Bündnis grüner Rechenzentren wegen „ambitionslosen“ Zielen in der Kritik

Blackout,,Blurred,Borders.,Close,Up,Of,Green,Network,Cables,Connected [Angelus_Svetlana/Shutterstock]

Während die Diskussion innerhalb der Rechenzentrumsbranche zum Thema Klimaneutralität erste Erfolge zeigt, kritisieren einige Unterzeichner die „ambitionslosen“ Pläne und argumentieren, dass den großen amerikanischen Betreibern zu viel Einfluss zugestanden wurde.

Der Energieverbrauch und die Umweltauswirkungen von Rechenzentren werden von Regulierungsbehörden und Gesetzgebern in Europa immer genauer unter die Lupe genommen.

Seit Januar 2021 haben sich Betreiber und Handelsverbände zusammengeschlossen, um eine Selbstregulierungsinitiative ins Leben zu rufen, die darauf abzielt, die Branche bis 2030 klimaneutral zu gestalten: den Climate Neutral Data Centre Pact (CNDCP). Das Bündnis umfasst Vertreter führender Branchenakteure wie Amazon, Google und Microsoft, aber auch kleinere europäische Betreiber.

„Wir haben das als Herausforderung angenommen“, erklärte Michael Winterson, Geschäftsführer von Equinix, einem US-amerikanischen multinationalen Unternehmen, das sich auf Rechenzentren spezialisiert hat, bei einer Veranstaltung, die am Mittwoch (1. Juni) von den Mitgliedern des Paktes organisiert wurde.

„Unsere Kunden verlangen von uns, dass wir unsere Klimaneutralitätsziele erreichen, damit sie ihre eigenen Klimaneutralitätsziele erreichen können“, erklärte er.

Das Hauptziel dieses grünen Bündnisses ist es, eine Reihe von Zielen und Messwerten zu erarbeiten, die den Weg zum Ziel der Klimaneutralität in fünf Schlüsselbereichen ebnen sollen: Energieeffizienzstandards, Kauf sauberer Energie, Wassereinsparung, Kreislaufwirtschaft und Wärmerückgewinnung.

Letzte Woche legte die Arbeitsgruppe zum Thema Wasser mit der Abstimmung über ein neues Ziel für Rechenzentren zur Wassernutzungseffizienz (WUE) ihr erstes Ergebnis vor. Dabei handelt es sich um eine Bewertung der Wassermenge, die als Teil des Kühlsystems für die Datenverarbeitungsinfrastruktur der Zentren benötigt wird.

Laut dem von EURACTIV eingesehenen Vorschlag sollen neue Rechenzentren, die in kühleren Klimazonen oder in Gebieten mit „Wasserstress“ gebaut werden und Trinkwasser verwenden, so konzipiert sein, dass sie einen maximalen WUE-Wert von 0,4 Liter pro Kilowattstunde (kWh) erreichen. Die Verordnung stützt sich auf die Definition von ‚Wasserstress‘ der Europäischen Umweltagentur Water Exploitation und soll 2025 in Kraft treten.

Bestehende Rechenzentren haben bis 2040 Zeit, ihr Kühlsystem aufzurüsten, um dieses Ziel zu erreichen.

Falls sie aus praktischen oder anderen „vernünftigen Gründen“ diese Wassereinsparungsziele nicht umsetzen können, dürfen die Betreiber ähnliche Technologien verwenden, „wobei sie versuchen müssen, Änderungen vorzunehmen, die so weit wie möglich Wasser sparen“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Kein ehrgeiziges Ziel

Obwohl dieses Ziel mit großer Mehrheit angenommen wurde (38 Mitglieder stimmten dafür, vier stimmten dagegen und 15 enthielten sich), haben einige Unterzeichner seitdem Bedenken geäußert, das Ziel sei „nicht ehrgeizig.“

Das Thema wird oft als unsichtbarer Schwachpunkt betrachtet, obwohl es gravierende Auswirkungen auf die Umwelt und möglicherweise katastrophale lokale Folgen haben könnte.

Zwei der Unterzeichner, die EURACTIV unter der Bedingung der Anonymität befragte, sagten, sie bedauerten, dass diese Kennzahlen ohne viel Transparenz über die aktuellen Verbrauchsdaten von Rechenzentren erstellt wurden. Dadurch sei es schwierig zu beurteilen, inwieweit dieses neue Ziel ein bedeutender Schritt nach vorne darstelle.

Sie äußerten auch Bedenken, dass dieser Indikator durch verschiedene Faktoren (unter anderem geografische Lage, Saisonabhängigkeit, Wasserstress) so bewertet wurde, dass keine der heute verwendeten Technologien ausgeschlossen wird – auch nicht die energieintensivsten.

„Die Arbeitsgruppe hat ein Mäuschen auf die Welt gebracht. Wir sind mit einem Ziel zurückgeblieben, das ehrlich gesagt ziemlich lächerlich ist“, sagte einer der Unterzeichner gegenüber EURACTIV und nannte das Ziel „ambitionslos“.

Während „der Pakt sich damit brüsten kann, das Thema frontal angegangen zu haben und Konsultationen durchgeführt zu haben“, hat der Unterzeichner „das Gefühl, dass sich die Industrie an den Tisch gesetzt hat, um sicherzustellen, dass sich die Dinge nicht zu sehr oder gar nicht ändern“, fügte er hinzu.

Stijn Grove, Geschäftsführer der Dutch Data Centre Association und Vorstandsmitglied des CNDCP, erklärte jedoch gegenüber EURACTIV, dass „die Arbeit, die wir bisher geleistet haben, nun dazu beitragen wird, einen prüfbaren Rahmen zu schaffen, den das EU-Recht dringend benötigt.“

Die Amerikaner am Steuer

Die beiden Unterzeichner drückten auch ihr Bedauern darüber aus, dass die amerikanischen Riesen, die an dem Pakt beteiligt sind, die Diskussion weitgehend an sich gerissen hätten. So hätten sie beispielsweise angeboten, die Arbeitsgruppen zu leiten, sich um die Protokollführung der Gespräche zu kümmern und das Vorgehen innerhalb des Paktes zu koordinieren, unter dem Vorwand, dass sie Zugang zu größeren personellen und finanziellen Ressourcen hätten.

Für Grove wäre es jedoch „unsinnig, sie aus dem Pakt auszuschließen, wenn man bedenkt, dass sie sowohl als Betreiber als auch als Kunden für einen erheblichen Teil der Rechenzentrumskapazität in Europa verantwortlich sind.“

„Der Pakt besteht aus 96 Mitgliedern, von denen jeder gleichberechtigt ist, über ein Stimmrecht verfügt und die Möglichkeit hat, sich zu beteiligen und Beiträge zu leisten – es ist einfach nicht der Fall, dass amerikanische Unternehmen die Gespräche bestimmen“, sagte er gegenüber EURACTIV.

Die abweichenden Unterzeichner fügten hinzu, sie seien auch darüber besorgt, dass die Großunternehmen versuchen könnten, die Initiative von ihrem Hauptziel abzulenken und sie in ein Lobbyinstrument umzuwandeln. So könnten sie sich beispielsweise in die Diskussionen über die Überarbeitung der EU-Energieeffizienzrichtlinie einmischen.

Energiesparen: Jetzt oder nie

Die EU-Länder suchen händeringend nach neuen Gasquellen, um die russischen fossilen Brennstoffe zu ersetzen. Doch in der Eile, sich zu diversifizieren, riskiert Europa einmal mehr, eine einfache Lösung zu übersehen: Energiesparen.

[Bearbeitet von Luca Bertuzzi und Nathalie Weatherald]

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