Bericht warnt vor Klimarisiken kanadischen Ölsandes

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Der Ansturm auf kanadisches, aus Teersand gewonnenes Öl, dessen Gewinnung mehr Energieaufwand erfordert als herkömmliches Öl, könnte einen bedeutenden Anstieg der weltweiten Risiken des Klimawandels verursachen, warnt ein neuer Bericht, der vom WWF und Co-operation Financial Services (CFS), einer britischen Finanzgruppe, erstellt wurde.

Die Nutzung unkonventioneller Ölreserven in Kanada und Nordamerika könnte das globale atmosphärische CO2-Level um bis zu 15% anheben, heißt es in dem Bericht ‚Unconventional Oil: Scraping the bottom of the barrel?‚, der am 29. Juli 2008 veröffentlicht wurde.

Der anhaltende Anstieg der Ölpreise, der durch die zunehmenden Schwierigkeiten, an leicht zugängliches Öl in Versorgerländern wie Russland zu gelangen, verstärkt wird, bedeutet, dass der kostenintensive Abbau des kanadischen Teersandes und des Ölschiefers aus Colorado wirtschaftlich sinnvoll und zu einem profitablen Geschäft geworden ist.

Den Autoren zufolge hätten Shell, ExxonMobil und BP angekündigt, bis zum Jahr 2015 zusammen über 125 Milliarden kanadische Dollar (78 Milliarden Euro) in die Erschließung kanadischen Ölsandes zu investieren. Total und StatoilHydro hätten ebenfalls Pläne, unkonventionelle Ölreserven zu nutzen, jeweils in Venezuela und Kanada.

Da Kanadas Reserven auf 174 Milliarden Barrel Öl geschätzt werden, werbe das Land für sich als Energie-Supermacht, so der Bericht. Das Land verfüge damit über die weltweit zweitgrößten Ölreserven – direkt hinter Saudi-Arabien.

Bei der Gewinnung und Verarbeitung dieser schweren, pechartigen Öle sind jedoch große Mengen an Energie und Wasser nötig – was zu den Bedenken hinsichtlich des Klimawandels beiträgt. Die Gewinnung von Ölsand produziere dreimal mehr CO2-Emissionen als die herkömmliche Ölproduktion, während die Gewinnung von ölhaltigem Schiefer bis zu achtmal mehr produziere, heißt es im Bericht.

Daraus habe sich ergeben, dass Kanadas Treibhausgasemissionen seit 1990 um 26% gestiegen seien, so der Bericht. Das Land liegt damit weit über der Kyoto-Verpflichtung, die Emissionen um sechs Prozent zu senken.

Zudem heißt es in dem Bericht, dass die Art und Weise, den Ölsand im Tagebau zu fördern, weitere Probleme schaffe; darunter insbesondere giftige Abwassereinleitungen in Flüsse und hoher Wasserverbrauch.

Die Ölkonzerne sagen jedoch, sie nutzten nur ehemals unzugängliche Ressourcen und haben anspruchsvolle Programme angekündigt, um ihren negativen Einfluss auf die Umwelt zu verringern. Für die grundsätzlichen Geschäfte mit Ölsand sei es das Ziel des Unternehmens, die Emissionen bis 2010 um 50% mehr zu senken, als dies bei Beginn des Projektes vorgesehen war, so Shell Kanada. Das Unternehmen betont, dies sei das maßgebliche Ziel für die Ölsandindustrie.

Die Verfasser des Berichts schreiben jedoch, dass diese Bemühungen die falsche Antwort auf das Problem seien und warnen Investoren vor den möglichen Risiken dieses Geschäfts, von den hohen Kapitalkosten über sich abzeichnende regulative Beschränkungen bis hin zu der Wahrscheinlichkeit von Rechtsstreitigkeiten.

Der außergewöhnliche Umfang, den die Bemühungen der Öl- und Gaskonzerne annähmen, um die klimafeindlichen Kraftstoffe etwas verträglicher für das Klima zu machen, sollten in Richtung CO2-armer Energie umgelenkt werden. Dieser Ansicht ist Ian Jones, Leiter der Abteilung “Responsible Investment” bei Co-Operative Investments, einem Teil der CFS-Gruppe.

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