50.000 Teilnehmer bei Menschenkette gegen belgische Atomkraftwerke

50.000 Menschen nahmen an der Menschenkette gegen die belgischen AKWs in Doel und Tihange teil.

50.000 Menschen aus Belgien, Deutschland und den Niederlanden haben sich am Sonntag zu einer grenzüberschreitenden, 90 Kilometer langen Menschenkette zusammengeschlossen, um gegen das umstrittene Atomkraftwerk Tihange zu demonstrieren. In einem der Reaktoren waren kürzlich Mikrorisse entdeckt worden.

Die Demonstranten forderten eine sofortige Abschaltung von Reaktor 2 in Tihange bei Lüttich sowie von Reaktor 3 in Doel an der niederländisch-belgischen Grenze. Laut Veranstalter nahmen an der Aktion 50.000 Menschen teil. Die Kette reichte von Tihange über Lüttich und dem niederländischen Maastricht bis nach Aachen.

Der Betrieb war aufgrund entdeckter Mikrorisse in beiden Anlagen mehr als zwei Jahre lang unterbrochen gewesen. Nach Konsultationen mit internationalen Experten wurden die Reaktoren aber im Jahr 2015 wieder hochgefahren.

Die beiden anderen Doel-Reaktoren 1 und 2 sollten eigentlich bereits stillgelegt sein, ihre Laufzeiten wurden jedoch 2015 um zehn Jahre verlängert. Auch diese Entscheidung ist umstritten: wenn die Reaktoren 2025 dann tatsächlich vom Netz gehen, hätten sie eine Lebensdauer von insgesamt 50 Jahren.

Fast 40 Prozent des belgischen Gesamtenergiebedarfs und 55 Prozent des Stroms stammen aus Atomenergie. Das Land ist somit abhängig von seinen alten Reaktoren.

Internationale Experten hatten 70 neue Risse in Thiange 2 entdeckt, gab der belgische Innenminister Jan Jambon zu. Allerdings sei die Sicherheit nicht gefährdet und die Anlage würde weiterlaufen. Auch in Doel 3 waren im November Mikrorisse gefunden worden. Das Protestbündnis schreibt dazu auf seiner Website, es sei „unverständlich und inakzeptabel“, dass die belgische Regierung die Anlagen weiter betreibt.

Auch die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks hatte sich für einen „zeitweiligen“ Stopp der belgischen Reaktoren ausgesprochen und dies mit Sicherheitsbedenken begründet. Mit diesem Aufruf überzeugte sie die belgische Regierung nicht; allerdings haben sich die Führungen der beiden Länder geenigt, sich besser über Atomenergiefragen austauschen zu wollen.

Atomkraft: Hendricks schmerzlicher Kompromiss mit Belgien

Eigentlich wollte Barbara Hendricks die belgischen Risiko-Reaktoren Doel 3 und Tihange 2 abschalten lassen. Doch sie scheiterte. Stattdessen haben sich Belgien und Deutschland nun auf mehr Informationsaustausch über Atomkraftwerke geeinigt.

Es ist noch nicht klar, wie sich die neuerlichen Bedenken über Tihange auf die Beziehungen zwischen Brüssel und Berlin auswirken werden – gerade, weil Hendricks keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung über die belgischen Reaktionen machte. Diese „entsprechen absolut nicht den Bedürfnissen und Erwartungen der Bevölkerung in der Grenzregion.”

Auch in anderen Teilen Europas ist Skepsis geboten: Letztes Jahr hatte der Europäische Rechnungshof einen Bericht veröffentlicht, laut dem die Abschaltung diverser Rekatoren sowjetischer Bauart in Ost- und Mitteleuropa nicht wie geplant vorangehen. Die Abschaltung von insgesamt acht Reaktoren in Litauen, der Slowakei und Bulgarien war eigentlich Teil der Beitrittsbedingungen dieser Länder gewesen, der Prozess dauert aber weiter an. Im scharf formulierten Bericht kritisierte der Rechnungshof Verzögerungen, fehlendes technisches Know-How sowie Intransparenz im Umgang mit EU-Geldern.

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