BP: Energiepreise werden langfristig hoch bleiben [DE]

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Die steigende Nachfrage in Entwicklungsländern und das gleichzeitig weltweit begrenzte Angebot an fossilen Kraftstoffen führten zu Unbeständigkeit auf den Energiemärkten und würden auf lange Sicht für hohe Preise sorgen, meinte BPs Chefökonom Christof Rühl zu EURACTIV in einem Interview.

Rühl sprach gestern (30. September 2008) am Rande seiner Präsentation des BP Statistical Review of World Energy 2008 (Weltenergiebericht der BP-Gruppe) mit EURACTIV.

Der Bericht wurde bereits im Juni veröffentlicht, aber BP habe sich dazu entschlossen, die Präsentation des Berichts zu verschieben, um ihn im Rahmen der Diskussionen um die Energie- und Klimaschutzpolitik der EU vorstellen zu können, meint Howard Chase, der die BP-Gruppe bei der EU vertritt.

Vollständige Auslastung der Produktion

Die weltweiten Energiemärkte seien stark von einer „massiven Verschiebung” bei der Verteilung des weltweiten Wirtschaftswachstums betroffen, erklärte Rühl einem kleinen Publikum in Brüssel. Nicht-Mitgliedstaaten der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) wie China und Indien machten im Jahr 2007 fast 50% des Wachstums und fast 90% des Wachstums bei der Energienachfrage aus. China allein machte 40% der Nachfrage aus, die zu einem großen Teil durch Kohle gedeckt wird, so Rühl.

Die steigende Nachfrage hat die Ölmärkte in Bedrängnis gebracht. Infolgedessen blieben 2007 nur noch 2 Millionen Barrel pro Tag an ungenutzter Kapazität. Kleinere Lieferstörungen könnten somit „heftige Reaktionen“ im Sinne von Preisbewegungen auslösen, meinte er.

Wieder erstarkende OPEC

BP argumentiert, dass eine weitergehende Verstaatlichung von Ölressourcen und eine wieder erstarkende OPEC (Organisation Erdöl exportierender Länder) private Ölgesellschaften davon abhielten, die Ölproduktion zu maximieren, um von hohen Preisen profitieren zu können.

„Wenn die Ölpreise hoch sind, werden Ölgesellschaften versuchen, die Fördermenge und die Profite zu maximieren. Das werden sie außerdem im Wettbewerb mit anderen Unternehmen tun, selbst wenn ihnen das auf lange Sicht schadet, sprich, selbst wenn sie Überkapazitäten aufbauen und Konjunkturschwankungen auslösen, erklärte Rühl. 

Regierungen seien in dieser Hinsicht anders, da sie „versuchen werden, die langfristigen Gewinne aus der Investition zu maximieren. Man wird kaum Regierungen finden, die mit anderen Regierungen im Preiswettbewerb liegen“, sagte er.

Rühl zufolge erklärt diese Situation weitgehend die Marktanspannung und seine langsame Reaktion auf die Erhöhung der Nachfrage. Rühl ist überzeugt, dass  sowohl die Abwärts- als auch die Aufwärtsbewegungen des Ölpreises während den vergangenen 18 Monaten auf Einschnitte in der Produktion der OPEC bzw. auf Erhöhungen der Produktion zurückzuführen sind. 

Aber während die Erhöhung der Produktion der OPEC zu Preissenkungen führte, werde ein Barrel Rohöl langfristig wahrscheinlich nicht mit viel weniger als 100 Dollar gehandelt, sagte er. 

Öl im Überfluss

Der Chefökonom der BP-Gruppe wies den Gedanken, die Welt stehe einer realen Ölknappheit gegenüber, wie von Vertretern der ‚Peak-Oil’-Theorie behauptet, entschieden zurück. „Ich sehe keinen Grund, die ‚Peak-Oil’-Theorie als stichhaltig anzuerkennen, weder auf theoretischer, noch wissenschaftlicher oder ideologischer Basis“, meinte er.

“Es gibt zurzeit keine Beschränkungen bei der Ölförderung. Es gibt genügend Öl, wenn man bereit ist, den Preis dafür zu zahlen – damit meine ich auch die Umweltkosten für Quellen wie Teersand“, fügte er hinzu.

Russlands ‚Energiefluch’

Als Antwort auf Fragen zu den Auswirkungen eines aufstrebenden Russlands auf den weltweiten Energiemärkten brachte Rühl seine Besorgnisse darüber zum Ausdruck, dass das frühere ‚Herzstück’ der Sowjetunion Probleme habe, mit dem ‚Fluch’ der fossilen Brennstoffvorkommen vor dem Hintergrund massiver sozialer und politischer Turbulenzen zurecht zu kommen.

“Es ist eine Gratwanderung zwischen dem von Analysten so genannten Öl- oder Energiefluch und der Verwandlung dieser Ressourcen unter der Erde in einträgliche Arbeitsplätze auf der Erde“, erklärte Rühl, der Chefökonom der Weltbank in Russland war, bevor er 2005 zu BP wechselte.

Um das vollständige Interview mit Christof Rühl zu lessen, klicken Sie bitte hier.

In jedem Jahr veröffentlicht der Ölriese BP seinen Welt-Energiebericht über die weltweite Produktion und den Verbrauch von Öl, Gas, Kohle, Kern- und Wasserkraft und erneuerbare Energien. In dem Bericht sind viele Informationen zu den weltweiten Märkten für Primärenergien enthalten. Der Begriff Primärenergie umfasst die gebräuchlichsten Brennstoffe und Energiequellen: Öl, Gas, Kohle, Nuklearenergie und Wasserkraft.

Im Bericht letzten Jahres versicherte BP, dass Befürchtungen über eine drohende Ölknappheit unangebracht seien (EURACTIV 29. Juni 2007). 

Die Verfügbarkeit von Ölvorkommen ist einer der umstrittensten Punkte in dem Bericht. BP spielt Befürchtungen über das Ölfördermaximum oder eine Knappheit bei den weltweiten Ölvorkommen für gewöhnlich herunter. Sollten sich doch bewahrheiten, könnte das eine Katastrophe für die weltweiten Wirtschaftssysteme bedeuten, die nach wie vor stark auf fossile Brennstoffen angewiesen sind (siehe EURACTIV LinksDossier). 

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