Brexit: EU fördert irisch-französisches Energieprojekt zur Umgehung Großbritanniens

Mit dem Celtic Interconnector hätte Irland auch nach dem Brexit eine direkte Verbindung mit einem anderen EU-Staat.

Die Europäische Kommission stellt Millionen Euro für ein Projekt bereit, das die französischen und irischen Stromnetze über ein Unterwasserkabel verbinden soll. Irische Politiker sehen das Projekt als „offensichtliche Lösung“ nach dem Brexit.

Das sogenannte Celtic Interconnector Project ist ein geplantes 600 Kilometer langes Unterwasserkabel, dass die Südküste Irlands mit der nordwestlichsten Spitze Frankreichs verbinden würde. Über das Kabel könnte genug Energie für 450.000 Haushalte transportiert werden.

Die beiden Länder hatten sich nach einer Machbarkeitsstudie im Juli 2016 auf das Projekt geeinigt. Die Europäische Kommission entschied vergangene Woche, ungefähr 4 Millionen Euro für weitere detaillierte Planung, eine öffentliche Anhörung sowie für die Vorbereitung zum tatsächlichen Bau der Leitung beizusteuern. Der Plan kann über die Fazilität Connecting Europe (CEF) gefördert werden, da es als wichtiger Beitrag zur Komplettierung des europäischen Energiebinnenmarktes angesehen wird. Die Leitung soll auch ein Fiberglaskabel enthalten und somit die irische Breitbandkonnektivität verbessern.

Nach dem Brexit: Großbritannien kappt Energieverbindung zu Europa

Der bevorstehende Brexit wird Großbritannien vor neuen Herausforderungen in seiner Klima- und Energiepolitik stellen. Profitieren werden vor allem Energie-Großkonzerne und Atomkraftbetreiber.

Die Leitung wäre nach dem Brexit im Jahr 2019 die einzige direkte Verbindung Irlands zu einem anderen EU-Staat. Der irische Brexit-Ausschuss rief gestern dazu auf, dass Projekt schnellstmöglich anzugehen. Der Ausschussvorsitzende Neale Richmond erklärte, Irland könne sich „bei der Energiezufuhr nicht länger auf Großbritannien verlassen“. Der Celtic Interconnector verspreche „mehr Sicherheit“ nach dem EU-Austritt des Nachbarstaats.

Der irische Energieminister Denis Naughten hatte bereits im Februar gesagt, es sei „wichtig, dass wir direkte Verbindungen zur Europäischen Union haben. Wir sind entschlossen, eine solche Verbindungen aufzubauen.” Es sei „unverantwortlich“, diese Option für die Zeit nach dem Brexit nicht zu wählen, fügte er hinzu.

Regionale Kooperation

Die involvierten Energieunternehmen RTÉ France und EirGrid teilten mit, sie hoffen, dass das Projekt nicht nur mehr Energiesicherheit für Irland bringt, sondern auch die Kosten reduziert und die erneuerbaren Energien fördert. Die Firmenvorsitzenden Fintan Slye und François Brottes begrüßten die Unterstützung der Europäischen Kommission. Für Brottes ist dies auch eine „Anerkennung“ für die Arbeit der beiden Unternehmen.

Vincent Thouvenin, bei RTÉ France zuständig für europäische Angelegenheiten, unterstrich, dass die Firma sich der Entkarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung des Energiemarktes verpflichtet fühle. Bei einer Veranstaltung am Dienstag in Brüssel legte er auch dar, dass RTÉ immer mehr erneuerbare Energiequellen miteinander verbindet. Er verwies auch auf die irischen Windenergie-Kapazitäten, die von 1000 MW im Jahr 2008 auf 2500 MW im Jahr 2015 gestiegen sind. Bei der Veranstaltung begrüßten auch Mario Pain vom französischen Energieministerium und Antoine Guillou von der Union française de l’électricité das Kabelprojekt sowie die EU-Unterstützung.

Bericht: Zukunft des britischen Energiesektors nach Brexit unklar

Welche Herausforderungen erwarten den britischen Energiesektor nach dem Brexit? Analysten empfehlen eine möglichst sanfte Übergangsphase.

Brexit

Durch das Umgehen Großbritanniens werden auch einige Unsicherheiten, beispielsweise zu den Themen Marktvorschriften und Datenschutz, für die Zeit nach dem Brexit umgangen. In einer Studie vom Januar erklärte Insight-E allerdings, die Einführung von Energiezöllen an den britisch-irischen Grenzen sei unwahrscheinlich. Der Think-Tank verwies dabei auf den freien Energie-Handel zwischen Russland und den baltischen Staaten. Allerdings führe der Brexit zu Unsicherheiten, die europäische Energie-Investments in dem Land negative beeinflussen werden.

Auf der irischen Insel wird derzeit der sogenannte Single Electricity Market (SEM) betrieben, über den die Republik Irland und Nordirland Stromflüsse über ihre Grenzen hinweg koordinieren. Das System wird voraussichtlich ab März 2018 durch den Integrated Single Electricity Market (I-SEM) ersetzt, der auch nach dem Brexit für gute Zusammenarbeit sorgen soll. Die Studie von Insight-E warnt allerdings, dass auch der I-SEM nicht komplett vor Folgeeffekten des Brexit gefeit sei.

Weitere Informationen

  • Electricity market design: A step in the right direction? EURACTIV event

Subscribe to our newsletters

Subscribe