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17/01/2017

Anstieg der Ökostrom-Umlage stößt auf harsche Kritik

Energie und Umwelt

Anstieg der Ökostrom-Umlage stößt auf harsche Kritik

Die steigende EEG-Umlage entzürnt Industrie und Handel.

[Tekke/Flickr]

Weil sich Strom an der Börse derzeit auf Talfahrt befindet, soll die Ökostrom-Umlage auf einen neuen Rekordwert steigen. Auf Verbraucher kommen höhere Preise zu – doch auch aus Industrie und Handel hagelt es Kritik.

Verbraucher müssen im nächsten Jahr für die Ökostromumlage tiefer in die Tasche greifen. Der Aufschlag auf den Strompreis steigt auf 6,354 Cent je Kilowattstunde von derzeit 6,17 Cent, wie die Netzbetreiber am Donnerstag mitteilten.

Wenn die Erhöhung voll auf den Gesamtstrompreis durchschlagen würde, müsste ein Durchschnittshaushalt inklusive Umsatzsteuer etwa acht Euro im Jahr mehr bezahlen.

Während Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel von einer stabilen Umlage sprach, stieß die Erhöhung in Industrie und Gewerbe auf Kritik. „Die vom Bundeswirtschaftsministerium versprochene Kostenbremse bei der Energiewende war Wunschdenken“, erklärte der Präsident des Bundesverbandes der Industrie (BDI), Ulrich Grillo.

Über die Ökostromumlage wird die Differenz zwischen den staatlich garantierten, höheren Abnahmepreisen an die Grünstrom-Produzenten und dem Preis an der Strombörse bezahlt. Das bedeutet: Je niedriger der Börsenpreis, desto höher die Umlage und umgekehrt.

Für den Betrag von zuletzt gut 23 Milliarden Euro müssen die Stromkunden aufkommen. Ein Drittel davon zahlen Privathaushalte, die dafür insgesamt im Schnitt etwa 250 Euro jährlich aufbringen müssen. Gewerbe und Industrie zahlen je ein weiteres Drittel. Große Stromverbraucher der Industrie erhalten allerdings Vergünstigungen bei der Umlage.

Das Wirtschaftsministerium sieht den Hauptgrund für die gestiegene Umlage darin, dass der Börsenstrompreis auf Talfahrt ist. Würde dieser Effekt an die Haushaltskunden weitergegeben, würde für sie der Preis sogar sinken. Gabriel empfahl den Verbrauchern daher erneut, Angebote zu vergleichen und gegebenenfalls den Anbieter zu wechseln.

„Kostenspirale dreht sich weiter“

Von den energieintensiven Unternehmen hagelte es Kritik: „Trotz aller Reformen dreht sich die Kostenspirale beim EEG weiter“, sagte Utz Tillmann, Sprecher der Energieintensiven Industrien in Deutschland (EID). Noch immer gebe es keine wirksame Kostenbremse für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Schon heute betrage die Belastung der EID-Branchen über zwei Milliarden Euro.

Auch in der Textil- und Modeindustrie sowie im Handel sorgte die EEG-Umlage für Unmut. „Exportstarke Industrieunternehmen haben damit Riesenprobleme, weil die Produktionskosten in Deutschland dadurch weit höher sind als in anderen Industriestaaten“, sagte Ingeborg Neumann, Präsidentin des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie.

Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes HDE, forderte eine faire Kostenverteilung. Den Handel träfen die steigenden Belastungen in doppelter Weise. „Denn zum einen bleibt bei steigenden Strompreisen den Kunden weniger Geld zum Einkaufen in der Tasche. Zum anderen zahlen auch die Handelsunternehmen immer höhere Preise für Strom und Energie.“

Der Strompreis für die privaten Verbraucher setzt sich aus einer ganzen Reihe von Faktoren zusammen. Die auch durch die EEG-Umlage gestiegenen Steuern und Abgaben machen bereits gut die Hälfte aus. Hinzu kommen die Kosten für Beschaffung und Vertrieb. Verbraucherschützer kritisieren schon länger, dass die Branche um E.ON, RWE & Co die gefallenen Börsenpreise unzureichend an die Kunden weitergebe.