Acht EU-Staaten fordern mehr Biokraftstoffe im Luftfahrtsektor

SAFs könnten umgehend eingesetzt werden, da keine infrastrukturellen Änderungen an Flughäfen erforderlich wären. [EPA/ROBIN VAN LONKHUIJSEN]

Ministerinnen und Minister aus acht europäischen Ländern haben die Europäische Kommission aufgefordert, die Verbreitung nachhaltiger Flugzeugkraftstoffe (sustainable aviation fuels, SAFs) zu fördern. Deren Beimischung zu Kerosin solle gesetzlich vorgeschrieben werden, um die hohen Emissionen des Sektors zu senken.

Vertreter aus Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden, Spanien und Schweden haben am Montag eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie die EU-Exekutive auffordern, „Anreize für den Einsatz nachhaltiger Flugkraftstoffe zu schaffen“.

„Wir, die oben genannten Mitgliedsstaaten, sehen die Verwendung von SAF als einen der am besten erreichbaren und effektivsten Wege, um die Klimaauswirkungen des Luftfahrtsektors kurzfristig zu reduzieren,“ heißt es in der Erklärung, die unter anderem von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer unterzeichnet wurde.

Ein „europäisches Beimischungsgebot für SAF“ werde das Angebot und die Nachfrage nach grünen Kraftstoffen erhöhen, argumentieren die acht Ministerinnen und Minister in ihrem Brief.

EU-Kommission schlägt Instrumente für nachhaltige Flugzeug-Kraftstoffe vor

Die EU-Kommission plant, nachhaltige Kraftstoffe im Flugverkehr zu fördern und hat dazu gestern eine öffentliche Konsultation eingeleitet. Die Optionen auf dem Tisch beinhalten Pflichtquoten oder einen Auktionshandel für umweltfreundliche Treibstoffe.

SAFs, die sogenannte „fortschrittliche Biokraftstoffe“ und Elektrokraftstoffe umfassen, machen derzeit nur 0,05 Prozent des EU-Kraftstoffverbrauchs aus. Ein verbindlicher Beimischungsanteil würde Investitionen in „grüne Treibstoffe“ anregen und das Angebot erhöhen, argumentieren die acht Ministerien. Dies werde derartige Kraftstoffe wettbewerbsfähiger machen.

Die Erklärung kommt im Vorfeld der Veröffentlichung der ReFuelEU-Initiative, die einen Rahmen für die Dekarbonisierung der Luftfahrtindustrie schaffen soll. Dazu gehört unter anderem die Festlegung von Anforderungen für die Verwendung von SAFs. Die fertige Initiative wird von der Europäischen Kommission wohl noch im ersten Quartal 2021 offiziell veröffentlicht.

SAFs könnten umgehend eingesetzt werden, da keine infrastrukturellen Änderungen an Flughäfen erforderlich wären. Sie sind eine sogenannte „Drop-in“-Technologie, die mit Kerosin gemischt und ohne weitere Änderungen am Flugzeugtriebwerk verwendet werden könnte.

Die Luftfahrt wird derweil auch im kommenden Jahrzehnt auf Flüssigtreibstoff angewiesen sein, so Bundesverkehrsminister Scheuer. Schließlich seien emissionsfreie und emissionsarme Technologien, die bereits in Autos und Transportern verwendet werden – wie Wasserstoff und elektrische Batterien – noch nicht für den Einsatz in der zivilen Luftfahrt ausgelegt.

Viel frühes Lob

Die gemeinsame Erklärung wurde am Montag bei einer Online-Veranstaltung vorgestellt. Die EU-Kommissarin für Verkehr, Adina Vălean, hob in ihrer Rede dabei das „beeindruckende“ Potenzial von SAF hervor und verwies ebenfalls auf deren Kompatibilität mit heutigen Flugzeugen. Ihre Produktion stelle „keine Bedrohung“ für die Landnutzung oder Wasserreserven dar, fügte sie hinzu.

Allerdings betonte Vălean, dass SAFs noch nicht in den notwendigen Mengen verfügbar seien. Dies müsse sich ändern. „Unsere Analyse legt nahe, dass synthetische Kraftstoffe mit dem richtigen wirtschaftlichen und regulatorischen Umfeld einer der wichtigsten Wege zur Dekarbonisierung der Luftfahrt werden können. Im Moment können wir nur ihr Potenzial sehen, da sich die Produktion noch in einem sehr frühen Stadium befindet,“ sagte sie weiter.

Der französische Staatssekretär für Verkehr, Jean-Baptiste Djebbari, sprach sich ebenso für den Einsatz von SAFs aus, warnte aber davor, sich für die Herstellung von Biokraftstoffen auf Rohstoffe von außerhalb der EU zu verlassen. Nicht-EU-Rohstoffe könnten gegebenenfalls „nicht so grün sein wie erhofft“ und würden den Bemühungen der EU um Energieunabhängigkeit schaden, sagte Djebbari.

Biokraftstoffe: Erneuter Öl-Betrug

Eine neue Untersuchung zum Betrug mit Biokraftstoffen in den Niederlanden hat die Herkunft von importiertem Altspeisefett in der EU wieder einmal ins Rampenlicht gerückt.

EU-Klimakommissar Frans Timmermans lobte den Luftfahrtsektor für sein Engagement bei der Emissionssenkung.

„Dieses Argument, das meist angebracht wird, dass wir den Luftfahrtsektor nicht antasten können, weil es sich um einen internationalen Sektor handelt, und dass [wenn wir es tun] wir unsere Industrie töten würde, etc. – dieses Argument wird mehr oder weniger hinfällig, wenn wir alle anfangen, uns in die gleiche Richtung zu bewegen,“ sagte er.

„Nachhaltige“ Erholung

Mehrere Redner auf der Veranstaltung verwiesen auf den heftigen Abschwung, den die Luftfahrtindustrie in Folge von COVID-19 zu verkraften hat. Eine wirtschaftliche Erholung müsse nun in jedem Fall „nachhaltig“ erfolgen.

„Die Luftfahrt wurde besonders hart getroffen und es wurde viel öffentliches Geld in die Aufrechterhaltung des Sektors gesteckt – und ich denke, das war eine gute Entscheidung. Der Luftfahrtsektor wird für unseren Aufschwung und die zukünftige Struktur unserer Wirtschaft entscheidend sein, aber es muss ein Luftfahrtsektor mit einem stark reduzierten CO2-Fußabdruck sein,“ forderte Timmermans.

Kommissarin Vălean stimmte dem zu: „Bis 2035 könnten wir in Europa 14,4 Millionen Flüge pro Jahr haben. Es macht aber keinen Sinn, direkt von katastrophalen [wirtschaftlichen] Verlusten wieder zu einer erhöhten Umweltbelastung überzugehen.“

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins]

Zug vs. Flug: Vorteil für die Schiene?

Die Nachfrage nach Bahnreisen in Europa wird im kommenden Jahrzehnt deutlich steigen, so eine neue Analyse, die auf eine „neue Wertschätzung“ der Öffentlichkeit für saubere Luft und Klimaschutz als Folge des Coronavirus-Ausbruchs hinweist. Hauptverlierer dürften die Airlines sein.

Flugscham? Europäer fliegen so viel wie nie

Viele Menschen geben an, für den Umweltschutz weniger zu fliegen. Aber die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Der Luftfahrtindustrie geht es so gut wie nie, ihre Emissionen haben sich seit 1990 mehr als verdoppelt.

Kommission arbeitet sich an neuen Emissionsregelungen für die Luftfahrtbranche ab

Ein globales Kompensationssystem soll mit den EU-Regeln integriert und die Genehmigungen für kostenfreie Verschmutzungsrechte deutlich reduziert werden.

Subscribe to our newsletters

Subscribe