25.000 Schüler streiken in Berlin für eine ambitionierte Klimapolitik

Startpunkt der Berliner Demonstration war der Invalidenpark - zwischen dem Wirtschafts- und dem Verkehrsministerium.

Es ist einer der größten Klimastreiks der Geschichte. Schüler in 123 Ländern gingen heute auf die Straße, in Berlin protestierten laut Veranstaltern 25.000 Schüler, 300.000 waren es in ganz Deutschland. Die Initiatorin Greta Thunberg wurde gestern für den Friedensnobelpreis nominiert.

„Dumbledore wouldn’t let this happen”, steht auf einem der vielen Pappschilder, die aus der Menge herausragen. Tausende Schüler haben sich um zehn Uhr vormittags im Berliner Invalidenpark versammelt. Es ist Freitag, der 15. März und Jugendliche in weltweit 123 Ländern streiken für eine ambitionierte Klimapolitik. Allein in Deutschland sind mehr als 220 Orte dabei.

„Wenn wir es wirklich ernst meinen mit unserer Zukunft, dann müssen wir jetzt auf den Tisch hauen!“, ruft Luisa Neubauer, die Organisatorin von „Fridays for Future“ in Berlin, von der Bühne. „Und wir müssen uns alle ehrlich fragen: Tun wir alles, was wir können, um diesem Theater ein Ende zu setzen?“

In Deutschland beteiligen sich Schüler seit drei Monaten an dem Freitagsstreik gegen den Klimawandel. Seitdem habe sich noch quasi nichts getan, sagt Neubauer. Es sei der größte Betrug an der jungen Generation. Früher habe sie immer Vertrauen darauf gehabt, dass die Menschen in Anzügen bei den wichtigen Treffen mit den kleinen Häppchen schon etwas machen würden, um den Klimawandel aufzuhalten. „Aber das stimmt nicht!“, so die 22-jährige Geografie-Studentin.

Um eine sofortige Kehrtwende einzufordern sind sie heute hier: Rund 25.000 Menschen beteiligen sich im Laufe des Tages an dem Protest, zählen die Veranstalter – deutlich mehr als die ursprünglich erwarteten zehntausend. Los geht es im Park zwischen dem Wirtschafts- und Verkehrsministerium. Ihre konkrete Forderung an die Politiker: Raus aus der Kohle.

Die Initiatorin des Klimastreiks ist Greta Thunberg, die seit vergangenem August jeden Freitag vor dem schwedischen Parlament für einen entschlosseneren Kampf gegen den Klimawandel protestiert – seitdem hat sie Schüler auf der ganzen Welt dazu inspiriert, ebenfalls auf die Straße zu gehen. Gestern, am 14. März, nominierten norwegische Abgeordnete die 16-Jährige für den Friedensnobelpreis.

Neubauer traf Thunberg im Dezember auf der Klimakonferenz in der polnischen Stadt Katowice. Nach dem Gespräch war ihr schnell klar, dass sie „Fridays for Future“ auch nach Berlin bringen wollte, sagt Neubauer, während sie vor dem großen Banner an der Spitze des Demonstrationszuges durch die Louisenstraße hergeht. „Verkehrswende statt Klimakrise“, ist auf dem Banner zu lesen. „Hopp, hopp, hopp, Kohlestopp“, rufen die Jugendlichen.

23.000 Wissenschaftler unterschreiben Petition

Mit dabei waren auch viele Wissenschaftler, die sich dem Schülerstreik angeschlossen haben – nicht zuletzt in Reaktion auf eine Äußerung von FDP-Chef Christian Lindner in der „Bild am Sonntag“: Man könne nicht erwarten, dass Kinder und Jugendliche bereits alle globalen Zusammenhänge sowie das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen würden. Das sei eine Sache für Profis.

„Wir sind die Profis und wir sagen: Die Schüler haben recht!“, so die Antwort von Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, als er nach Neubauer auf die Bühne im Invalidenpark steigt. Die Wissenschaft habe die Lösungen, um die gesamte Energieversorgung auf erneuerbare Ressourcen umzustellen. Das sei machbar, erfordere aber entschiedenen Einsatz für den Umstieg. Den wollen die Jugendlichen einfordern.

Um ihre Unterstützung dabei deutlich zu machen haben Wissenschaftler „Scientists for Future“ ins Leben gerufen und eine Petition gestartet, die sie den Schülern heute in Berlin überreichen. 23.000 Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben bereits unterzeichnet.

Auch auf die Kritik von Wirtschaftsminister Peter Altmaier reagierte Quaschning:

„Es sind so ungewohnt viele Menschen auf der Demonstration! Und das ist erst der Anfang“, sagt Emma (15), die mit einem großen Megafon durch die Menge geht. Ihren Nachnamen will sie nicht verraten, ihre Schule unterstütze die Streiks nicht. Sie werde trotzdem sooft kommen, wie möglich: „Es geht schließlich um unsere Zukunft!“

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