Artensterben stoppen – UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt beginnt

Bei der 15. UN-Konferenz zur Biodiversität übernimmt China die Führungsrolle. [EPA-EFE/JUSTIN LANE]

Am Montag (11. Oktober) beginnt die 15. UN-Konferenz zur Biodiversität, die das dramatische Artensterben stoppen will. Bei dem virtuellen Gipfel übernimmt China die Führungsrolle von Ägypten.

Die Volksrepublik ist der weltweit größte Verursacher von Kohlendioxid und damit einer der größten Umweltverschmutzer. Mit Spannung erwarten Beobachter deshalb die Erklärung von Kunming zum Erhalt der Biodiversität.

Bis Mitte des Jahrhunderts steigt die Weltbevölkerung voraussichtlich auf neun Milliarden. Während die Menschheit wächst, sterben immer mehr Tiere – manche Arten verschwinden sogar völlig. Sie werden gezielt getötet oder ihr Lebensraum wird zerstört.

„Wir hoffen, dass diese Erklärung die Bedeutung der biologischen Vielfalt für die menschliche Gesundheit noch stärker hervorheben und anerkennen wird“, sagte Elizabeth Maruma Mrema, Leiterin des Sekretariats der UN-Konvention zur Biodiversität (CBD).

195 Länder und die Europäische Union haben den Vertrag ratifiziert. Mrema setzt darauf, dass der Erhalt der Artenvielfalt künftig bei allen politischen Entscheidungen mitbedacht wird. Auf das Online-Treffen nächste Woche folgt vom 25. April bis 8. Mai ein Präsenz-Gipfel in Kunming.

Zwischen den beiden Konferenzen sind für Januar Gespräche in Genf geplant. Verhandelt wird ein Abkommen, dessen Entwurf vorsieht, bis 2050 „im Einklang mit der Natur zu leben“. 21 „Ziele für dringende Maßnahmen“ werden formuliert, mit denen dieser „Einklang“ erreicht werden soll.

So sollen etwa 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz gestellt und Plastik aus den Meeren verbannt werden. Auch nachhaltige Landwirtschaft, Aquakultur und Forstwirtschaft werden angestrebt.

Die Ausgaben für den Artenschutz sollen innerhalb eines Jahrzehnts auf 200 Milliarden US-Dollar (173 Milliarden Euro) jährlich steigen und Subventionen für umweltschädliche Industrien um „mindestens 500 Milliarden US-Dollar pro Jahr“ sinken.

Die einzelnen Regierungen sind aufgefordert, Strategien umzusetzen und Methoden zu entwickeln, um Fortschritte leichter messen zu können. Laut Entwurf soll sichergestellt werden, dass die Einhaltung der Ziele überprüft wird, damit es nicht bei leeren Versprechungen bleibt.

Von Einigkeit sind die Gipfelteilnehmer noch weit entfernt. Frankreich und Costa Rica etwa zählen zu den Befürwortern der Initiative, 30 Prozent der Erde bis 2030 zu Schutzgebieten zu erklären. Als Wissenschaftler ein noch ehrgeizigeres Ziel forderten – 50 Prozent unter Schutz zu stellen – lehnten Brasilien und Südafrika dies entschieden ab.

Auch um die Finanzierung gibt es Streit. Entwicklungsländer fordern, dass die reichen Länder stärker zur Kasse gebeten werden.

„Es ist besorgniserregend, dass diese Fragen nicht ausreichend behandelt wurden“, sagt Li Shuo, Berater für globale Politik bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace China. „Die traurige Wahrheit ist, dass sich die Länder einfach nicht so sehr um die biologische Vielfalt in anderen Ländern kümmern wie um die Emissionen, die andere in die Luft pumpen.“

Der Erhalt der Biodiversität ist noch lange kein so großes Thema wie der Klimaschutz. Doch die Aufmerksamkeit dafür wird größer – zum Beispiel durch prominente Naturschützer: Ende September verpflichteten sich Amazon-Gründer Jeff Bezos und der frühere Bürgermeister von New York, Mike Bloomberg, gemeinsam mit anderen Philanthropen, bis 2030 fünf Milliarden Dollar für den Erhalt der Artenvielfalt bereitzustellen.

Subscribe to our newsletters

Subscribe