Abschied vom Diesel geht voran

Immer mehr Autobauer reagieren und setzten auf Alternativen zum Diesel. [EPA-EFE/MATTHIAS RIETSCHEL]

Der Abgesang auf den Diesel wird wegen drohender Fahrverbote lauter: Toyota, der zweitgrößte Autobauer der Welt, kündigte auf dem Genfer Autosalon an, in Europa künftig keine neuen Pkw-Modelle mehr mit Dieselmotoren anzubieten.

Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne sagte am gestrigen Dienstag beim ersten großen Branchentreffen in Genf: „Wir werden die Abhängigkeit vom Diesel substanziell verringern.“ Zuvor hatten schon Volvo und Porsche den Selbstzünder in Frage gestellt. Matthias Müller, Chef vom Weltmarktführer Volkswagen, hielt dagegen: „Ich bin fest überzeugt, dass der Diesel ein Revival erleben wird.“

Der Wolfsburger Konzern will – wie auch viele Oberklasse-Hersteller – nicht auf die Technologie verzichten. Ohne sie, so die Befürchtung, sind strengere Abgasziele nicht zu erreichen, weil Dieselfahrzeuge weniger Sprit verbrauchen und daher weniger CO2 erzeugen. Wegen der hohen Stickoxidbelastung insbesondere durch ältere Dieselautos in einigen Städten hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig aber vergangene Woche den Weg für Fahrverbote frei gemacht. VW-Chef Müller mahnte deshalb zur Eile. „Ganz kurzfristig geht es darum, jetzt effizientere und saubere Fahrzeuge in die Städte zu bringen, um die drängenden Probleme zu lösen.“

Der Vorstandsvorsitzende sprach von einem Bündel an Maßnahmen, um die Luftbelastung zu senken: Es reiche vom Umtausch weiterer älterer Diesel in solche mit moderner Euro-6-Abgasnorm über den verstärkten Einsatz des Erdgasantriebs bis hin zu Elektroautos, die in größerer Zahl auf die Straßen kommen sollen.

EU will in Aufbau von Batterie-Branche für E-Autos investieren

Die EU wünscht sich eine E-Autobranche, die eng mit ihren Zulieferern zusammenarbeitet, möglichst auf europäischem Gebiet. Der EU-Energiekommissar Sefcovic teilte nach dem „Batterie-Gipfel“ mit, die EU werde investieren.

Der künftige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sprach sich wie sein Vorgänger und CSU-Parteifreund Alexander Dobrindt gegen eine blaue Plakette aus. Mit dieser Kennzeichnung könnten sauberere von schmutzigeren Fahrzeugen unterschieden werden, was den Kommunen die Kontrolle von Fahrverboten erleichtern würde. „Die blaue Plakette ist fachlich begründet falsch und bedeutet in der Folge Fahrverbote. Genau die wollen wir ja vermeiden“, sagte Scheuer. Verkehrspolitisch stehen die Zeichen unter der neuen GroKo nicht auf Erneuerung. Zeit, dass die Automobilindustrie selbst Schritte einleitet, wenn sie auf dem Weltmarkt nicht abgehängt werden will.

VW-Rivale Toyota teilte mit, Hybridmodelle seien in den Kernsegmenten gefragter als Dieselfahrzeuge. Im vergangenen Jahr steigerten die Japaner den Absatz von Hybridfahrzeugen um 38 Prozent auf 406.000, „was 41 Prozent aller 2017 verkauften Autos des Konzerns entspricht“. Der Dieselanteil lag den Angaben zufolge bei unter zehn Prozent. Wie Toyota weiter mitteilte, werden für Nutzfahrzeuge wie den Land Cruiser auch weiter Dieselmotoren angeboten.

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