispiel ein von Bund und Ländern getragenes und finanziertes Sonderprogramm Klimavorsorge, sagte sie.

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