„Unser Traum: In Swasiland völlig auf Erneuerbare Energien umzustellen“

Die Ministerin für natürliche Ressourcen und Energie in Swasiland, Jabulile Mashwama [Foto: Nicole Sagener]

Swasiland ist eines der ärmsten Länder der Welt. Dennoch verfolgt es auch hinichtlich der Energieversorgung ehrgeizige Ziele. Im Interview mit Euractiv.de erklärt Energieministerin Jabulile Mashwama, wie ihr Land bis 2050 auf Erneuerbare Energiequellen umstellen will und wo die größten Herausforderungen liegen.

Jabulile Mashwama ist Ministerin für natürliche Ressourcen und Energie in Swasiland. Das Königreich in Südost-Afrika gehört zu den ärmsten Staaten der Welt und ist bislang in der Energieversorgung auch von Importen abhängig. Doch das Land hat ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2050 will es in der Energieversorgung autark werden – und das möglichst mit Erneuerbaren Energiequellen erreichen.

Swasiland will 2050 ausschließlich auf erneuerbare Energien setzen. Wie ist der Plan entstanden?

Swaziland kann zurzeit nicht genug Energie produzieren, um sich selbst zu versorgen. Wir produzieren Energie mit Wasserkraftwerken, kaufen aber auch Energie von Nachbarstaaten an. Wir haben aber erkannt, dass wir unsere Eigenversorgung allein stemmen müssen, um diesbezüglich abgesichert zu sein. Und wir wollen das in der umweltfreundlichen Art tun, die möglich ist.

Es ist in gewisser Weise gut, als Entwicklungsland in diese Richtung einzuschlagen und von denen zu lernen, die mit der Energiewende bereits Erfahrungen gemacht haben. Nach diversen Studien über die Möglichkeiten grüner Energiequellen wissen wir jetzt, dass unsere Energiemix auf Erneuerbaren Energien basieren könnte.

Erneuerbare sind eine sehr attraktive Alternative für uns. Wir wollen ein Vorbild für die Umorientierung zu Erneuerbaren sein und zeigen, wie gut wir mit einer schnellen Industrialisierung vorankommen, die dennoch nicht die Umwelt schädigt.

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Wie geht Ihr Land bei der Umstellung vor?

Wir entwickeln zurzeit einen Masterplan, wie ein Energie-Mix aussehen soll und haben Pilotprojekte beispielsweise zu Windenergie gestartet.

Es ist natürlich nicht immer leicht, auf teilweise sehr neue Technologien umzustellen,  die zum Teil auch recht kostspielig sind. Wir wollen auf die Erneuerbaren setzen. Trotzdem sehen wir auch, dass wir einige fossile Ressourcen weiterhin nutzen müssen – aber in einer umweltschonenden Art. Also etwa mit sauberer Kohlekraft. Es ist aber unser Traum, völlig auf Erneuerbare Energien umzustellen und ein grünes Land zu werden.

Der Energiemix besteht in unserem Entwurf zurzeit aus etwa 20 Prozent Solarenergie, 40 Prozent Wasserkraft und 20 Prozent Windenergie bestehen. Aber noch erarbeiten wir den idealen Mix. Wir haben zwei Schulen im ländlichen Bereich, die komplett durch Windenergie versorgt werden und schauen, ob das gut funktioniert. Wir haben noch eine Lücke, was Solarenergie betrifft, aber wir arbeiten daran, das zu ändern.

Inwiefern spielen Bildung und Berufsausbildung eine wichtige Rolle in diesem Bereich?

Bildung stärkt Entwicklung natürlich in diversen Ebenen, allein schon, weil man Strom für Schulen und so weiter benötigt. Wir haben eine Bildungspolitik, die auch technische Fähigkeiten und Ausbildung in Ingenieurswissenschaften zu einer Priorität erklärt. Das spielt auch in den Schulen eine wichtige Rolle.

Wir haben aus gutem Grund ein starkes Energieministerium in unserer Regierung. Das ist wichtig – auch weil der Privatsektor immer mehr in unser Land kommt und natürlich gut ausgebildete Techniker braucht, die die Energiesysteme bedienen können. Wir arbeiten bereits mit etlichen Partnern, um entsprechendes Personal  weiter auszubilden und die Schulbildung weiter darauf auszurichten.

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Große Teile der Bevölkerung leben noch in Armut und ohne jeglichen Zugang zu Strom. Wie will die Regierung sicherstellen, dass auch diese Menschen an die Stromversorgung angeschlossen sind und sich Elektrizität leisten können?

In der Tat ist unser Land noch unterentwickelt, und viele Menschen auf dem Land leben ohne Zugang zu Elektrizität. Aber wir haben ein ehrgeiziges Entwicklungs- und Bildungsprogramm aufgelegt. Die Regierung hat ein großes Programm aufgelegt , um sicherzustellen, dass wir ländliche Gegenden mit Strom versorgen. Aber die Herausforderung liegt darin, dass sich die Menschen den Strom nicht leisten können. Darum entwickeln wir ein Modell, damit jene mit weniger Einkommen weniger zahlen. Es darf ja keine Rolle spielen, ob jemand genug Geld hat, um überhaupt einen Stromanschluss zu haben.

Gibt es dafür gute Vorbilder in anderen Ländern?

Südafrika hat einen Tarif, der auf die ärmere Bevölkerung zugeschnitten ist. Auch sie müssen Fernsehen schauen können, um die Nachrichten zu sehen oder Radio zu hören, und sie brauchen Licht, um auch zu Hause produktiv zu sein.

Zurzeit nutzt ihr Land noch viel Biomasse in Form von Holz. Welche Rolle soll das zukünftig spielen und welche alternativen Quellen von Biomasse wollen Sie weiter erschließen?

Swasiland hat eine große Bauholz-Industrie. Wir schauen also, welche Biomasse wir aus dieser Industrie ziehen können. Wir sind ein sehr grünes Land, haben also große Biomasse-Ressourcen. Und wir wollen noch mehr auf die Abfallprodukte von Zucker setzen, denn wir sind ein großer Zuckerproduzent. Kleine Farmer können so auch an den Abfallprodukten ihrer Zuckerernte verdienen und von dem sogenannten Müll profitieren.

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Der deutsche Entwicklungsminister will einen sogenannten Marshall Plan für Afrika entwickeln. Was sind Ihre Erwartungen an das Projekt?

Zuerst einmal müssen wir den Marshall Plan wirklich kennen und wissen, in welcher Weise beide Seiten davon profitieren tatsächlich können. Wir sind bereits Mitglied der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft SADC, die schon Prozesse zur Entwicklung definiert hat. Was immer also der Marshall Plan zu bieten hat, es muss sich auch in das einfügen lassen, was wir bereits als Programm festgelegt haben.

Wir müssen besser verstehen, was der Marshall Plan ist, und haben darum auch diverse deutsche Unternehmen nach Swasiland eingeladen. SADC veranstaltet im Juli ein Investment Forum zum Thema Energie, und dort könnte Deutschland vielleicht seinen Plan detaillierter vorstellen. Deutschland ist führend in vielen Technologien und ich bin sicher dass wir in etlichen Bereichen zusammenarbeiten und von der Kooperation profitieren können.

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