Brasiliens Teilnahme an der COP25: Überschattet von der zunehmenden Entwaldung im Amazonasgebiet

Der Amazonas gilt als grundlegend für den Kampf gegen den Klimawandel, da er eine große Menge an Kohlendioxid absorbiert. Foto: Ein Waldbrand wütet in der Stadt Porto Velho im Bundesstaat Rondonia, Amazonien, Brasilien, 09. September 2019. [EPA-EFE/Fernando Bizerra]

Der Klimagipfel COP25 findet vom 2. bis 13. Dezember 2019 in Madrid statt.

Die Teilnahme Brasiliens am Klimagipfel (COP25) ist überschattet von der zunehmenden Entwaldung im Amazonasgebiet und den umstrittenen Aussagen des Präsidenten Jair Bolsonaro, den Ökologen für den Vormarsch der Motorsäge im größten Tropenwald der Welt verantwortlich machen. EURACTIVs Medienpartner EFE Verde berichtet.

Da Bolsonaro vom großen Klimagipfel fernbleibt, wird Brasiliens Umweltminister Ricardo Salles die brasilianische Delegation in Madrid leiten. Bei diesem Treffen werde er laut Informationen die Absicht haben, Ressourcen von Entwicklungsländern zu fordern, um die Zerstörung der grünen Lunge des Planeten zu verhindern.

“COP25 Madrid wird einen neuen Zyklus eröffnen”

Spanien hofft, dass der nächste Klimagipfel (COP25) in Madrid „einen neuen Zyklus“ eröffnet und dass die internationalen Klimaverhandlungen einer neuen Phase des „Handelns“ und größeren Ambitionen zur Bekämpfung der Klimakrise weichen werden.

Abholzung im Amazonasgebiet

Von August 2018 bis Juli 2019 hat das Amazonasgebiet 9.762 Quadratkilometer Vegetation – rund 10.000 Fußballfelder – verloren: 30 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Umweltorganisationen beschuldigen Bolsonaro, mit seiner hetzerischen Rhetorik und seinen Initiativen, die Zerstörung des Regenwaldes zu fördern, um die derzeitige Agrargrenze zu erweitern und die Gewinnung von Mineralien in indigenen Reservaten zu ermöglichen.

Bolsonaro bestreitet jedoch, dass die von seiner Regierung betriebene Politik der Grund für diesen Anstieg ist. Dabei führt er die Zunahme der Entwaldung auf „kulturelle“ Phänomene zurück. Diese bringt er mit den Brandrodungspraktiken in Verbindung, die viele Bewohner des Amazonas seit Jahrzehnten traditionell ausüben.

Bolsonaro hat zwar beteuert, dass die Entwaldung „nicht aufhören wird“, aber alarmierende Zahlen über die Zerstörung des Amazonas haben die Regierung unter Druck gesetzt, Maßnahmen zu ergreifen, um den Holzeinschlag in diesem Gebiet zu stoppen. Der Amazonas gilt als grundlegend für den Kampf gegen den Klimawandel, da er eine große Menge an Kohlendioxid absorbiert.

"Im Interesse der Chilenen": Chile sagt wichtigen Klimagipfel ab

Chile wird nicht Gastgeber des für Dezember geplanten jährlichen UN-Klimagipfels sein, kündigte Präsident Sebastian Piñera am Mittwoch, den 30. Oktober, an, da die zivilen Unruhen die südamerikanische Nation weiterhin heimsuchen.

Zu diesem Zweck hat die Regierung angekündigt, dass sie bei der COP25 die „versprochenen“ ausländischen Ressourcen verlangen und eine Definition ihres Anteils an einem Fonds in Höhe von 100 Milliarden Dollar pro Jahr fordern wird, der zur Finanzierung von Initiativen in Schwellenländern zur Erhaltung der Umwelt ab 2020 geschaffen wurde.

Norwegen und Deutschland gaben sogar die Aussetzung der Mittel für den Amazonasfonds bekannt, der zur Sammlung von Spenden zur Bekämpfung der Entwaldung eingerichtet wurde. Auch Frankreich erhob Einwände gegen das von der Europäischen Union (EU) und dem Mercosur nach den Bränden in der Amazonasregion angekündigte Abkommen.

In die Enge getrieben, hat Bolsonaro die Diplomatie vorerst auf Eis gelegt, um gegen all jene vorzugehen, die seine Politik in Frage gestellt haben.

Dabei rief er die deutsche Kanzlerin Angela Merkel auf, die Gelder lieber für die „Wiederaufforstung Deutschlands“ zu verwenden, beschuldigte Norwegen für die „Tötung von Walen“ und die „Gewinnung von Öl aus dem Nordpol“ und führte einen dialektischen Schlagabtausch mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

Amazonas-Gipfel im kolumbianischen Leticia ohne Brasiliens Präsident Bolsonaro

Ein Amazonas-Gipfel im kolumbianischen Leticia beschäftigt sich am Freitag mit den verheerenden Bränden in der Region. An dem Treffen nehmen die Präsidenten der Amazonas-Länder Kolumbien, Peru, Ecuador und Bolivien sowie Surinames Vize-Präsident teil.

Bolsonaro: Auf dem Kriegspfad gegen den „schiitischen Umweltaktivismus“

Seit seiner Machtübernahme am 1. Januar hat der brasilianische Rechtspopulist einen Kreuzzug gegen den „schiitischen Umweltaktivismus“ gestartet und Nichtregierungsorganisationen kritisiert, denen er sogar vorgeworfen hat, hinter den Bränden im Amazonasgebiet zu stecken.

Bolsonaro hat sich verhäuft mit Umweltschützern angelegt und sogar während seines Wahlkampfes gedroht, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen. Letztendlich hat er jedoch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks aus Europa einen Rückzieher gemacht.

Trotz der Kritik ist Umweltminister Ricardo Salles der Ansicht, dass Brasilien, das sich 2018 aus haushaltspolitischen Gründen geweigert hat, den COP25 auszutragen, die nationalen Verpflichtungen einhält, die es dem südamerikanischen Land ermöglichen werden, die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen.

„Brasilien schneidet (bei der Erreichung der Ziele) gut ab. Es hat bereits große Fortschritte bei der Reduzierung der Abholzung gemacht“, betonte der Minister kürzlich.

Amazonas-Brände: Frankreich fordert weniger "Soja-Abhängigkeit"

Brände im Amazonas-Gebiet werden nicht selten von Bauern gelegt, die versuchen, die wachsende Nachfrage nach Sojabohnen zu decken. Auch deswegen sollte Europa weniger abhängig von Soja-Importen werden, fordert Paris.

[Bearbeitet von Britta Weppner]

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.