Altmaier und Le Maire wollen gemeinsame Wasserstoff-Produktion vorantreiben

Der vizepräsident der EU-Kommission Maroš Šefčovič (r.) zusammen mit Peter Altmaier und seinem französischen Counterpart, Wirtschaftsminister Bruno Le Maire. [Ian Langsdon/ epa]

Frankreich und Deutschland wollen zusammen Weltmeister für grünen Wasserstoff werden. Sie planen eine gemeinsame Produktionsanlage, die staatliche gefördert werden soll. Uneinigkeiten gibt es aber bei der Frage um den Atomstrom.

Am Rande des informellen Treffens der EU-Finanzminister am heutigen Freitag in Berlin könnte die deutsch-französische Vision zur gemeinsamen Produktion von Wasserstoff ein gutes Stück vorankommen. Er werde zusammen mit seinem deutschen Kollegen Peter Altmaier bei einem Abendessen über weitere Details beraten, hatte Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire am vergangenen Sonntag verkündet.

Konkret soll es um eine „Gigafactory“ für Wasserstoff gehen, für die beide Länder 1,5 Milliarden Euro bereitstellen könnten und das sich um das Prädikat „Projekt von gemeinsamem europäischem Interesse“ (IPCEI) bei der EU bewerben soll, um staatliche Subventionen erhalten zu dürfen. Erste Überlegungen dazu waren von Angela Merkel und Emmanuel Macron bei ihrem Treffen im August auf der Burg von Brégançon angestellt wurden. „Wir müssen die deutsch-französischen Projekte beschleunigen“, denn beim Wasserstoff könnten beide Länder zusammen Weltmarktführer werden, so Wirtschaftsminister Le Maire.

EU-Kommission skizziert Pläne für 100 Prozent erneuerbaren Wasserstoff

Die EU-Kommission hat ihre Pläne zur Förderung von Wasserstoff vorgestellt, der vollständig auf erneuerbarer Elektrizität basiert. Sie fügte jedoch hinzu, dass auch „CO2-armer“ Wasserstoff aus fossilen Brennstoffen unterstützt werden soll.

Frankreich mit neuem Riesen-Budget für Wasserstoff

Anlass für die neue Gesprächsrunde ist die am Mittwoch vorgestellte Wasserstoff-Strategie Frankreichs. Die sieht vor, dass das Land in den kommenden zehn Jahren Elektrolyse-Kapazitäten von 6,5 GW aufbaut und damit 600.000 Tonnen grünen Wasserstoff produziert. Blauer Wasserstoff, der unter Abschneidung des CO2 aus Erdgas gewonnen wird, ist in der französischen Strategie explizit nicht vorgesehen. Zum Hochlauf der französischen Wasserstoff-Produktion hat die Regierung sieben Milliarden Euro über zehn Jahre versprochen, davon zwei Milliarden, die bereits im Rahmen des Corona-Wiederaufbauprogrammes vergangene Woche angekündigt worden waren. Sie sollen bis 2022 fließen und vor allem die Dekarbonisierung der Industrie voranbringen.

Mit seiner neuen Zielmarke macht Frankreich einen großen Schritt nach vorne, denn zuletzt hatte Umweltminister Nicolas Hulot 2018 nur 100 Millionen Euro über drei Jahre vorgesehen. „Damit erhält Wasserstoff eine reelle Dimension“, so Frankreichs Umweltministerin Barbara Pompili.

Auch Deutschland hat ehrgeizige Wasserstoff-Pläne: Als er im Juni die nationalen Wasserstoff-Strategie vorstellte, kündigte Wirtschaftsminister Peter Altmaier an, Deutschland wolle weltweit „die Nummer Eins“ werden. Bis 2030 sollen 5 GW an Kapazitäten errichtet werden, bis 2040 soll sich der Wert auch 10 GW verdoppeln. Damit setzt sich Deutschland ein etwas geringeres Produktionsziel als Frankreich, gleichzeitig sollen aber große Mengen grünen Wasserstoffs aus sonnenreichen Ländern importiert werden. Zwei der insgesamt neun Milliarden Euro sind deshalb für Import-Partnerschaften vorgesehen.

Die EU-Kommission regt in ihrer im Juli vorgestellten Wasserstoff-Strategie an, dass in Europa im selben Zeitfenster insgesamt 40 GW mit einer Erzeugungskapazität von zehn Millionen Tonnen Wasserstoff entstehen sollten.

Bundesregierung verspricht sieben Milliarden Euro für grünen Wasserstoff

Die Bundesregierung hat sich auf eine nationale Wasserstoff-Strategie geeinigt. Sie sieht vor, bis 2030 Erzeugungskapazitäten von 5 GW und bis 2040 von 10 GW zu schaffen. Dazu sollen sieben Milliarden Euro in Unternehmen und Forschung fließen.

Atom-Frage bleibt ungeklärt

Wieviel Wasserstoff in einer deutsch-französischen Kooperation erzeugt werden soll, ist noch unbekannt. Uneinigkeiten könnte es allerdings bei der Wahl der Produktion geben: Frankreich setzt vor allem auf grünen Wasserstoff, den es mithilfe des Stroms seiner Atomkraftwerke herstellen möchte. Deutschland lehnt Atomstrom dagegen ab. Im Dezember 2019 konnten sich die Staats- und Regierungschefs nicht darauf einigen, ob Atomstrom im Rahmen der EU-Taxonomie als „sauber“ einzuordnen ist, derzeit wird dies noch von einem EU-Dienst untersucht.

Sowohl Deutschland als auch die EU-Kommission setzen in ihren Strategien daher auch auf blauen Wasserstoff. Ein Hindernis soll das laut Le Maire aber nicht werden: Derzeit verfolge man zwar noch unterschiedliche Wege bei der Herstellung bzw. Einfuhr von Wasserstoff. „Aber wir werden sehen, wie unsere Ansätze ergänzen können.“

Alles „made in Europe“

Frankreich möchte vor allem darauf achten, sich beim Wasserstoff nicht von ausländischen Unternehmen abhängig zu machen. Die benötigte Technologie soll vollständig in Frankreich hergestellt werden. Man werde nicht denselben Fehler wie mit Photovoltaikmodulen machen und chinesische Produzenten subventionieren, so Le Maire. „Das steht außer Frage.“

Erste Erfahrungen bei gemeinsamen Projekten dieser Größenordnung haben Deutschland und Frankreich bereits. Anfang des Jahres verkündeten sie eine gemeinsame Gigafactory für Batterien, die in Nersac und Kaiserslautern ansässig sein wird und von beiden Ländern mit rund 1,3 Milliarden Euro unterstützt wird. Ab Mitte 2021 soll die Produktion anrollen und bis 2030 eine Million Batterien für Elektrofahrzeuge erreichen.

Deutschland und Frankreich eröffnen erste gemeinsame Batteriezell-Anlage

Deutschland und Frankreich wollen gemeinsam an der Fertigung von Batteriezellen unter anderem für Elektroautos forschen. Am Donnerstag eröffneten beide Länder dazu eine Pilotanlage.

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