Biokrafstoffindustrie warnt vor ‚Greenwashing‘ fossiler Treibstoffe

Klimagipfel, Marrakesch, COP22

Rapsöl ist eine der wichtigsten in Europa wachsenden Pflanzen zur Produktion von Biokraftstoffen. [Lee Jordan/Flickr]

Produzenten von Biokraftstoffen aus den Visegrad-Staaten sowie aus Litauen und Bulgarien warnen, dass ein Ausstieg aus Biotreibstoff zu einem „(Wieder-) Einstieg“ in „grüngewaschene“ fossile Brennstoffe unter der derzeitigen Erneuerbare-Energien-Richtlinie (EER) führen könnte.

Ein Ziel von 12 Prozent erneuerbarer Energie im Verkehr und ein Multiplikator von fünf für den Beitrag von rein elektrischen Fahrzeugen, wie der EU-Rat vorschlägt, würde zwar dazu führen, dass die Mitgliedstaaten ihre Ziele möglicherweise nominell erreichen, heißt es aus den sechs Ländern. Tatsächlich würde aber nur ein winziger Teil des Transportwesens mit sauberer Energie in Form von Elektrizität oder mit fortschrittlichen Biokraftstoffen betrieben. Der große Rest entfalle dann weiterhin auf fossile Brennstoffe.

„Wir reden von einem Ziel von 12 Prozent. Dieses Ziel kann schnell erreicht werden, wenn man relativ wenige Elektrofahrzeuge hat, deren Auswirkungen aber mehrfach multipliziert berechnet werden. Insgesamt wird es dadurch nicht mehr erneuerbare Energie im Verkehrswesen geben,“ erklärt Zuzana Jakubičková vom slowakischen Biokrafstoffverband.

Es solle daher keine zusätzliche Gewichtung zugunsten der Elektromobilität geben, fordern die Biosprit-Hersteller.

Mehr als die Hälfte des EU-Biodiesels wird aus importierten Pflanzen hergestellt

53 Prozent des EU-Biodiesels wird aus importierten Nahrungspflanzen hergestellt und fast die Hälfte des importierten Palmöls wird in Automotoren verbrannt.

Der Multiplikator für Elektrofahrzeuge ist bereits Teil der aktuellen EER, hat bisher aber nicht die erwarteten Resultate gebracht: Aktuell machen reine Elektrofahrzeuge lediglich ein Prozent des Automarktes aus.

Umweltgruppen argumentieren dennoch, ein solcher Multiplikator sei notwendig, da E-Mobilität 2,5 mal effizienter sei, als Flüssigtreibstoff. Daher solle die Nutzung von Elektrizität im Transport weiterhin besonders gefördert werden.

„Das sind keine kreativen Berechnungen,“ sagt Laura Buffet von der Organisation Transport & Environment Europe: „Sie schaffen mit Elektrizität immer mehr Kilometer als mit Flüssigtreibstoff.“

Auch das Argument eines möglichen ‚Wiedereinstiegs‘ von fossilem Treibstoff lässt sie nicht gelten: „Es ist unfair, das Öl-Argument zu bringen. Es spiegelt nicht die Realität wieder, denn 80 Prozent der genutzten Biokraftstoffe in Europa sind ohnehin Biodiesel.“

Aufgrund von indirekten Veränderungen in der Landnutzung habe Biodiesel, der aus Pflanzen wie Palmöl oder Soja hergestellt wird, sogar eine schlechtere Treibhausgas-Bilanz als fossile Treibstoffe. „Wenn etwas eine schlechtere Bilanz als Öl hat, dann sollte es nicht genutzt werden,“ so Buffet.

Jobs in ländlichen Gebieten

Die Biokraftstoffproduzenten argumentieren derweil, ein Ende der Förderung für pflanzenbasiertes Benzin und Diesel könnte vor allem die Landwirte der Visegrad-Länder hart treffen. Die vier Staaten plus Bulgarien und Rumänien hatten in einer gemeinsamen Mitteilung an die Europäische Kommission bereits vergangenen Monat davor gewarnt.

Bauern-Lobbyverbände behaupten, bis zu 220.000 Jobs in ländlichen Gebieten seien von der Herstellung von Biokraftstoffen abhängig. Eine Untersuchung der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission stellte 2015 aber fest, dass in diesem Jahr lediglich 12.000 Arbeitsplätze mit der EU-Biokraftstoffindustrie in Verbindung gebracht werden konnten.

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Für viele Landwirte sind Biokraftstoffe eine wichtig Einnahmequelle. Im Gegensatz zu NGOs sehen sie den Vorschlag der Kommission für Biokraftstoffrichtlinien nach 2020 kritisch.

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