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19/01/2017

Bauindustrie: EU-Klimaziele ohne Gebäudesanierungen nicht erreichbar

Energie und Umwelt

Bauindustrie: EU-Klimaziele ohne Gebäudesanierungen nicht erreichbar

Europas Bausubstanz muss energieeffizienter werden, wenn die EU ihre Klimaziele erreichen will.

[SpeedKingz/Shutterstock]

Führende Stimmen des europäischen Bauwesens fordern von der Kommission, zugunsten der Wirtschaft und des Klimas stärker auf energieeffiziente Bausubstanz zu setzen. EurActiv Brüssel berichtet.

Diesen Herbst will die Kommission die Energieeffizienz-Richtlinie und die Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden überprüfen. Dabei müsse sie mit „Weitsicht“ vorgehen, betonen 42 Vorstandsvorsitzende der bedeutendsten Bau- und Baustoffkonzerne Europas in einem Brief an den EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker und den Vizepräsidenten Frans Timmermans. Ohne „politisches Engagement auf höchster Ebene“ sei es nicht möglich, wie geplant bis 2050 die gesamte Bausubstanz in Niedrigstenergie-Gebäude umzuwandeln, warnen sie. Die Sanierungsindustrie brauche Gewissheit, um vermehrt Investitionen im Sektor zu tätigen und die EU wieder auf den richtigen Klimakurs zu lenken.

„Wir, die Vertreter der größten Industrie- und Baugemeinschaft Europas sehen die Überprüfung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD) und der Energieeffizienz-Richtlinie (EED) als eine einmalige Chance für die EU, große Herausforderungen mit großen Maßnahmen anzupacken – Beschäftigung und Wachstum – und dabei unsere Volkswirtschaften so aufzustellen, dass sie dem Pariser Klimaabkommen entsprechen können“, drängen die Unternehmensvorstände.

Europas alte Energieschlucker

Europas Bausubstanz wird immer älter und ist noch dazu hochgradig ineffizient. Sie ist für 40 Prozent des EU-weiten Energieverbrauchs und 36 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Neue Gebäude sind im Durchschnitt fünfmal energieeffizienter als ältere. Die Kommission geht davon aus, dass etwa 35 Prozent des europäischen Gebäudebestands über 50 Jahre alt sind und 90 Prozent davon 2050 noch immer stehen werden.

In ihrem Beitrag zum Pariser Klimaabkommen versprach die EU, ihren CO2-Ausstoß bis 2030 um 40 Prozent zu senken (verglichen mit den Werten von 1990) und bis 2050 CO2-Neutralität zu erreichen. Will die EU diese Ziele einhalten, muss sie die Energieeffizienz der europäischen Bausubstanz verbessern. Laut Schätzungen der Kommission könnten umfassende energetische Gebäudesanierungen den Energieverbrauch der gesamten EU um sechs Prozent senken sowie fünf Prozent CO2 einsparen.

Mit gutem Beispiel voran

Der derzeitigen EPBD nach müssen bis 2020 alle neuen Häuser Niedrigstenergiegebäude sein. Dabei ist es Aufgabe der Mitgliedsstaaten, Mindestnormen für die Energieprofile aller neugebauten Häuser festzulegen. Diese gelten auch für größere Sanierungsmaßnahmen wie den Ersatz von Dächern, Wänden, Heiz- und Kühlsystemen.

Die EED verpflichtet Regierungen dazu, nur hochgradig energieeffiziente Gebäude zu erwerben und über ihre nationale Sanierungsrate zu berichten. Man geht davon aus, dass diese im EU-Durchschnitt zurzeit bei lediglich einem Prozent liegt. Der tatsächliche Wert könnte jedoch durchaus niedriger liegen, da es keine gemeinsamen Standards darüber gibt, was eine Sanierung eigentlich ausmacht.

Würde die EU mit gutem Beispiel vorangehen, könnte dies Investitionen in energieeffiziente Renovierungs-Maßnahmen mobilisieren, meinen die Unterzeichner des Schreibens. Da 90 Prozent der Akteure im Bauwesen kleine und mittelständische Unternehmen seien, könne davon auch die europäische Wirtschaft profitieren.

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