Umweltfreundliche Gebäude [DE]

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Gebäude machen mehr als 40% der Energie-Endnachfrage der EU aus und sind die Hauptverursacher von Treibhausgasemissionen. Deshalb sind Energiesparmaßnahmen in diesem Bereich ein wichtiges Element der europäischen Klimastrategie.

Ernsthafte Bemühungen der EU, den Energieverbrauch im Gebäudesektor zu reduzieren, begannen im Jahr 1993 mit der Richtlinie zur Begrenzung der Kohlendioxidemissionen durch eine effizientere Energienutzung (
SAVE), welche die Mitgliedstaaten dazu verpflichtete, Energieeffizienzprogramme im Gebäudesektor durchzuführen und entsprechenden Berichte zu erstellen. Die SAVE-Richtlinie, die 2006 durch die Richtlinie über Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen  ersetzt wurde, legte den Gebäudesektor als einen Teil der gesamten Energiesparmaßnahmen fest (siehe LinksDossier Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen).

Die Richtlinie  von 2002 über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden  (Energy Performance of Buildings Directive, EPBD) betrifft sowohl Wohnhäuser als auch andere Gebäude. Sie wird als ‚ergänzendes Instrument’ zu SAVE betrachtet, da sie ‚konkrete Maßnahmen zur Schließung von bestehenden Lücken’ vorschlägt. Die EPBD, die im Januar 2006 in Kraft trat, schreibt eine einheitliche Methode für die Berechnung des Energieprofils von Gebäuden vor, sowie für die Schaffung von Mindeststandards für Energieprofile in den einzelnen Mitgliedstaaten. Die Richtlinie gilt für neue Gebäude und bestehende Häuser, die grundlegenden Renovierungen unterzogen werden.

Um ein entsprechendes Bewusstsein zu schaffen und die Energieeffizienz zu steigern, müssen die Mitgliedstaaten gewährleisten, dass Energieausweise zur Verfügung gestellt werden, wenn Gebäude gebaut, verkauft oder vermietet werden. In öffentlichen Gebäuden mit einer Fläche von mehr als 1 000 Quadratmetern müssen diese Zertifikate gut sichtbar im Haupteingang angebracht werden.  

  • Einordnung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden

Die Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden ist Teil der EU-Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel. Die Schlussfolgerungen des Vorsitzes des Europäischen Rates vom 8. und 9. März 2007 stellen fest, dass Energieeinsparungen, zusammen mit anderen Maßnahmen, „den prognostizierten Anstieg der Energiepreise dämpfen und den Ausstoß von Treibhausgasen in Einklang mit den Vorsätzen der EU für die Zeit nach 2012 verringern werden.“

Die Kommission schätzt, dass eine vollständige Umsetzung der EPBD bis 2020 Energieeinsparungen von 40 Megatonnen Öl ermöglichen wird, was einer Reduzierung von 11% im Energieendverbrauch der EU entspricht. Die Bedeutung von Gebäuden als potentielle Quelle für Energieeinsparungen wird sowohl im Grünbuch zu Energieeffizienz von 2005 als auch im Aktionsplan für Energieeffizienz der EU von 2006 aufgegriffen. Letzterer weist darauf hin, dass das Gemeinschaftsrecht „ein umfassendes Regelwerk von Richtlinien und Verordnungen zur Verbesserung der Energieeffizienz von energieverbrauchenden Produkten, Gebäuden und Dienstleistungen“ enthalte, inklusive der Ökodesign-Richtlinie und der Energy-Star-Verordnung.

  • Umsetzung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden

Die Richtlinie gibt den Mitgliedstaaten eine ‘umfassende Methode’ vor, wie die Energieeffizienz zu berechnen ist. Die Methode basiert auf einer Vielzahl von Faktoren, zum Beispiel die Lage des Gebäudes sowie Heiz-, Kühl- und Lichtinstallationen. Von dieser Berechnung ausgehend können die Mitgliedstaaten ihre eigenen Mindeststandards zur Energieeffizienz festlegen.

Mehrere Hilfsmittel, die direkt oder indirekt mit der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden zusammenhängen, stehen den Mitgliedstaaten bei der Umsetzung zur Verfügung. Die Generalsdirektion für Energie und Verkehr hat eine spezielle Internetseite für die Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden entwickelt. Das Programm „Intelligente Energie – Europa“ (IEE) hat Gelder für die Einrichtung einer „GreenBuilding-Plattform“ zur Verfügung gestellt, welche die EPBD ergänzen soll. IEE finanzierte auch die „Concerted Action“, eine Plattform zum Informationsaustausch.

  • Die Umstellung in den Mitgliedstaaten: ein gemischtes Bild

Die Umsetzung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden schreitet in jenen Mitgliedstaaten gut voran, in denen rechtliche Grundlagen zu Energieprofilen von Gebäuden bereits vorhanden sind. Irland, Dänemark, Deutschland, die Niederlande und das Vereinigte Königreich verzeichnen gute Fortschritte. In bestimmten Mitgliedstaaten, so wie Dänemark, waren Energiekontrollen und die Kennzeichnung von Entwürfen für Gebäude bereits vor 2006 verpflichtend.

Besonders Deutschland ist bei der Gebäudeeffizienz führend. Bestimmte Städte, vor allem Freiburg, gehen den richtigen Weg und liefern „best-practice“-Methoden, auf denen Gesetze zur Energieeffizienz öffentlicher Gebäude basieren. Im April 2007 schlug die deutsche Ratspräsidentschaft auch die Einführung eines „Energieausweises“ für Gebäude vor (EURACTIV vom 23. April 2007). Das Vereinigte Königreich ist wie Deutschland im Begriff, verwaltungstechnische und finanzielle Hürden für die Installation von Solarflächen und andere „Mikro“-Energiegewinnungseinrichtungen in Privathaushalten abzubauen.

Die meisten Mitgliedstaaten haben jedoch keine schnellen Fortschritte bei der Umsetzung der Richtlinie vorzuweisen und haben sich entschieden, die Umsetzung bis 2009 hinauszuzögern: Eine Klausel in der Richtlinie gestattet, die Umsetzung um drei Jahre zu verschieben, wenn ‚anerkannte Experten’ fehlen, um Energiezertifikate auszustellen. 

Die Kommission hat Vertragsverletzungsverfahren gegen 20 Mitgliedstaaten eingeleitet (EURACTIV vom 7. Dezember 2007).

Detaillierte Informationen zum Fortschritt bei der Umsetzung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden kann unter dem Punkt Länderberichte auf der EPBD-Webseite eingesehen werden.

  • Die internationale Dimension

Gebäudeeffizienz beherrschte ebenfalls die Diskussionen in hochrangigen internationalen Foren, insbesondere in Verbindung mit dem Klimawandel. Der vierte Bewertungsbericht des zwischenstaatlichen Ausschusses zum Klimawandel (IPCC) der Vereinten Nationen vom 4. Mai 2007 stellt fest, dass Energieeffizienz für neue und bestehende Gebäude die CO2-Ausstöße beträchtlich senken und zu wirtschaftlichem Nettogewinn führen könnte. Ein Bericht vom 29. März 2007 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) weist darauf hin, dass bis 2010 bis zu 45 Millionen Tonnen CO2 jährlich eingespart werden könnten, wenn man höhere Standards für neue und bestehende Gebäude einführen würde.

  • Jenseits der Gesetzgebung: die Revolution der umweltfreundlichen Gebäude

Strengere Gesetze zur Energieeffizienz und internationale Erklärungen stellen nur die Spitze des Eisbergs der „Grünen Gebäude“ dar. Es gibt eine wachsende Zahl von Initiativen, sowohl in EU-Mitgliedstaaten als auch weltweit, die traditionelle Ansätze sowohl zu Wohnhäusern als auch anderen Gebäuden sowie zu Lebensstilen neu definieren.

Zumindest zwei europäische Initiativen sind erwähnenswert: Das Vauban-Projekt in Freiburg, Deutschland, und das BedZED-Projekt im Süden Londons. Es handelt sich um die Entwicklung städtischer Wohnsiedlungen, die nicht nur in Hinblick auf Energieeinsparungen beispielhaft sind, sondern auch aus der Perspektive der Stadtplanung und der sozialen Organisation: Beide erzielen eine größere Nachhaltigkeit, indem sie die lokale öffentliche Ordnung, Planung, Design und Technologie miteinander kombinieren, wobei der Einsatz „traditioneller“ Energiesparmaßnahmen, wie bessere Isolierungen, nur ein Teil der Lösung sind.

  • Wirtschaft bei Standards führend

In einigen Ländern hat die Wirtschaft eine unabhängige Rolle bei der Einführung von Standards zu umweltfreundlichen Gebäuden übernommen. Die bekannteste ist das LEED-Bewertungsverfahren, das vom „US Green Building Council“ entwickelt wurde. LEED ist in den USA und in Kanada zu einem anerkannten Standard für die Bewertung von Gebäuden geworden und das Modell wird auch von anderen Staaten in Betracht gezogen.

  • Innovation des Privatsektors

Wichtige multinationale Firmen wie DuPont und Honeywell haben ebenfalls reges Interesse an dem Bereich gezeigt und entwickelten Materialien, Systeme und andere Technologien, um das Energieprofil von Gebäuden zu stärken. Fortschritte bei den Technologien zu erneuerbaren Energien, wie ein ‚solarer Farbstoff’, werden sicherlich einen großen Beitrag zur Umweltfreundlichkeit von Gebäuden beitragen und eines Tages zur weit verbreiteten Errichtung von Häusern führen, welche die Anforderungen, die von Politikern an die Energieeffizienz gestellt werden, bei weitem übertreffen.

  • Auf dem Weg zu zukunftsfähigen Städten

Neben einzelnen Gebäuden oder losgelösten Entwicklungen werden momentan komplette „Öko-Städte“ geplant. Zwei der ehrgeizigsten Projekte befinden sich fernab der europäischen Grenzen: Eines ist das Dongtan-Projekt vor den Toren von Shanghai, das andere ist eine Stadt ohne CO2-Emissionen und ohne Müll, die in Abu Dhabi gebaut werden soll. Näher liegen die fünf neuen „Öko-Städte“, von denen der vermutlich nächste britische Premierminister Gordon Brown Ende Mai 2007 ankündigte, sie bauen zu wollen. Sie sollen 100 000 umweltfreundliche Wohnhäuser umfassen, die auf ehemaligen Industriebrachen stehen sollen.

  • Zukünftige Gesetzgebung

Gegenwärtige Trends scheinen zu zeigen, dass Gebäude zunehmend einen zentralen Platz in den Bemühungen der EU einnehmen, den Klimawandel zu bekämpfen. Der Anhang des Aktionsplans zur Energieeffizienz von 2006 führt eine Reihe kommender EU-Gesetze und anderer Maßnahmen in Zusammenhang mit Gebäuden auf (siehe „Nächste Schritte“).

EuroACE, die European Alliance for Energy Efficiency in Buildings (Europäischer Bund für die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden), die Unternehmen vertritt, die Güter oder Dienstleistungen zum Energiesparen anbieten, ist für eine frühe Ausweitung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden auf alle bereits errichteten Gebäude. Bisher gilt die Richtlinie nur für Häuser, an denen größere Renovierungsarbeiten vorgenommen werden. EuroACE glaubt außerdem, dass der Grenzwert von 1000m², ab dem Energieeffizienzzertifikate öffentlich in den entsprechenden Gebäuden ausgehängt werden müssen, abgeschafft werden sollte.

Der Bund begrüßte daher den im November 2008 überarbeiteten Vorschlag der Kommission und forderte das Europäische Parlament und den Rat auf, die in diesem Vorschlag enthaltenen ambitionierten oder noch ambitioniertere Ziele zu verfolgen, um die vielen Vorteile besonders effizienter Gebäude voll ausnutzen zu können.

Die Überarbeitung und Ausweitung des Geltungsbereiches der Richtlinie wurde von Eurima, der Europäischen Vereinigung der Dämmstoff-Hersteller, sehr begrüßt. 2006 hatte Eurima eine Studie in Auftrag gegeben, die zeigte, dass eine erweiterte Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden der EU bis 2010 jährlich 8 Milliarden Euro sparen könnte. Diese Summe könne bis 2015 auf 14,5 Milliarden Euro steigen und schätzungsweise bis zu 530 000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Der Europäische Dachverband für Handwerker und KMU des Bauwesens (EBC) zeigte sich zufrieden mit der Bestimmung, den 1000m²-Grenzwert für Mindeststandards für die Energieeffizienz abzuschaffen, durch den 72% der in der EU gebauten Gebäude nicht unter die Vorschriften der Richtlinie fallen. Er forderte die Mitgliedstaaten auf, Pläne für die Information und Aus- und Weiterbildung sowohl in Bauunternehmen als auch der Verbraucher zu erarbeiten, um sicherzustellen, dass die Vorgaben auch tatsächlich umgesetzt würden.

Der Verband der Europäischen Bauwirtschaft (FIEC) bedauerte, dass der überarbeitete Vorschlag bei der Festlegung konkreter Ziele für die Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz der bereits errichteten Gebäude nicht weit genug gehe. Er forderte, dass explizit auf die Rolle von MwSt-Senkungen und anderen finanziellen Anreizen zur Anregung von Renovierungsarbeiten und auf die wichtige Bedeutung der Ausbildung von KMU in Techniken für energieeffizientes Renovieren hingewiesen werden solle.

Der WWF  ist der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden gegenüber ebenfalls kritisch eingestellt, da diese für die meisten bereits errichteten Gebäude nicht gelte, welche die Mehrheit des Häuserbestands darstellten. Der WWF ist weiterhin der Meinung, dass die meisten Mitgliedstaaten nur die Mindestanforderungen der Richtlinie umsetzten und das Potential möglicher Energieeinsparungen nicht nutzten. 

  • Januar 2006: Frist für die Mitgliedstaaten, die Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden umzusetzen. Die meisten Mitgliedstaaten haben die Frist jedoch bis 2009 ausgeweitet.
  • Juni 2007: Frist für die Veröffentlichung der nationalen Aktionspläne der Mitgliedstaaten zur Energieeffizienz.
  • 14. November 2008: Kommission schlägt Überarbeitung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden vor (EURACTIV vom 14. November 2008). 
  • Dezember 2008: Veröffentlichung aktueller Länderberichte zur Umsetzung der Richtlinie.
  • 1. April 2009: Erste Lesung der überarbeiteten Richtlinie im Parlamentsplenum erwartet.

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