Antwerpener Hafen rüstet sich für „massiven“ Import von Wasserstoff

Der Hafen von Antwerpen ist einer der verkehrsreichsten in Europa und hat seinerseits bereits Pläne angekündigt, bis 2050 klimaneutral zu werden. Er bietet darüber hinaus auch Großkonzernen der chemischen Industrie wie BASF, Ineos, Monsanto, ExxonMobil und anderen eine Heimat. [Lambert Claes / Shutterstock]

Der Hafen von Antwerpen hat sich mit dem Energieversorger Engie und fünf weiteren Unternehmen zu einem Konsortium zusammengeschlossen, das bis zum Ende des Jahrzehnts eine „vollständige Wertschöpfungskette für den Import von erneuerbarem Wasserstoff“ in Belgien aufbauen will.

Das Konsortium gab am gestrigen Mittwoch den Abschluss einer Machbarkeitsstudie bekannt, die zu dem Schluss kommt, dass das Projekt sowohl technisch als auch wirtschaftlich realisierbar ist.

Der belgische Ministerpräsident Alexander de Croo zeigte sich erfreut: „Wasserstoff wird eine entscheidende Rolle bei der Energiewende spielen und unsere Industrie nachhaltig machen. Der nächste Schritt ist, eine langfristige Strategie für den Import von Wasserstoff zu entwickeln.“

EU-Kommission skizziert Pläne für 100 Prozent erneuerbaren Wasserstoff

Die EU-Kommission hat ihre Pläne zur Förderung von Wasserstoff vorgestellt, der vollständig auf erneuerbarer Elektrizität basiert. Sie fügte jedoch hinzu, dass auch „CO2-armer“ Wasserstoff aus fossilen Brennstoffen unterstützt werden soll.

Die sogenannte „Hydrogen Import Coalition“ besteht aus DEME, Engie, Exmar, Fluxys, dem Hafen von Antwerpen, dem Hafen von Zeebrugge und WaterstofNet. Ihre gemeinsame Studie zeigt die finanziellen, technischen und regulatorischen Aspekte des Aufbaus einer kompletten Wasserstoff-Importkette auf – von der Produktion im Ausland über die Lieferung per Schiff und Pipeline nach Belgien bis hin zur internen Verteilung an Industrie-Endverbraucher.

„Es ist klar, dass Sonne und Wind die erneuerbaren Energiequellen der Zukunft sein werden. In Belgien und Westeuropa gibt es jedoch nicht genug Wind- oder Solarenergie, während andere Regionen der Welt tatsächlich Solar- und Windenergie im Überfluss haben,“ argumentiert die Koalition.

Das belgische Projekt stehe im Einklang mit den Plänen der Europäischen Kommission, die im vergangenen Jahr vorgestellt wurden, um eine Wertschöpfungskette für erneuerbaren Wasserstoff in Europa zu entwickeln. Dies sei eine Möglichkeit, die aus erneuerbaren Energien erzeugte Elektrizität zu ergänzen.

Es wird erwartet, dass sich die Produktion von CO2-armer Elektrizität in den kommenden Jahrzehnten verdoppeln wird. Laut den von der Europäischen Kommission entwickelten Langzeitszenarien wird Elektrizität bis 2050 dennoch nur 53 Prozent des Energiemixes der EU ausmachen.

Deshalb müsse die lokale Produktion von erneuerbarem Strom durch Lieferungen von „grünen Stoffen“ aus Ländern ergänzt werden, in denen Wind- und Sonnenenergie genutzt werden können, um erneuerbaren Wasserstoff in großen Mengen zu erzeugen, so die Koalition.

Ziel sei es, bis 2030 eine vollständige Wasserstoff-Import-Wertschöpfungskette aufzubauen.

Australisch-deutscher Deal als Hoffnung für eine globale Wasserstoffwirtschaft

Ein bilaterales Abkommen mit dem Ziel, die deutschen Importe von Wasserstoff aus Solarkraftwerken in Australien zu erhöhen, könnte ein Meilenstein in den Bemühungen um die Schaffung eines globalen Wasserstoffmarktes sein.

Mit seinem ausgedehnten Netzwerk von Terminals und Gaspipelines scheint Belgien ideal positioniert, um eine globale Führungsmacht in der Wasserstoffwirtschaft zu werden, behaupten die Befürworter.

Der Hafen von Antwerpen ist einer der verkehrsreichsten in Europa und hat seinerseits bereits Pläne angekündigt, bis 2050 klimaneutral zu werden. Er bietet darüber hinaus auch Großkonzernen der chemischen Industrie wie BASF, Ineos, Monsanto, ExxonMobil und anderen eine Heimat, die sicherlich sehr daran interessiert sind, potenzielle Wasserstoffnutzer zu werden.

„Als Welthafen und Europas größter integrierter Chemie-Cluster sind wir ein wichtiges Glied in dieser Kette,“ erklärte Jacques Vandermeiren, der CEO des Hafens von Antwerpen. „Einer der nächsten Schritte ist nun die Analyse, wie wir unsere Seehäfen auf die Aufnahme dieser Wasserstoffträger der Zukunft vorbereiten können,“ sagte er am Mittwoch bei einem Pressegespräch. „Der entscheidende Punkt ist wirklich jetzt, wenn wir für das Ende des Jahrzehnts bereit sein wollen.“

Auf der finanziellen Seite blieb der CEO der DEME Group, Luc Vandenbulcke, hingegen eher vage und sagte, „es wird in der Größenordnung von einer Milliarde Euro und mehr liegen“ – für die groß angelegte Produktion von Wasserstoff im Ausland allein. „Und dann haben wir den Transport, der danach folgt. Also reden wir über wirklich massive Investitionen.“

Der CEO des Gasinfrastrukturkonzerns Fluxys, Pascal de Buck, gab weitere Details bekannt: „Es wird einige Unterstützung von den Behörden geben: Auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene“ – unter anderem aus dem 750 Milliarden Euro schweren Recovery Fund der EU.

„Bis zur Mitte dieses Jahrzehnts sollten wir einen klareren Blick auf die ersten Initiativen haben,“ sagte de Buck. Er fügte jedoch hinzu, dass Belgien bis dahin „wahrscheinlich noch nicht bereit“ sein werde, grünen Wasserstoff zu importieren. Zunächst müssten im Ausland Elektrolyseure für die groß angelegte Produktion von Wasserstoff aufgestellt werden, was wahrscheinlich zwischen 2025 und 2030 geschehen werde, sagte er.

Auf belgischer Seite müssten derweil neue Importterminals gebaut werden, was seiner Meinung nach ebenfalls etwa fünf Jahre in Anspruch nehmen dürfte. Außerdem seien „diese Art von Projekten kapitalintensiv und benötigen lange Vorlaufzeiten, so dass wir einen gesetzlichen Rahmen brauchen, der uns eine langfristige Perspektive bietet“, forderte de Buck.

Er gehe daher davon aus, „dass die ersten Elemente bis zum Ende dieses Jahrzehnts fertig und einsatzbereit sein werden.“

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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