Bereits mindestens 74 Tote durch Waldbrände in Griechenland

Feuerwehrleute versuchen einen Brand in der Nähe der Stadt Loutraki zu löschen. 150 Einsatzkräfte und 74 Löschfahrzeuge sind dort im Einsatz. [Vassilis Psomas/ epa]

In Griechenland toben die verherendsten Waldbrände seit mehr als einem Jahrzehnt. Mindestens 74 Menschen sind bereits gestorben, mehr als 170 Personen erlitten zum Teil schwere Verletzungen.

Allein im Hof einer Villa im Badeort Mati bei Athen wurden die verkohlten Leichen von 26 Menschen gefunden, darunter kleine Kinder. Wegen der schnellen Ausbreitung der Flammen waren zahlreiche Anwohner der Region an die Küste geflohen, um sich vom Wasser aus retten zu lassen. Viele warteten stundenlang von Aschewolken eingehüllt am Strand. 715 Menschen wurden schließlich mit Booten in das nahegelegene Rafina gebracht, wie die Regierung mitteilte. Mindestens fünf Menschen seien auf der Flucht vor dem Feuer im Meer gestorben.

„Mati existiert nicht mehr“, sagte der Bürgermeister von Rafina, Evangelos Bournous. Mehr als tausend Gebäude sowie 300 Autos seien durch das Feuer beschädigt worden. In der auch bei ausländischen Touristen beliebten Region wurde der Notstand ausgerufen. Der Brand in Mati war am Dienstag eingedämmt. Mehr als 3000 Feuerwehrleute, fünf Flugzeuge und zwei Hubschrauber waren im Einsatz gegen die Flammen.

Doch auch andernorts wüten die Feuer. Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos erklärte, in der Region Attika seien gleichzeitig 15 Brände an drei verschiedenen Fronten ausgebrochen. 50 Kilometer westlich von Athen im Küstenort Kineta ist ein weiteres Feuer ausbegrochen, das zahlreiche Häuser und Autos zerstörte. Innenminister Panos Skourletis sagte, das Löschen dieses Feuers habe jetzt Vorrang. In der Nähe der Stadt Marathon wurden rund 600 Kinder aus einem Feriencamp in Sicherheit gebracht.

Die Sprecherin der Feuerwehr, Stavroula Maliri, sagte, die Zahl von 74 Toten sei vorläufig. Feuerwehrleute seien dabei, in den Küstengebieten im Nordosten der griechischen Hauptstadt nach möglichen weiteren Opfern zu suchen. Nach polnischen Angaben zählten auch eine Polin und ihr Sohn zu den Todesopfern.

Die Europäische Union aktivierte den Zivilschutzmechanismus, um Griechenland bei Bedarf zu helfen. Zypern schickte 60 Feuerwehrleute, Spanien stellte zwei Löschflugzeuge für die Brandbekämpfung bereit. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bot ebenfalls Hilfe an.

Die Sprecherin des Roten Kreuzes, Georgia Trisbioti, sagte, die Menschen seien am Boden zerstört. „Einige haben alles verloren: Kinder, Eltern, ihr Heim“, fügte sie hinzu.
Ministerpräsident Alexis Tsipras brach wegen der Brände eine Bosnien-Reise ab. „Heute ist Griechenland in Trauer“, sagte er in einer Fernsehansprache und rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schickte Tsipras ein Kondolenztelegramm. „Das Leid der betroffenen Menschen berührt uns alle“, schrieb sie und bot Deutschlands Hilfe an. Auch aus anderen Ländern wie Portugal, Mazedonien, Bulgarien, Israel und der Türkei kamen Hilfsangebote.

Zuletzt hatte es 2007 solch verheerende Brände in Griechenland gegeben. Damals starben auf der Insel Euböa 77 Menschen. Wie andere europäische Länder hat Griechenland derzeit mit einer Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 40 Grad zu kämpfen. Auch in Schweden und Finnland sind schwere Waldbrände ausgebrochen.

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