Abholzung und Rodung: Großkonzerne äußern sich nicht

In vielen Entwicklungsländern werden Wälder abgeholzt, um Platz für Palmöl, Soja, Kakao oder die Viehwirtschaft zu schaffen. [kakteen/Shutterstock]

Fast drei Viertel der Unternehmen mit einem signifikanten Einfluss auf die Wälder der Erde haben keine Daten über ihre Auswirkungen auf die globale Abholzung im Jahr 2018 vorgelegt, so eine Studie, die von der Umwelt-NGO Carbon Disclosure Project (CDP) am heutigen Dienstag veröffentlicht wurde.

Investoren und große Einkaufsorganisationen hatten mehr als 1.500 Unternehmen mit großen Auswirkungen auf die Wälder aufgefordert, entsprechende Daten über die Berichtsplattform des CDP offenzulegen. Doch 70 Prozent der Unternehmen haben dies nicht getan.

Die Unternehmen waren gebeten worden, Daten über Holz, Palmöl, Rinderzucht und Soja zu liefern.

Unter denjenigen, die keine Informationen gaben, waren große Lebensmittelunternehmen wie die REWE Group, die Oetker-Gruppe, die Auchan Holding, Parmalat und Louis Dreyfus, aber auch der Möbelhersteller IKEA, heißt es im Bericht.

Laut CDP werden Wälder für diese Unternehmen abgeholzt, um das Holz für Möbel zu verwenden bzw. gerodet, um Platz für neue Plantagen, für die Landwirtschaft oder die Viehzucht zu schaffen.

Europa tut nicht genug gegen "importierte Abholzung"

Europäische Importe von Soja, Kakao und Palmöl treiben die Abholzung von Wäldern in Entwicklungsländern voran.

Die Transparenz der Unternehmen ist beim Thema Abholzung und Rodung im Vergleich zu anderen Umweltfragen nach wie vor gering: Während ungefähr 30 Prozent der Unternehmen ihre Auswirkungen auf die Wälder der Welt offenlegten, kommunizierten immerhin 43 Prozent der Unternehmen Daten zum Klimawandel und zur Wassersicherheit.

„Wenn es um die Reaktion von Unternehmen auf Abholzung geht, ist das Schweigen ohrenbetäubend,“ kommentierte Morgan Gillespy, Direktor für Forstwirtschaft beim CDP. „Die Umweltbelastung ist auf einem historischen Höchststand. Die Unternehmen sind aufgefordert, transparent zu sein und entschlossene Maßnahmen zum Schutz der Wälder zu ergreifen,“ fügte er hinzu.

Von denjenigen Firmen, die Informationen offenlegten, leistete ein Viertel keine oder nur begrenzte Maßnahmen zur Verringerung der Abholzung, heißt es im Bericht außerdem. Diejenigen, die tatsächlich handeln, seien „zu wenige“ und deutlich in der Minderheit.

Gillespy hofft nun vor allem auf den Druck der Konsumenten. Seiner Ansicht nach wollten diese „immer mehr wissen: Sie wollen sicher sein, dass ihre Einkäufe nicht die Zerstörung des Amazonas, das Aussterben der Orang-Utans und die Klimakrise antreiben.“

Deswegen glaubt er: „Unternehmen, die ihren Marktanteil halten wollen, müssen sich die Aufforderungen ihrer Kunden und Kundinnen, ihrer Investoren und der Verbraucher und Verbraucherinnen im Allgemeinen anhören – oder sie müssen mit einer Gegenreaktion rechnen. Unternehmen haben uns bereits mitgeteilt, dass das „Reputationsrisiko“ das größte Risiko ist, das sie bei der Abholzung sehen.“

CO2-Emissionen und Abholzung: Die Balance finden

Wenn die EU ihre Klimaziele erreichen will, muss eine Balance zwischen der wirtschaftlichen Optimierung der Forstwirtschaft und Waldschutz zur Kohlenstoffbindung gefunden werden.

Die Unternehmen, die Daten übermittelten, rechneten mit potenziellen Verlusten von insgesamt 30,4 Milliarden US-Dollar aufgrund von Rufschädigung der Marken, regulatorischen Änderungen und physischen Schäden wie Waldbränden und Ernteausfällen.

15 Fußballfelder pro Minute

Laut CDP wird die von fast 450 Unternehmen und 50 Regierungen gesetzte Frist zur Beendigung der Entwaldung bis 2020 verpasst, da die von der Industrie ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichen.

Jedes Jahr gehen immer noch fünf Millionen Hektar Wald verloren – was 15 Fußballfeldern pro Minute entspricht. Die NGO betont in dieser Hinsicht erneut, die Bekämpfung der Abholzung und Entwaldung sei entscheidend, um der Klimakrise zu begegnen. Waldgebiete sind nach wie vor die wichtigsten Kohlenstoffsenken.

Darüber hinaus verpassen Unternehmen gewisse Business-Möglichkeiten, wenn sie ihre Auswirkungen auf die Wälder der Welt nicht berücksichtigen, heißt es im Bericht weiter. Die an das CDP berichtenden Unternehmen meldeten im Jahr 2018 zusätzliche Absatzmöglichkeiten im Wert von 26,8 Milliarden US-Dollar, die sich durch einen höheren Markenwert und Produktinnovationen ergeben könnten.

„Die Hunderte von Unternehmen mit großer [Umwelt-] Auswirkung, die nicht im CDP veröffentlichen und daher in diesem Report nicht analysiert wurden, dürften äußerst lukrative Geschäftsmöglichkeiten verpassen,“ argumentiert Gillespy daher.

Die mangelnde Transparenz über die Auswirkungen der großen Unternehmen auf die Abholzung macht es allerdings schwierig, zu beurteilen, ob dies tatsächlich der Fall wäre.

Gillespy erklärt aber auch, ohne Transparenz könnten diese Großkonzerne weiterhin eine große Zahl unbekannter Risiken bergen, „die ihre Investoren, Kunden und Endverbraucher nicht kennen. Und letztere verlangen mehr Transparenz.“

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]

FAO: Ernährungssicherheit braucht keine Abholzung

Immer mehr Wälder fallen der Erweiterung von Ackerflächen zum Opfer. Für die Ernährungssicherheit ist das laut Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) nicht sinnvoll. EURACTIV-Kooperationspartner Le Journal de l’Environnement berichtet.

EU soll mehr für den Urwaldschutz tun

Waldnationen fordern die EU auf, die Kontrolle der Lieferketten für Produkte, die zu Entwaldung führen – wie Palmöl oder Kakao – zu verstärken.

Greenpeace: Weniger Milch und Fleisch für das Klima

Die Welt muss die Produktion und den Verbrauch von Fleisch bis 2050 halbieren, um die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen, heißt es in einem neuen Greenpeace-Bericht.

 

Supporter

Life Tackle

Life Programme

LIFE TACKLE wird vom LIFE-Programm für Umwelt- und Klimapolitik der Europäischen Union kofinanziert - Projektnummer LIFE17 GIE/IT/000611



Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.