24 türkische Städte sagen entgegen der Regierung dem Pariser Klimaabkommen zu

Die Vertreter von 24 türkischen Städten und Gemeinden gestern am 09. Dezember. Sie bekennen sich zum Pariser Klimaabkommen. [Foto: Ege Tok]

Im Rahmen der laufenden COP25 haben sich gestern 24 türkische Städte und Gemeinden zum Pariser Klimabkommen bekannt. Die Türkei ist bisher das einzige Land der G20, das das Pariser Abkommen bisher nicht ratifiziert hat.

Unter den Unterzeichnern der Erklärung befinden sich drei der fünf größten Städte des Landes, insgesamt decken sie ein Viertel der türkischen Bevölkerung ab. Neben der Hauptstadt Ankara sind die Großstädte Izmir und Bursa sowie zahlreichen Einzeldistrikte von Istanbul vertreten.

Es ist das erste Mal, dass türkische Regionalvertretungen sich für den internationalen Klimapakt aussprechen. Mit der Unterzeichnung sagen sie zu, ihre Emissionen deutlich zu senken und die Bereiche Transport, Gebäudesanierung, Energieversorgung und Landwirtschaft an die Erreichung des 1,5-Grad-Zieles anzupassen.

Bis heute ist die Türkei das einzige Land der G20, welches das Pariser Abkommen nicht ratifiziert hat. Bei der Klimarahmenkonvention der UN hat das Land keinen nationalen Klimaplan eingereicht, einen nationalen Plan hat dir Türkei nur bis zum Jahr 2023.

„Es sind die Städte, wo der Kampf um das Klima gewonnen oder verloren wird"

Bürgermeister aus aller Welt treffen sich diese Woche zum C40-Gipfel in Kopenhagen, um sich für stärkeren Klimaschutz zu verpflichten. Sie konstatieren einen weltweiten Klimanotstand. Man könne nicht länger auf das Handeln der Nationalstaaten warten.

Auf dem G20 in Hamburg vor zwei Jahren hatte die Türkei noch zu den Unterstützern des Pariser Abkommens gezählt. Kaum zwei Stunden nach Unterzeichnung der Abschlusserklärung machte Präsident Recep Erdoğan allerdings einen Rückzieher: Der damalige französische Präsident François Hollande habe ihm versprochen, dass die Türkei bei der Umsetzung des Abkommens nicht in die Kategorie der Industriestaaten eingestuft werde.  „Solange die Versprechen, die man uns gegeben hat, nicht gehalten werden, werden wir das in unserem Parlament auch nicht ratifizieren.“ Bis heute ist das nicht geschehen.

Dem „Brown to Green“ Report zufolge, einer Analyse der Klimabilanz der G20, befindet sich die Türkei wie die meisten Staaten weitab von dem Weg, der zur Erreichung des Klimaabkommens nötig wäre. Noch immer zieht das Land 38 Prozent seiner Energie aus der Kohleverstromung. Im Mai dieses Jahres kündigte das Energieministerium an, rund 500 Kohleminen in öffentlichen Ausschreibungen an Investoren zu vergeben. Auch im Transport lassen sich keine nationalen Fortschritte erkennen; zwischen 2013-2018 stiegen die pro-Kopf-Emissionen um 38 Prozent an.

Türkei will Stromproduktion aus Kohle verdoppeln

Gesundheitsaktivisten schlagen Alarm: Die Türkei will in den kommenden vier Jahren die Kohlekraft-Stromproduktion verdoppeln. Damit avanciert das Land zum weltweit drittgrößten Kohle-Investor. EURACTIV Brüssel berichtet.

Einer Umfrage der Medienplattform Iklim Haber zusammen mit dem Beratungsfirma Konda Research zufolge, bei der dieses Jahr 2.700 türkischen Staatsangehörigen befragt wurden, ist das öffentliche Meinungsbild in der Türkei einigermaßen ambivalent. Demnach führen 71 Prozent der Menschen die veränderten Wetterbedingungen auf den Klimawandel zurück, gleichzeitig machen sich 38 Prozent keine Sorgen oder haben keine Meinung zum Klimawandel. Nur knapp mehr als die Hälfte, 55 Prozent der Befragten, sind der Meinung, dass die türkische Regierung sich stärker im Klimaschutz engagieren sollte.

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN