Bulgarien verhandelt mit der Europäischen Kommission, um die Entschädigung für die frühzeitige Schließung von vier Reaktoren des Atomkraftwerkes Kosloduj zu verdoppeln. Dies gab der bulgarische Wirtschaftsminister Peter Dimitrov am 20. April 2008 bekannt.
Die Europäische Kommission bestätigte, dass Gespräche bereits geführt würden, betonte aber, dass man über Beträge noch nicht diskutiert habe. Die EU habe zur Stilllegung der vier Blöcke 550 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, so Minister Dimitrov laut dem Focus. Davon seien 350 Millionen Euro bereits verbraucht.
„Wir waren niemals gegen einen Verlängerung des Unterstützungsprogramms (für die Stilllegung der Blöcke des AKWs Kosloduj)“, sagte der Sprecher der Kommission Ferran Tarradellas EURACTIV. Er fügte jedoch hinzu, dass derartige Verlängerungen nach 2009 begründet werden müssten.
Bulgarische Beamte benutzen oft den Begriff „Entschädigung” im Zusammenhang mit der vorzeitigen Schließung von Atomreaktoren. Die Europäische Kommission jedoch zieht es vor, die Beträge als finanzielle Unterstützung für den Stilllegungsprozess zu bezeichnen, nicht als Entschädigung.
Bevor die Blöcke 3 und 4 des AKWs Kosloduj geschlossen wurden, war Bulgarien ein wichtiger Exporteur elektrischer Energie in der Region. Nun hat Bulgarien diese strategische Stellung jedoch verloren. Aus diesem Grund besteht in der Balkanregion ein Energiedefizit, vor allem in Albanien. Bulgarische Beamte haben wiederholt bestätigt, dass das Land wegen der vorzeitigen Schließung der Atomblöcke mehrere Milliarden Euro verloren habe.
Bulgarien plant auf der Donauinsel Belene in Übereinstimmung mit westlichen Standards den Bau eines neuen Atomkraftwerkes, es wird jedoch mehrere Jahre dauern, bis es betriebsbereit ist. Der Energiemangel in der Balkanregion hat dazu geführt, dass einige Politiker und die Atomlobby in Bulgarien für eine Wiederaufnahme des Betriebs der Blöcke 3 und 4 plädieren. Kürzlich durchgeführte Meinungsumfragen zeigen, dass viele Bulgaren für die Wiederinbetriebnahme der Blöcke 3 und 4 des AKWs Kosloduj sind. Die Europäische Kommission dagegen hat klar gemacht, dass sich die Bedingungen seit der Unterzeichnung des Beitrittvertrages nicht geändert haben.
Die Stilllegung von Atomkraftwerken sei eine große Sorge – sowohl auf internationaler als auch auf europäischer Ebene. Die Kommission schätzt, dass etwa ein Drittel der derzeit 145 sich in Betrieb befindenden Atomreaktoren bis 2025 stillgelegt werden müssen. In den einzelnen EU-Ländern gibt es eine Vielzahl an Strategien zur Stilllegung sowie eine Reihe von Finanzierungsmechanismen.
In einer jüngsten Mitteilung an das Europäische Parlament und den Rat äußerte die Kommission ihre Bedenken, dass in einigen Ländern Kraftwerksbetreiber nur unzureichende Mittel für die Stilllegung erhielten. Die Kommission sagt, dies sei gegenläufig zu dem Grundsatz „Verschmutzer zahlt“ und könnte zu marktverzerrenden staatlichen Beihilfen führen.
Es herrscht weiterhin die Sorge über den Grad der unabhängigen Aufsicht über Fonds in mehreren Mitgliedstaaten. Die Kommission ist der Meinung, dies könnte zu ungenauen Kosteneinschätzungen und einer mangelnden Leistungsfähigkeit von Fonds führen
Die Kommission schließt, diese „Probleme könnten durch eine unabhängige Aufsicht über die Stilllegungsfonds besser behoben werden als durch neue Rechtsvorschriften, gleichgültig, ob auf einzelstaatlicher oder überstaatlicher Ebene“. Weiter heißt es, dass eine harmonisierte Stilllegungsstrategie auf EU-Ebene für den künftigen Bau von Atomkraftwerken „in jedem Fall […] verfolgt werden“ sollte.

