Atomkraft, Phosphat und Wasserstoff: EU-Energiepolitik im Jahr 2023

Unsere beiden meistgelesenen Artikel des Jahres 2023 waren erfreuliche Meldungen: die Entdeckung riesiger Phosphatvorkommen in Norwegen und potenziell unendliche Quellen für sauberen Wasserstoff in Frankreich. [Esther Snippe]

Das Jahr 2023 war in der Energiepolitik geprägt von vielen Auseinandersetzungen. Insbesondere das Ringen zwischen Frankreich und Deutschland um die Atomkraft dürfte einigen im Gedächtnis geblieben sein. Allerdings gab es auch erfreuliche Nachrichten.

Der Medienzyklus und die Berichterstattung werden oft von negativen Nachrichten dominiert. Im vergangenen Jahr überwog bei einigen der am häufigsten gelesenen Artikel im Energie- und Umweltbereich jedoch die positive Botschaft. So waren die beiden meistgelesenen Artikel etwa über die Entdeckung riesiger Phosphatvorkommen in Norwegen, sowie den möglicherweise unerschöpflichen Quellen für sauberen Wasserstoff in Frankreich.

Die norwegische Entdeckung stellt sicher, dass Europa nicht der Dünger ausgeht. Denn Phosphatgestein kommt vor allem als Düngemittel zum Einsatz. Zudem ist Phosphat auch für die Herstellung von Solarzellen und Lithium-Ionen-Batterien wichtig. Lesen Sie hier mehr darüber.

EU begrüßt Entdeckung eines riesigen Phosphatvorkommens in Norwegen

Ein riesiges unterirdisches Vorkommen an hochwertigem Phosphatgestein in Norwegen, ist groß genug, um die weltweite Nachfrage nach Düngemitteln, Solarzellen und Batterien für Elektroautos in den nächsten 100 Jahren zu decken, so das Bergbauunternehmen.

Die natürlichen Wasserstoffreserven Frankreichs, die auf etwa drei Millionen Tonnen pro Jahr geschätzt werden, entstehen auf natürliche Weise durch unterirdische chemische Prozesse und geothermische Wärme.

Es könnte das billigste und klimafreundlichste Gas sein, das in Europa verfügbar ist.

Ob es den Unternehmen gelingen wird, diesen Reichtum zu ernten, bleibt abzuwarten. Aber gute Nachrichten sind immer Mangelware, und deshalb lohnt es sich, diese Nachricht möglichst lange zu genießen.

Frankreich jubelt über riesiges unterirdisches Wasserstoffvorkommen

Im Mai entdeckte La Française d’Énergie (FDE) in Lothringen ein großes Vorkommen an natürlichem Wasserstoff. Es könnte sich dabei um einen Wendepunkt bei der Energiewende in Europa handeln.

Frankreich gewinnt Kampf um Atomkraft

Der größte Teil des Jahres 2023 wurde jedoch von den üblichen politischen Auseinandersetzungen über die Energiepolitik dominiert.

Der wohl aufsehenerregendste Streit zwischen den Schwergewichten Frankreich und Deutschland – die oft als (zunehmend stotternder) Motor der EU bezeichnet werden – war die Frage, welche Rolle die Atomkraft bei den Dekarbonisierungszielen der EU spielen sollte.

Das Jahr begann mit einem Sieg für die Befürworter der Atomkraft. Im Rahmen des neuen EU-Regelwerks für grünen Wasserstoff, das im Februar vorgelegt wurde, konnte Paris die Anerkennung von CO2-armem Wasserstoff, der aus Atomstrom hergestellt wird, durchsetzen.

Es war einer der technischsten Texte des Jahres, aber wir haben ihn für Sie in dem nachstehenden Artikel leicht verständlich zusammengefasst.

Sieg für Frankreich: Brüssel macht Atomstrom-Wasserstoff grün

Die Europäische Kommission hat die lang erwarteten Regeln vorgelegt, welche festlegen sollen, unter welchen Umständen Wasserstoff als aus „erneuerbaren“ Energiequellen stammend gekennzeichnet werden kann. In letzter Minute erhielt Paris auch die Anerkennung für kohlenstoffarmen Wasserstoff, der aus Atomstrom hergestellt wird.

Im März brachte Frankreich eine Gruppe gleichgesinnter Länder zusammen, um die Stellung der Atomkraft in einer Reihe von anstehenden EU-Gesetzen zu stärken – ein Schritt, der, wie sich herausstellte, weitreichende Folgen haben würde.

Doch der März brachte auch Ernüchterung für die Franzosen, als die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen der Atomkraft im Rahmen des Kommissionsvorschlags für ein Netto-Null-Industrie-Gesetz den Status einer „strategischen“ Technologie verweigerte.

Paris schlug schnell zurück und bereitete im Vorfeld des Treffens der EU-Energieminister im März eine Gegenoffensive vor.

Dies gipfelte im Mai darin, dass Frankreich die Verabschiedung der EU-Richtlinie über erneuerbare Energien in letzter Minute mit dem Argument blockierte, dass weitere „Garantien“ erforderlich seien, um die Produktion von CO2-armem Wasserstoff aus Atomkraft zu sichern.

Nach Ansicht von Paris bestand die Gefahr, dass die EU-weiten Ziele für die Erzeugung von Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen mit der Erzeugung von CO2-armem Wasserstoff aus Atomkraft in Konflikt stehen würden – eine Schmerzgrenze für Frankreich.

Frankreich verzögert Verabschiedung des EU-Gesetzes zu Erneuerbaren

Die formelle Verabschiedung der EU-Richtlinie über erneuerbare Energien wurde verschoben, nachdem Paris in letzter Minute Einspruch erhoben hatte. Paris fordert weitere „Garantien“ für kohlenstoffarmen Wasserstoff aus Kernkraft.

Deutschland: Der Verlierer

Abgesehen von seinem verlorenen Konflikt mit Frankreich über die Atomkraft hat Deutschland ein hartes Jahr in der Energiepolitik (und auch an vielen anderen Fronten) hinter sich.

The Economist nannte Deutschland den „kranken Mann Europas“, und bei den Befürwortern der Atomkraft kommt oft Schadenfreude auf, wenn etwas schiefläuft, nachdem das Land im April sein letztes Atomkraftwerk abgeschaltet hat.

Die Leser lasen zum Beispiel besonders gern darüber, dass einer der führenden Wirtschaftswissenschaftler des Landes Euractiv mitteilte, dass einige energieintensive Industrien in Deutschland möglicherweise keine Zukunft mehr haben.

Die Energiewende ist sicherlich kein leichtes Unterfangen, und viele von Ihnen waren fasziniert, als im November bekannt wurde, dass Deutschland erwägt, Ladestationen für Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen zu drosseln, um die Netzstabilität zu gewährleisten und Stromausfälle zu verhindern.

Zudem hielt die Auseinandersetzungen der Regierung über das Verbot von mit fossilen Brennstoffen betriebenen Heizkesseln auch das politische Brüssel in Atem – ein Thema, das die Koalition aus SPD, Grünen und FDP an den Rand des Zusammenbruchs brachte.

Gasheizungsverbot ab 2024 löst in Deutschland Sturm der Entrüstung aus

Ein Gesetzentwurf, der den Einbau neuer Öl- und Gasheizungen ab dem nächsten Jahr verbieten soll, hat in Deutschland für Empörung gesorgt und den Streit zwischen den Grünen und den Liberalen in der Berliner Regierung weiter angeheizt.

Weitere Nachrichten

2023 war auch das Jahr, in dem klar wurde, dass eine Überarbeitung von REACH, der wegweisenden EU-Chemikalienverordnung, in dieser Amtszeit der Kommission nicht mehr zustande kommen würde.

„EU-Chemikaliengesetz droht Verwässerung“ berichteten wir im Februar – ein Schritt, der im Oktober bestätigt wurde, als Maroš Šefčovič, der neue EU-Zar für den Green Deal, in sein neues Amt eingeführt wurde.

Da die globalen Temperaturen weiterhin neue Rekorde brechen, veröffentlichte Euractiv einen Special Report darüber, wie schmelzende Gletscher das tägliche Leben der Europäer beeinflussen.

Eine der meistgelesenen Beiträge des Jahres beschäftigte sich mit der Frage, wie schmelzende Gletscher die Grenze zwischen der Schweiz und Italien neu ziehen.

Lesen Sie unseren Special Report hier:

[Bearbeitet von Frédéric Simon/Alice Taylor]

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