Britische CO2-Emissionen auf niedrigstem Stand seit 1888

Ist keine Kunst, kann aber weg: Die "Tinsley Towers" des ehemaligen Kohlekfraftwerks Blackburn Meadow im britischen Sheffield (Archivbild vom 24. August 2008). [EPA/LINDSEY PARNABY]

Die CO2-Emissionen des Vereinigten Königreichs sind 2019 um weitere 2,9 Prozent gesunken. Damit liegt die Gesamtreduzierung im vergangenen Jahrzehnt bei 28 Prozent, obwohl die britische Wirtschaft zeitgleich um ein Fünftel gewachsen ist. Das zeigen am Dienstag veröffentlichte neue Daten.

Die sinkenden CO2-Emissionen aus der Kohlekraft machen etwa drei Fünftel der gesamten Reduzierung des britischen CO2-Ausstoßes in den letzten zehn Jahren aus. Gaskraft steht für ein weiteres Drittel der Einsparungen, Öl für den Rest, so eine neue Untersuchung von Carbon Brief, einer Klimaanalyse- und Nachrichten-Website.

Insgesamt sind die CO2-Emissionen des Vereinigten Königreichs nun auf ein Niveau gesunken, das seit 1888 nicht mehr erreicht wurde – ausgenommen in Jahren mit Generalstreiks – stellt Carbon Brief fest.

Energieeffizienz und sauberere Kraftstoffe

Den größten Beitrag zu den sinkenden Emissionen leisteten Verbesserungen der Energieintensität – also der Energiemenge, die zur Herstellung einer Einheit des BIP benötigt wird.

„Im Großen und Ganzen spiegelt dies die Tatsache wider, dass das Vereinigte Königreich sehr viel energieeffizienter geworden ist“, beobachtet Carbon Brief.

Der zweitgrößte Faktor war die Verlagerung auf sauberere Brennstoffe, vor allem auf erneuerbare Energiequellen.

„Gemeinsam haben diese beiden Effekte die Auswirkungen der steigenden Bevölkerung und des steigenden BIP mehr als ausgeglichen,“ fasst die Website zusammen.

„Der Erfolg des Vereinigten Königreichs bei der Reduzierung der Emissionen in den letzten zehn Jahren ist vor allem im Stromsektor zu verzeichnen, wo eine Kombination aus sinkender Nachfrage, Kohlenstoffpreisen, einer alternden Kohleinfrastruktur, EU-Verschmutzungsvorschriften, der Ausstiegsfrist für Kohle und der Unterstützung für erneuerbare Energien die Kohle verstärkt aus dem System gedrängt hat,“ kommentiert Simon Evans, stellvertretender Herausgeber des Carbon Brief.

Evans hofft nun, andere Länder könnten zumindest „einige Teile“ des britischen Erfolgsrezepts replizieren. Er warnt aber auch, voreilige Schlüsse zu ziehen, insbesondere wenn es um die Umstellung von Kohle auf Gas geht, wobei letzteres oft für sinkende Emissionen verantwortlich gemacht wird: „Die Kohle wurde durch die sinkende Nachfrage und vor allem durch die erneuerbaren Energien verdrängt,“ so Evans gegenüber EURACTIV.com. Entgegen der breiteren öffentlichen Wahrnehmung sei die Stromerzeugung aus Gas in Großbritannien im letzten Jahrzehnt aber faktisch zurückgegangen, betont er.

Auch die gesamte Inlandsnachfrage nach Gas sei im letzten Jahrzehnt ebenfalls zurückgegangen, dank Verbesserungen der Energieeffizienz, vor allem bei den Vorschriften für Heizkessel und der Isolierung, so Evans weiter.

Es sei wichtig, „die Fortschritte des Verreinigten Königreichs nicht überzubewerten“. Dies gelte insbesondere im Hinblick auf die Emissionen von Haushalten, Verkehr oder Landwirtschaft, deren Einsparungen „doch extrem begrenzt waren“.

Auf dem europäischen Kontinent sind derweil die Emissionen aus dem Stromsektor ebenfalls rückläufig – hauptsächlich aufgrund der sinkenden Kohlekraftproduktion, wie jüngste Zahlen zeigen.

Etwa die Hälfte des Rückgangs bei der Kohle sei demnach auf die Auswirkungen neuer Wind- und Solarenergieanlagen zurückzuführen, während die andere Hälfte auf der Umstellung von Kohle auf Gas beruht, so die Daten der Klima-Think-Tanks Agora Energiewende und Sandbag zu den Emissionen des europäischen Stromsektors.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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