BASF will eigene Offshore-Windanlagen bauen

Die BASF kooperiert mit dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall, um den größten Offshore-Windpark vor der niederländischen Küste zu errichten. [EPA/Christian Charisius]

Der weltgrößte Chemiekonzern, die deutsche BASF, hat Partnerschaften mit den Energiekonzernen Vattenfall und RWE geschlossen, um eigene Offshore-Windparks zu errichten und so ausreichende Mengen an erneuerbarer Energie für seine Chemiewerke in Nordeuropa zu sichern.

Die europäische Industrie ist für mehr als 20 Prozent der Emissionen in der EU-27 verantwortlich. Für die Dekarbonisierung werde mehr erneuerbare Energie benötigt, erklärt dementsprechend Martin Brüdermüller, der Vorstandsvorsitzende der BASF. „Eine erfolgreiche Dekarbonisierung unserer Industrie erfordert riesige Mengen an erneuerbarer Energie,“ sagte Brüdermüller am vergangenen Mittwoch (23. Juni) auf einer Branchenveranstaltung.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien schreite aber derzeit nicht in dem erforderlichen Tempo voran; das Angebot könne die Nachfrage nicht decken, warnte er.

Zuvor hatte Brüdermüller den politischen Rahmen der EU für erneuerbare Energien kritisiert. Die Vorschriften seien zu komplex und die Geschwindigkeit der Transformation zu langsam.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien hat sich in Deutschland verlangsamt. Onshore-Windprojekte werden durch bürokratische Hürden und juristische Klagen sowohl von Naturschützern als auch von Klimawandelleugnern aufgehalten.

Bei der BASF scheint man die Sache nun selbst in die Hand nehmen zu wollen: Zum einen kooperiert das Unternehmen mit dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall, um den größten Offshore-Windpark vor der niederländischen Küste zu errichten. Der Windpark „Hollandse Kust Zuid“ wird eine Kapazität von 1,5 Gigawatt haben und soll 2023 in Betrieb gehen. Er wird das zweitgrößte Werk der BASF in Antwerpen direkt mit erneuerbarem Strom versorgen.

Einen noch größeren Windpark plant der Chemiekonzern in Kooperation mit dem deutschen Energiekonzern RWE in der Ostsee. Der Offshore-Windpark, der im Jahr 2030 fertiggestellt sein soll, wird eine noch größere Kapazität von rund zwei Gigawatt haben. Er soll dann das größte Werk der BASF in Ludwigshafen versorgen.

Die Chemieindustrie wird „noch nie dagewesene Mengen an erneuerbarem Strom benötigen“, bekräftigt auch der europäische Chemieverband CEFIC gegenüber EURACTIV.com. Unternehmen müssten zunehmend „mutige Schritte“ ergreifen, um einen zuverlässigen Zugang zu erneuerbarer Energie zu erhalten. Daher gebe es einen „breiteren Trend“ innerhalb der Branche hin zum Kauf von Ökostrom-Zertifikaten.

CO2-Neutralität bis 2050

Da sich die EU das Ziel gesetzt hat, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen, stehen auch die verarbeitenden Industrien unter wachsendem Druck, ihren Kohlenstoffausstoß zu reduzieren.

Um ihre Innovationsprogramme zu koordinieren, haben sie einen Verband namens A.SPIRE gegründet, der Branchen wie Zement, Keramik, Chemie, Maschinenbau, Mineralien und Erze, Nichteisenmetalle, Zellstoff und Papier, Raffinerie, Stahl und Wasserwirtschaft zusammenbringt. Zusätzlich zum Druck von außen kommt nun also auch Druck von innen, sagen ihre Vertreter.

„Unsere Mitarbeiter, unsere Manager, drängen uns, schneller zu werden,“ bestätigt Michael Koenig, CEO von Elkem, einem norwegischen Unternehmen, das auf die Herstellung von Silizium für die Solarindustrie spezialisiert ist.

„Wir sind heute nicht hier, um etwas zu fordern. Wir sind heute hier, um unser Engagement anzubieten“, sagte Luis Cabra, stellvertretender CEO des spanischen Ölkonzerns Repsol, und fügte hinzu, dass sich sein Unternehmen zur Kohlenstoffneutralität bis 2050 verpflichtet habe.

Am Mittwoch (23. Juni) fiel der Startschuss für die gemeinsame Verpflichtung der Prozessindustrie zur Dekarbonisierung: Processes4Planet. Der Plan soll den Übergang der Branche zur Kohlenstoffneutralität und zur Kreislaufwirtschaft leiten, indem er auf sektorübergreifende Innovationen setzt.

So werden 16 Innovationsbereiche, wie die Integration von Wasserstoff in die Industrie, und 36 Innovationsprogramme, wie die direkte Elektrolyse von Rohstoffen, identifiziert.

Im Plan heißt es: „Um solche Investitionen auszulösen, ist jetzt Unterstützung zur Risikominderung von Innovationen erforderlich.“

[Bearbeitet von Frédéric Simon/Zoran Radosavljevic]

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