Bericht: Energiesektor wird unerwartete Gewinne einfahren [DE]

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In den kommenden vier Jahren könnten Energiekonzerne in fünf EU-Staaten Gewinne in Höhe von 70 Milliarden Euro machen – aufgrund der weiteren Zuteilung von kostenlosen CO2-Emissionszertifikaten, so ein neuer vom WWF in Auftrag gegebener Bericht.

Der Bericht, der vom Marktforschungsunternehmen Point Carbon durchgeführt wurde, liefert eine Berechnung der voraussichtlichen unerwarteten oder zusätzlichen Gewinne, die Energiekonzerne in Deutschland, Italien, Polen, Spanien und dem Vereinigten Königreich während der zweiten Phase (2008 bis 2012) des EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS) machen würden.

Die höchsten Gewinne werden in Deutschland erwartet, wo Unternehmen bis zu 34 Milliarden Euro einstreichen könnten. Der Energiesektor Großbritanniens könnte bis zu 15 Milliarden Euro Gewinn machen. In den drei übrigen Ländern werden wesentlich geringere Gewinne erwartet.

Die Verbraucher in der EU würden in den kommenden Jahren zwangsläufig höhere Energierechnungen erhalten, da Unternehmen mit höheren Kosten für die Erzeugung ‚sauberen’ und CO2-armen Stroms konfrontiert würden, so die Kommission. Sie schätzt, dass die Energiepreise bis 2020 um 10 bis 15% steigen werden.

Die Vergabe kostenloser Verschmutzungszertifikate unter dem EU-ETS führe jedoch zu noch höheren Preisen, da die Konzerne die zusätzlichen CO2-Kosten schlicht auf die Verbraucher umlegen würden, auch wenn sie die Emissionsrechte nicht erwerben müssten, so Point Carbon.

Zudem, so der Bericht des Unternehmens, vermindere eine kostenfreie Zuteilung von Zertifikaten an einzelne Kraftwerke, die kohlenstoffintensiv seien, den Anreiz des Systems, in emissionsarme Erzeugungstechnologien zu investieren. Somit würde eines der wichtigsten Anliegen des EU-ETS untergraben.

Diese Situation hat zu starker Kritik seitens des aufkeimenden Kohlenstoffmarktes der EU geführt. Der WWF, der den Bericht in Auftrag gab, bedauert insbesondere, dass kohlebetriebene Kraftwerke unter dem System kostenlose CO2-Zertifiktate erhalten würden, da man in den kommenden Jahrzehnten weiterhin steigende Emissionen erfahren würde, wenn nicht die Technologien zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) genutzt würden, so Sanjeev Kumar, der Koordinator für das EU-ETS der Organisation.

Die Kommission beabsichtigt, diese Situation für die dritte Phase des EU-ETS, die 2013 beginnt, zu verbessern. Laut der Pläne, die am 23. Januar 2008 in Brüssel vorgelegt wurden, müssen Energiekonzerne nach diesem Datum alle ihre CO2-Emissionszertifikate durch Versteigerungen erwerben.

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