Vervierfachte CO2-Preise für schnellen Wechsel von Kohle zu Gas – und fürs Klima

Deutschland uns Frankreich haben einen gemeinsamen Vorschlag erarbeitet, um Nord Stream 2 durch den EU Rat zu bringen. [© Nord Stream 2 / Axel Schmidt]

Die Kohlenstoffpreise in der EU sollten sich bis 2021 verdoppeln und bis 2030 auf 55 Euro pro Tonne vervierfachen, wenn die EU ihre Emissionsziele an das Pariser Übereinkommen über den Klimawandel anpasst, so ein neuer Bericht, der heute veröffentlicht wurde.

Die jüngste Reform des EU-Emissionshandelssystems hat die Kohlenstoffpreise bereits von einem Tiefstand von 4,38 Euro pro Tonne im Mai 2017 auf 13,82 Euro im April 2018 angehoben, so der neue Bericht des Think-Tanks Carbon Tracker.

Die Preise sind jetzt auf gutem Weg, in 2020/21 Preise von 25-30 Euro pro Tonne zu erreichen, da die Reformen das Überschussangebot langsam abbauen, heißt es im Bericht mit dem Titel ‘Carbon Clampdown: Closing the gap to a Paris compliant EU-ETS’.

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„Großer“ Wechsel von Kohle zu Gas

Die Angleichung des EU-Emissionshandelsystems (ETS) an das 2-Grad-Klimaziel des Pariser Abkommens würde jedoch für einen längeren Zeitraum Kohlenstoffpreise von durchschnittlich 45 bis 55 Euro/Tonne erfordern, heißt es im Bericht weiter. Dann wären selbst die effizientesten Kohle- und Braunkohlekraftwerke unrentabel.

Sollte dies geschehen, „dürfte es in Italien, Spanien, Deutschland und den Niederlanden zu einer großen Umstellung von Kohle auf Gas führen,“ schließt der Bericht. Außerdem wird festgestellt, dass Großbritannien diese Umstellung weg von der Kohle aufgrund seiner Innenpolitik bereits weitgehend erreicht hat.

„Der Punkt ist, dass Gas bei der Verbrennung 50 Prozent weniger kohlenstoffintensiv ist als Kohle, daher ist der Wechsel von Kohle zu Gas im Stromsektor der einfachste Weg, um kurz- bis mittelfristig die Emissionen im EU-ETS zu reduzieren,“ so Mark Lewis, der kürzlich von Barclays, wo er Leiter der Abteilung European Utilities war, zu Carbon Tracker wechselte. Davor war Lewis von 2007 bis 2013 Leiter des Bereichs Carbon Research bei der Deutschen Bank.

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Langfristige Ansätze

„Natürlich gibt es auf längere Sicht auch eine Begrenzung, wie viel Gas verbrannt werden kann, wenn wir innerhalb eines Paris-konformen Rahmens bleiben wollen,“ schrieb Lewis in einer E-Mail an EURACTIV.

„Längerfristig (z.B. bis 2040) denken wir, dass der Energiesektor der EU vollständig dekarbonisiert werden muss, mit erneuerbaren Energien und Speicherung als Endziel,“ so Lewis weiter.

Deshalb müsse es „die erste Priorität sein, die Kohle bis 2030 oder sehr kurz nach 2030 aus dem Energiemix zu entfernen, und dann, wenn die erneuerbaren Energien und die Speicherung hochgefahren werden, auch aus dem Gas auszusteigen.“

Europäisches Emissionshandelssystem "behindert" EU-Klimapolitik

Da es zuviele CO2-Zertifikate im ETS gibt, sind die Preise niedrig. Für Unternehmen ist es somit „billig“, zu schmutzig zu sein.

Preise für CO2-Ausstöße, sei es über sogenannte „Cap-and-Trade“-Regelungen oder Steuern, reichen alleine nicht aus, um das 2-Grad-Ziel zu erreichen, warnte Lewis. Dafür sei auch eine andere Politik, neue Technologien und weitere Maßnahmen der Investoren notwendig.

Dennoch würden die Kohlenstoffpreise „eine entscheidende Rolle spielen“, um die globale Erwärmung auf „deutlich unter 2°C“ zu begrenzen, wie es die Pariser Vereinbarung vorsieht.

Hohe Kohlenstoffpreise dürften auch die Entwicklung von groß angelegten Energiespeichern, intelligenten Netzen und der Laststeuerung (demand-side response, DSR) beschleunigen, so der Bericht.

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