Bekämpfung des Klimawandels auf dem „mediterranen Weg“

"Alles hängt von der transnationalen Zusammenarbeit ab. Umweltprobleme haben in der Tat keine Grenzen. Es gibt also keinen anderen Weg, es anzugehen, als auf gleicher Augenhöhe zusammenzuarbeiten". [Shutterstock]

Ein von der EU finanziertes Projekt zielt darauf ab, eine grüne und auf Kreisläufen basierende Wirtschaftspolitik im Mittelmeerraum voranzutreiben. Dies ist  besonders interessant angesichts einer alarmierenden Studie, die kürzlich darauf hinwies, dass die Temperaturen in der Region deutlich schneller steigen als im globalen Durchschnitt. EURACTIV.com berichtet aus Athen.

Die Interreg MED Green Growth Community ist eine Gemeinschaft bestehend aus diversen Projekten im Rahmen des Interreg-MED-Programms. Hauptziel ist der Austausch von Wissen über grünes Wachstum, an dem mehr als 100 Partner beteiligt sind, von öffentlichen Einrichtungen über KMU bis hin zu regionalen Behörden.

Die Projekte konzentrieren sich auf verschiedene Wirtschaftssektoren, die unter anderem vom Agrar- und Lebensmittelsektor über die Abfallwirtschaft bis hin zu Smart Cities reichen.

Mercè Boy Roura, Forscherin bei der Green Growth Community (GGC), betont gegenüber EURACTIV, der Klimawandel sei heute Realität und erfordere sofortige Maßnahmen.

„Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen können, die Auswirkungen des Klimawandels zu mildern. Eine von ihnen ist die Strategie der Kreislaufwirtschaft, die einen ganzheitlichen Ansatz im Prozess der Transformation der Art und Weise, wie wir Waren produzieren und konsumieren, sowie der Art und Weise, wie wir mit Abfall umgehen, erfordert,“ sagt sie.

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Eine kürzlich von den Mediterranean Experts on Climate and Environmental Change (MedECC) durchgeführte wissenschaftliche Studie ergab, dass der Klimawandel den Mittelmeerraum im Vergleich zum Rest der Welt sehr stark beeinflusst hat.

Die Temperaturen in der Region sind gegenüber der vorindustriellen Zeit um 1,5 Grad Celsius gestiegen und liegen damit über dem globalen Durchschnitt von 1,1 Grad Celsius.

Darüber hinaus prognostiziert die Studie, dass Dürren in Zukunft „häufiger und/oder intensiver“ ausfallen werden.

Roura erläutert: Damit die Region Probleme wie Wasserknappheit, Kontamination und Bodendegradation angehen kann, seien innovative Lösungen erforderlich, die über dieses Projekt in politische Empfehlungen und Synergien umgesetzt werden sollten.

„Die Kreislaufwirtschaft ist ein relevantes Thema in den nördlichen Teilen Europas, aber im Mittelmeerraum ist sie nicht so bekannt. Wir haben es mit einigen Merkmalen im Mittelmeerraum zu tun, die sich von anderen Regionen in Europa unterscheiden. Und was wir in unserer Gemeinschaft tun, ist, diese Ergebnisse in politische Ergebnisse umzusetzen, die den Aktionsplan der EU zur Kreislaufwirtschaft ergänzen können,“ so Roura.

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Die Rolle der Landwirtschaft

Viele GGC-Projekte konzentrieren sich auf den ökologischen Fußabdruck der Landwirtschaft und suchen nach innovativen Wegen, um diesen zu verringern.

RELIVE Waste ist eines dieser Projekte. Es wird in Italien, Zypern, Spanien und Bosnien-Herzegowina umgesetzt und läuft bis Mitte 2020. Das Projekt konzentriert sich auf Viehzucht und besonders intensive Rinder- und Schweinehaltung, die den Klimawandel in der Region stark beeinflussen.

Ziel ist es, tierische Abfälle durch den Einsatz innovativer Technologien in organische, hochwertige Düngemittel umzuwandeln. Das Ergebnis, so das Projekt, wird nicht nur zu intelligentem Wachstum führen, sondern auch neue Geschäftsmöglichkeiten schaffen.

Ein weiteres Projekt ist CAMARG, dessen Ziel es ist, den Kleinbauern im Mittelmeerraum zu unterstützen, um gegen den wachsenden Druck der Massentierhaltung zu bestehen.

Mit dem sogenannten „Null-Kilometer-Ansatz“ soll der Weg zwischen lokalen landwirtschaftlichen Erzeugern und Endverbrauchern durch einen E-Commerce-Service verkürzt werden. Darüber hinaus soll die Sichtbarkeit ihrer hochwertigen Produkte im Mittelmeerraum erhöht werden.

Das Projekt ähnelt dem Konzept der kurzen Lebensmittelketten, das in der letzten Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) eingeführt wurde, um den Verbrauchern gesunde und frische Lebensmittel zu liefern und das Einkommen der Kleinbauern zu erhöhen.

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Das Mittelmeer: ein Hot Spot für den Klimawandel

Alessandra Sensi vom Sekretariat der Union des Mittelmeers (UfM), einer zwischenstaatlichen Institution, an der 43 Länder teilnehmen, um den Dialog und die Zusammenarbeit zu fördern, betont, das Ziel sei es, sich auf eine gemeinsame Agenda für Umwelt und Klimawandel sowie die „Blaue“ Wirtschaft zu einigen.

Sie weist darauf hin, dass die Mittelmeerländer in den kommenden Jahren die Gelegenheit nutzen und entsprechende Maßnahmen ergreifen sollten.

„Es ist eine wichtige Gelegenheit, die wir nicht verpassen dürfen, um sicherzustellen, dass unsere Agenda dem Fakt Rechnung trägt, dass der Mittelmeerraum ein Hot Spot für den Klimawandel ist“, sagt sie gegenüber EURACTIV. Sie fügt hinzu, dass diese verstärkte technische Zusammenarbeit nicht nur auf die europäischen Mittelmeerländer beschränkt ist, sondern auch auf Länder wie Jordanien ausgedehnt wurde.

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„Alles hängt von der transnationalen Zusammenarbeit ab. Umweltprobleme haben wirklich keine Grenzen. Es gibt also keinen anderen Weg, es anzugehen, als auf gleicher Augenhöhe zusammenzuarbeiten“, so Sensi.

Die Interreg MED Green Growth Community hat kürzlich das UfM-„Label“ erhalten und beteiligt sich nun an gemeinsamen Aktivitäten zur Förderung nachhaltiger Lösungen zur Bekämpfung des Klimawandels in der Region.

„Das ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte“, meint Sensi. Durch diese Partnerschaft würden auch die südlichen Mittelmeerländer, die nicht Teil eines INTERREG-Programms sind (zum Beispiel in Nordafrika) letztendlich an diesen Projekten teilnehmen können.

„Wir prüfen nun die operativen Möglichkeiten zur Koordinierung mit anderen Regionalprogrammen, aber auch zur Erleichterung des Prozesses und um sicherzustellen, dass die Länder des Südens, die derzeit nicht Teil davon sind, sich diesen Aktivitäten noch anschließen können.“

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Britta Weppner]

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