2 Milliarden Euro schwere „Clean Hydrogen Partnership“ signalisiert Abkehr von Wasserstoffautos

Europa soll "die Kosten für Wasserstoff bis 2030 auf unter 1,8 € pro Kilo senken", so die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Einst schienen Brennstoffzellen-betriebene Autos und Lastwagen die Zukunft der umweltfreundlichen Mobilität zu sein. Da jedoch Elektroautos nun den Markt dominieren werden, wurde die gemeinsame Wasserstoffunternehmung der EU – welches Industrie, Behörden, Zivilgesellschaft und andere Interessengruppen einbezieht – diese Woche umbenannt, um eine Verlagerung der Prioritäten auf die Produktion von kostengünstigem grünem Wasserstoff durch Elektrolyse zu signalisieren.

Der Schwerpunkt der EU-Wasserstoffstrategie liegt heute nicht mehr auf dem Verkehr, sondern auf der Schwerindustrie wie der Stahlerzeugung und der chemischen Industrie, die nicht vollständig elektrifiziert werden kann und flüssige und gasförmige Brennstoffe als Ausgangsstoffe oder für Hochtemperaturwärme benötigt.

Diese Änderung der Prioritäten spiegelt sich in der dritten Fassung des gemeinsamen Wasserstoffunternehmung der Europäischen Kommission wider, die am Montag (29. November) vorgestellt wurde.

Die früher als „Gemeinsame Unternehmung Brennstoffzellen und Wasserstoff“ (FCH JU) bezeichnete Partnerschaft wurde in „Clean Hydrogen Partnership“ umbenannt.

„Diese neue Partnerschaft baut auf der jahrelangen Zusammenarbeit auf, die durch die Gemeinsame Unternehmung für Brennstoffzellen und Wasserstoff gefördert wurde“, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei der Vorstellung der neuen Partnerschaft am Montag.

Gniewomir Flis, Wasserstoffexperte beim deutschen Think-Tank Agora Energiewende, erklärt: „Die Namensänderung spiegelt die Verlagerung der Prioritäten von der Mobilität hin zu den weniger umstrittenen No-Regret-Anwendungen wider“.

„No regret“-Anwendungen für Wasserstoff finden sich in der industriellen Nutzung als Reaktionsmittel und Ausgangsstoff, in der Langstreckenluftfahrt, in der Seeschifffahrt, als Backup für erneuerbare Energien und in großen Wärmenetzen, so der deutsche Think-Tank in seinem vor kurzem veröffentlichten Bericht „12 Insights on Hydrogen„.

Die „No regret“-Szenarien wurden aus einer Analyse mehrerer Wasserstoffstudien und Forschungsarbeiten abgeleitet. Sollten sich die meisten Quellen auf einen Anwendungsfall für Wasserstoff einigen, würde dieser als „No Regret“-Anwendung eingestuft werden.

„Noch vor einem Jahrzehnt schienen Brennstoffzellen-Elektroautos die Zukunft der Autoindustrie zu sein. Heute ist der Traum ausgeträumt“, schreibt Flis.

Während der wasserstoffbetriebene Verkehr eine Nische bleibe, sehe er klare Marktchancen für wasserstoffbasierte Kraftstoffe in der Schifffahrt und Luftfahrt.

Die Abkehr von der Konzentration auf Brennstoffzellen in der öffentlich-privaten Partnerschaft geht auch aus dem Wortlaut der Verordnungen hervor, mit denen die zweite und dritte Fassung dergemeinsamen Unternehmung im Jahr 2014 beziehungsweise 2021 gegründet wurde.

Die Verordnung zur Gründung der zweiten Fassung der Gemeinsamen Unternehmung im Jahr 2014 verfolgte das „besondere Ziel“, „die Produktionskosten von Brennstoffzellensystemen für Verkehrsanwendungen zu senken“ und gleichzeitig ihre Lebensdauer zu verlängern, damit sie mit herkömmlichen Technologien wettbewerbsfähig sind.

In der Verordnung zur Gründung des Nachfolgeprogramms, dem „Clean Hydrogen Partnership“, heißt es hingegen, dass das Hauptziel darin besteht, „die Kosteneffizienz, Zuverlässigkeit, Quantität und Qualität sauberer Wasserstofflösungen“ zu verbessern, um „effizientere und günstigere Wasserstoff-Elektrolyseure und kostengünstigere Verkehrs- und Industrieanwendungen“ zu ermöglichen.

Die Details der neuen Partnerschaft

In ihrer Rede bezeichnete von der Leyen die Clean Hydrogen Partnership als „einen neuen großen Schritt nach vorn, um innovative Technologien aus dem Labor in die Fabrik und schließlich zu den europäischen Unternehmen und Verbrauchern zu bringen“.

Das bedeutet, dass Europa „die Kosten [für Wasserstoff] bis 2030 auf unter 1,8 € pro Kilo senken sollte“, so die Kommissionspräsidentin. „Und dieses Ziel ist in Reichweite“, fügte sie hinzu.

Die neuen Ziele der öffentlich-privaten Partnerschaft sind ähnlich hochgesteckt, aber weniger konkret: „Produktion von sauberem Wasserstoff zu ~1,5-3 €/kg“ und Senkung der Vertriebskosten „auf weniger als 1 €/kg in großem Maßstab“, wie es in der Verordnung heißt.

Die unterschiedlichen Preisziele für die Wasserstoffproduktion in Europa würden sich ganz unterschiedlich auf den Erfolg des entstehenden Wasserstoffmarktes auswirken.

„Wasserstoffproduktion und Transport mit Speicherung mit einem Preis von jeweils 1 €/kg würden den Wendepunkt für den Erfolg des Wasserstoffmarktes markieren“, so Flis gegenüber EURACTIV.

Um all das zu erreichen, was sich die neu aufgelegte gemeinsame Unternehmung vorgenommen hat, wird es mit einer beträchtlichen Geldsumme ausgestattet: 1 Milliarde Euro aus Horizon Europa – dem wichtigsten Förderungsprogramm der EU für Forschung und Innovation der EU – und eine weitere Milliarde Euro von Industriepartnern.

Diese Industriepartner werden voraussichtlich durch den Verband der Wasserstoffindustrie, Hydrogen Europe, vertreten sein. Zu den 315 Mitgliedern des Verbandes gehören Schwergewichte wie Airbus, BMW, BP und der spanische Energieversorger Iberdrola.

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[Bearbeitet Taylor und Frédéric Simon]

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